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Zugeschnappt: Warum Unternehmen Snapchat ausprobieren sollten

Von Kristina Grube, veröffentlicht am 1.7.2016

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Über Snapchat, die mobile App mit dem Geist als Icon, wurde medial nahezu konstant berichtet. Es kann also gut sein, dass Sie durch Berichte oder durch Ihr Umfeld bereits von dem aktuellen Shootingstar unter den Apps gehört haben.

Doch was genau kann diese Messenger-App und warum ist für Sie jetzt der Zeitpunkt gekommen, sich aus Marketingsicht mit ihr zu befassen? Die Antworten auf diese Fragen, die Beschreibung, was Snapchat ist und wie es von Unternehmen zur Vermarktung genutzt werden kann, erfahren Sie hier.

Snapchat – eine zufällige Idee

Die Entwicklung von Snapchat nahm einen ähnlich interessanten Verlauf wie Facebook und ist laut Snapchat-Experte Philipp Steuer eine der wohl unerwartetsten Geschichten der jüngeren Internetzeit. Snapchats Gründer Evan Spiegel und Bobby Murphy waren an der Stanford Universität gerade mit einem Software-Projekt gescheitert, als ihr Kommilitone Reggie Brown das WG-Zimmer betrat und sich über ein Foto beklagte, dass er dem Empfänger besser nicht gesendet hätte.

Wer von den drei Männern im Sommer 2010 die zündende Idee hatte, aus diesem Problem den Aufhänger für einen neuen Messenger-Dienst zu formen, blieb bis heute undurchsichtig. Entstanden war jedoch erstmals die Möglichkeit, Nachrichten zu versenden, die sich nach wenigen Sekunden wieder selbst zerstörten.

Das Feedback von Investoren war aber ernüchternd, das Unverständnis über den Zweck von zeitlich begrenzt zugreifbaren Fotos groß und der Erfolg blieb zunächst aus. Bis zu dem Zeitpunkt, als Spiegels Mutter ihrer Nichte von der App erzählte: Über die Sommerferien verdoppelten sich die Nutzerzahlen auf 2.000 User, im Januar waren es bereits 20.000 und im April 40.000 Schüler, die zwischen 9 und 15 Uhr die meisten Zugriffe tätigten.

Ein verzögerter Durchbruch, aber mit entscheidendem Vorteil zu anderen sozialen Netzwerken: Hier ist hauptsächlich die werberelevante Zielgruppe der 13- bis 34-Jährigen anzutreffen. Weltweit 100 Millionen Snapchatter schauen sich täglich sieben Milliarden Videos und Fotos an, auf drei Milliarden wird allein in Europa zugegriffen. 2,5 Millionen aktive Nutzer pro Tag gibt es bereits in Deutschland.1 Diesen Zahlen nach zu urteilen, kann es sich lohnen, Snapchat für Ihr Unternehmensmarketing auszuprobieren und diesen digitalen Trend im Auge zu behalten.

Snapchat als Unternehmen nutzen: Die Anwendungen

Im Gegensatz zu anderen Social Media Angeboten, bietet der Messaging-Dienst seinen Nutzern nicht die Funktion an, ein eigenes Profil anzulegen und mit Informationen anreichern zu können. Stattdessen erhält der User einen einseitig ausgerichteten Channel zum Verbreiten der Inhalte und eine Chatfunktion unter einzelnen App-Mitgliedern. Die bis dato bekannten Anwendungen wie Teilen, Liken oder Kommentieren, die bei Facebook und Twitter erfolgsentscheidend sind, entfallen innerhalb Snapchats.

Im Oktober 2013 entwickelte das Team rund um Spiegel ein Feature, dass die App für Nutzer noch einmal attraktiver machte: Die Storys. Konnten Snaps anderen bislang nur direkt geschickt werden, war es nun möglich, Bilder und Videos mit allen gleichzeitig zu teilen. Alle Inhalte, die über den Tag verteilt in dem Bereich Story veröffentlicht werden, ergeben einen langen Filmstreifen, der 24 Stunden abrufbar ist.

 

 

Im Februar 2016 präsentierte Snapchat seine „On-Demand Geofilter“. Allgemein dienen Geofilter der Individualisierung der Snaps, genauso wie Farbfilter, Ortszeiten oder die lokale Temperatur. Sie benennen und kennzeichnen Orte oder Touristen-Attraktionen. Die neuen „On-Demand Geofilter“ können von den Nutzern käuflich erworben, selbst gestaltet und individuell verortet werden.
Diese Funktion eignet sich für Ihr kleines oder mittelständisches Unternehmen besonders, indem Sie dadurch Events vermarkten können: Besuchende Snapchatter berichten bestenfalls in Storys oder auch unter der „Live“-Anwendung ortsbezogen über das Event und machen es so für eine Vielzahl an Nutzern sichtbar.

Unter der Anwendung „Live“ versteht man die Zusammenführung der Snaps zu einem Thema der gesamten Snapchat-Community, wodurch die Anzahl der verschiedenen Perspektiven erhöht wird und die Snaps somit selbst für Anwesende eines Events zum Mitverfolgen spannend sein können. Denn die Zuschauer können ihre persönlichen Eindrücke übermitteln und Ereignisse, die zeitgleich geschehen, sind ausführlich nachvollziehbar. Dadurch erachtet die Community Snapchat zudem als ungleich authentischer als das Fernsehen, Facebook oder Instagram.

Vorteile von Snapchat zu anderen sozialen Netzwerken

Allgemein können Sie durch Snapchat ideal unter anderem Events, Veranstaltungen oder interne Abläufe begleiten und Ihren Followern einen tieferen Einblick geben. Zwar können Snaps auch informativ sein, doch die Unterhaltung und das Entertainment stehen immer an erster Stelle. Auf große Inszenierungen sollte aber verzichtet werden – Snapchat zeichnet sich durch ungestellte Szenen aus.

Kleine und mittelständische Unternehmen können Snapchat vielseitig für ihre Zwecke nutzen und haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder Instagram. Die zahlreichen Bilder und Videos einer normalen Snapchat-Story würden aufgrund der hohen Postingfrequenz auf jeder anderen Plattform als Spam gesehen werden. Bei Snapchat hingegen reihen sich die einzelnen Inhalte wie ein Film aneinander und werden von den Nutzern so als nicht störend empfunden.

Durch die Vergänglichkeit der einzelnen Snaps nach 24 Stunden, herrscht bei Snapchat ein befreiter Umgang mit den Inhalten. Die Frage nach der Sinnhaftigkeit von sich selbst löschenden Snaps, kann mit einer Gegenfrage relativiert werden: „Wer schaut sich die Nachrichten von gestern an?“ Als Unternehmen sind Sie bei Snapchat dann allerdings umso mehr gefragt, laufend neuen Content zu liefern, um die Aufmerksamkeit der Nutzer für Ihr Unternehmen oder Ihre Produkte nicht zu verlieren.

Best Practice-Beispiel: ProSieben Snapchat Experiment

Ende September 2015 setzte ProSieben als erster TV-Sender Snapchat prominent zu seinem TV-Programm ein: Beim Finale der Tanzshow „Got To Dance“, das komplett den ganzen Tag über auf Snapchat begleitet wurde. Auf der offiziellen Webseite wurde dieses Experiment bereits zwei Tage vorher angekündigt, so dass die Nutzer genug Zeit hatten, den Snapchat-Account hinzuzufügen und sich auf die parallele Nutzung von Fernsehen und Smartphone einzustellen.

Die Fotos und Videos, die zu einer Snapchat-Story zusammengefügt wurde, trafen genau den Nerv der Snapchatter. Zahlreiche Ansprachen der Jurymitglieder Palina Rojinski, Anton Zetterholm und Marvin Smith, Einblicke in die Arbeit des Kostümbildners, in die Proben und während der Live-Show hinter die Bühne. Das ProSieben Team hat verstanden, wie Snapchat authentisch und gleichermaßen qualitativ in die Kommunikation und Berichterstattung eingebunden werden kann und wurde mit 15.000 Snap Views belohnt.


1 Vgl. Steuer, Philipp (2016): „Snap me if you can. Das Buch für alle, die Snapchat endlich verstehen wollen.”

Lexikon der Social Media Sprache

Themen: Online

Kristina Grube

Von Kristina Grube,

studiert aktuell Crossmedia & Communication Management (MA) an der Fachhochschule des Mittelstands in Bielefeld, an der sie bereits den Studiengang Medienkommunikation und Journalismus (BA) absolviert hat. Neben dem Studium arbeitet sie parallel als freie Mitarbeiterin für eine lokale Tageszeitung.

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