Wie geht eigentlich… Marketing für eine Großveranstaltung?

Von Amélie Förster, veröffentlicht am 14.12.2021
Madita Alberding

Wir starten mit einer Vorstellungsrunde. Wer sind Sie?

Mein Name ist Madita Alberding, ich bin 23 Jahre alt und lebe in Beverungen-Dalhausen, das ist ein Ort gut 20 Kilometer von Höxter entfernt. Bei der Landesgartenschau Höxter 2023 bin ich verantwortlich für das Marketing.

Bei einer Landesgartenschau handelt es sich ja um ein langfristiges und riesiges Projekt. Von der Bewerbung vergehen über den Zuschlag und den ersten Spatenstich bis zur Eröffnung mehrere Jahre. Wann beginnt im Vorfeld eigentlich das Marketing?

Proaktiv sollte man zwei bis drei Jahre vor der Eröffnung in die Offensive gehen. Einige Projekte benötigen einen längeren Vorlauf, andere wiederum lassen sich auch einmal kurzfristig umsetzen.

Wer ist die Zielgruppe bzw. sind die Zielgruppen und wie gelingt eine unterschiedliche Ansprache?

Die so genannten „Best Ager“ mit einem besonderen Interesse an Blumen, Gärten und Parks zählen zu den typischen Zielgruppen von Landesgartenschauen. In Höxter sehen wir aber auch besonders Familien mit kleineren Kindern als unsere zukünftigen Gäste auf dem Gelände. Wünschenswert wären natürlich auch viele Gruppenreisende und Übernachtungsgäste. Auch die jüngeren Generationen versuchen wir gezielt anzusprechen und mit einem besonderen Veranstaltungsprogramm zu locken.

Was die Ansprache angeht, veröffentlichen wir neue Infos oder Mitteilungen immer über unsere Online-Kanäle und parallel über die regionale und überregionale Presse. Bei besonderen Veranstaltungen ziehen wir das Radio hinzu, manchmal auch das Fernsehen, und setzen das Medium der Außen- und Großflächenwerbung ein. So garantieren wir die Ansprache aller Zielgruppen.

Wie schwierig ist es, Marketing für etwas zu machen, das es so noch gar nicht gibt? Das Gelände wird ja erst nach und nach umgestaltet, Strukturen werden erst geschaffen etc.?

Das ist gar nicht so schwer, wie man sich das vorstellt. Die Vorstellungskraft kann mit Hilfe von Visualisierungen und auch jetzt schon mit Führungen durch das zukünftige Gelände angeregt werden. Die Vorfreude und die Phantasie spielen dabei auch eine entscheidende Rolle.

Wie gelingt es, Menschen für ein solches Projekt zu begeistern?

Zunächst muss man als Mitgestalter natürlich selbst vom Projekt begeistert sein, dann trägt man diese Begeisterung auch an die Menschen weiter. Wir im Team der Landesgartenschau 2023 Höxter brennen alle dafür. Wenn ein Projekt den Lebensraum der Menschen langfristig aufwertet, dann muss man die Menschen vor allem mit dem konfrontieren, was am Ende für sie dabei herauskommt. Das ist viel Gutes, auf dem Weg dorthin sind es auch einige – buchstäbliche – Baustellen...

Welche weiteren Säulen und Fürsprecher flankieren das Marketing für eine Landesgartenschau?

Da haben wir als großen Unterstützer zum einen den Förderverein Landesgartenschau mit rund 600 Mitgliedern. Hinzu kommen unsere Premiumsponsoren, aktuell sind das zwei große Unternehmen vor Ort, nämlich Arntz Optibelt und die Gas- und Wasserversorgung Höxter. Wichtig sind für uns natürlich auch alle Bürgerinnen und Bürger vor Ort als Multiplikatoren. Um sie auch emotional zu erreichen, setzen wir auf öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen vor und während der Landesgartenschau (Messen, Pressereisen, Baustellenfeste und -führungen). Und dann gibt es noch Elfe Holli, unsere Botschafterin, die seit dem Sommer im Einsatz ist und auch eine wichtige Außenwirkung hat.

Was funktioniert 2021 marketingmäßig besonders gut? Wovon hat man sich mittlerweile verabschiedet?

Für die Bekanntheit der Landesgartenschau werden vor allem Touristiker im nahen und weitläufigen Umfeld hinzugezogen und mit Infos versorgt. Verschiedene Multiplikatoren sind entscheidend. Die Erfahrung zeigt, dass unsere eben schon genannte, sympathische Botschafterin der Landesgartenschau, die Elfe Holli, auf große Zustimmung in der Bevölkerung trifft. Darüber freuen wir uns riesig! Auch werden regionale Unternehmen hinzugezogen, mit denen wir gemeinsam Produkte wie Wein oder Präsente zur Landesgartenschau herstellen.

Was hat bei Ihnen persönlich seinerzeit die Begeisterung für das Projekt Landesgartenschau geweckt?

Die Aussicht auf Vielfältigkeit, der Umgang mit vielen unterschiedlichen Menschen und die Möglichkeit, etwas für die Region zu bewirken in der man aufgewachsen ist und lebt.

Wieviel Austausch gibt es mit vorherigen Gartenschauen? Kann man dort auch funktionierendes Marketing im besten Sinne „abgucken“?

Im Vorfeld gab es in Höxter einen Arbeitskreis, der sich dafür eingesetzt hat, dass die LGS nach Höxter kommt. Dieser hat einige Gartenschauen besucht und stand mit den Verantwortlichen im Austausch. Wer wie wir eine Landesgartenschau plant, profitiert aber auch von Mitarbeitern, die bereits Gartenschau-Erfahrung mitbringen. Die gibt es natürlich auch in unserem Team. Auch am Marketingkonzept der anderen Gartenschauen kann man sich orientieren, muss es nur gezielt auf den neuen Standort adaptieren, nicht alles unkommentiert übernehmen. Uns ist wichtig, dass zu Höxter passt, was wir in Höxter planen und umsetzen.

Welche Faktoren sind aber bei jedem Standort ganz individuell?

Die Menschen im näheren Umkreis der Großveranstaltung. Gerade in Höxter ist eine starke Verbundenheit in der Bevölkerung zu bemerken. Daraus resultieren eine meist positive Mundpropaganda und eine hohe Akzeptanz an Veranstaltungen im Vorfeld der Gartenschau. Beispiele dafür sind das Baggerfest mit dem ersten Baggerhub, zu dem wir anstatt des obligatorischen ersten Spatenstichs eingeladen haben oder auch der Song Contest mit rund 800 Besuchern live vor Ort, aus dem unser Song für die Landesgartenschau als Sieger hervorgegangen ist.

Was macht die Landesgartenschau Höxter aus?

Da ist natürlich die unmittelbare Nähe zum Weser-Fluss, dann die doch recht „kleine“ Stadtgröße zum verhältnismäßig großen Gelände der zukünftigen LGS in Höxter und die Verbindung zwischen historischer Altstadt und Weltkulturerbe Corvey.

Wieso freuen Sie persönlich sich ganz besonders auf den Tag, an dem das rote Band zerschnitten wird und die ersten Besucher auf das Gelände strömen?

Weil es dann so richtig losgeht und die Arbeit der vergangene Monate und Jahre belohnt wird. Hinter den Kulissen bekommen wir ja einiges mit, umso mehr freut es einen dann, wenn das Gelände dann endlich den Besuchern zugänglich gemacht wird, den Gästen einen schönen Aufenthalt bereitet und ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Vielen Dank für das Interview!

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Amélie Förster

hat bei verschiedenen Online-Medien gearbeitet und ist ausgebildete Online-Redakteurin. Seit Juli 2018 ist sie bei ams – Radio und MediaSolutions als Online-Redakteurin tätig und betreut das Projekt „Marketing in Westfalen“. Sie ist seit 1998 online, interessiert sich für Social Media, Blogs, Streaming und digitale Technologien aller Art.