Whyworks – ein Start-Up aus Westfalen

Von Amélie Förster, veröffentlicht am 29. November 2022
Die Gründer von whyworks

Alex: Vielleicht gleich vorweg: uns hat beide schon länger der Wunsch umgetrieben, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Das ist auch der Grund, warum wir beide selbstständig als Einzelunternehmer unterwegs sind. Wir sind aber vor allem beide von der Idee angespornt, etwas zu tun, das möglichst direkt und unmittelbar, möglichst vielen Menschen bei der Beantwortung der drängenden, uns alle betreffenden Fragen hilft: Was wollen wir eigentlich vom Leben und wie gelingt es uns, so oft es geht glücklich und zufrieden zu sein? Wir haben recht schnell gemerkt, dass wir uns dabei in der Umsetzung der Idee „whyworks“ gegenseitig an vielen Stellen sehr gut ergänzen können.

Marketing in Westfalen: Jetzt sind wir eigentlich schon mittendrin. Stellt Euch doch vielleicht für die Leser erstmal kurz vor.

Daniel: Ich bin 32, in Kiel aufgewachsen und seit 2017 als Berater tätig - auch wenn mir der Begriff nicht gefällt, weil er so weit ist. In den Consulting Bereich bin ich nach einem Jurastudium und einer Promotion an der medizinischen Fakultät der WWU Münster eingestiegen. Die Tür zur Beratung hat mir damals ein guter Freund und vor allem brillanter Personal- und Organisationsberater geöffnet, mit dem ich nach wie vor eng zusammenarbeite.

Als Consultant versuche ich Menschen Orientierung zu bieten. Ein Kern dieser „Orientierungshilfe“, der in whyworks und unseren Produkten sozusagen aufgeht, liegt in den inneren Antrieben von uns Menschen. Wenn ich weiß, was mich im innersten antreibt, kann ich mein Umfeld - egal ob im Job, im Studium, in meiner Freizeit oder meinem Privatleben - so gestalten, dass es möglichst gut zu mir passt und ich mich entfalten kann. Ich suche mir dann nicht nur noch bewusster die Tätigkeiten, die zu mir und meinen Antrieben passen, sondern verstehe außerdem auch, warum ich mich in manchen Situationen wie aufgeladen und energetisiert fühle und in anderen, wie ausgelaugt und leer.

Diese Inhalte sind auch Grundlage der Beratung von Organisationen und Führungskräfte bei der Zusammensetzung von Teams aus Mitarbeitenden, der Unterstützung von Unternehmen bei der Auswahl ihrer Mitarbeitenden und beim gemeinsamen Entwurf von Entwicklungsprogrammen für Mitarbeitende oder Studierende von (Aus)Bildungseinrichtungen. Schon früh und ganz unabhängig von dem:der Kund:in und der Beratungssituation hat sich die beliebteste und wohl auch nachhaltigste Form der Rückmeldung herauskristallisiert: schriftliches Feedback, insbesondere zu erprobten Messinstrumenten der Persönlichkeitspsychologie, durch die die:der Einzelne Zeit hat, etwas über sich selbst zu lesen und sich so über einen längeren Zeitraum mit sich selbst, angeleitet auseinanderzusetzen. Dieses Prinzip ist letztlich auch die Grundlage von whyworks und insbesondere unseres ersten Produkts, der yourdrive-Stories, geworden.

Alex: Ich bin 33, selbstständiger IT-Berater und promoviere außerdem an der Uni Bielefeld. Ich beschäftige mich ehrlich gesagt schon seit Kindertagen mit mathematischen Herausforderungen aller Art: Wie wahrscheinlich ist es, dass meine Fußballmannschaft ihr nächstes Spiel gewinnt? Was ist die optimale Form einer Milchtüte? Wie lange muss ich an der nächsten Ampel warten? Die Faszination, Probleme mithilfe formaler Ansätze zu lösen, ist ein Baustein gewesen, um die Idee der yourdrive-Stories als erstes whyworks-Produkt umsetzen zu können.

Daniel: Um es direkt zu adressieren: das erforderliche psychologische Know-How beziehen wir insbesondere von der IMPART GmbH, einem Spin-Off der Universität Osnabrück. Der Hauptgesellschafter von IMPART ist auch der Urheber der von uns verwendeten psychologischen Testverfahren: Prof. Dr. Julius Kuhl, bei dem ich selbst einen Teil meiner Beratungsausbildung absolvieren durfte. Gemeinsam mit IMPARTs geschäftsführender Gesellschafterin, Frau Dr. Gudula Ritz, haben wir eine enge Kooperation aufgebaut, die es ermöglichen soll, möglichst vielen Menschen dabei zu helfen, sich selbst noch ein Stück besser zu verstehen.

Wir kommen beide aus der Wissenschaft. Wir wissen, wie man mit Daten richtig umgeht und wie Studienergebnisse zu bewerten sind. Wir verbinden Wissenschaft, Technik und Kreativität. Wir wollen möglichst vielen Menschen nach und nach immer mehr Befunde aus Psychologie, Philosophie, den Natur- und Sozialwissenschaften nahebringen, ohne sie mit Studien zu langweilen. Wir sind quasi ein Filter, der den aktuellen Wissenschaftsstand nutzt, um Einzelnen auf dieser Grundlage Stories über sich selbst zu bieten, durch die die Person den ein oder anderen blinden Fleck von sich selbst ausleuchten kann.

Marketing in Westfalen:Was genau ist whyworks? Wofür steht der Name "whyworks"?

Alex: Wir verstehen uns als kreatives Start-Up, das einen Beitrag zur Beantwortung einiger der großen Fragen leisten will: Was treibt mich an? Wo will ich hin? Warum ticke ich, wie ich ticke? Warum verhalte ich mich so, wie ich mich verhalte?

Daniel: Für ein besseres Verständnis macht es Sinn, kurz etwas zu unserem Beratungsansatz zu sagen: Beratung heißt für uns vor allem, anderen Orientierung zu bieten. Das ist übrigens auch der Grund, warum ein wiederkehrendes Motiv in unserem ersten Produkt, der yourdrive-Story, eine an einen Kompass angelehnte Grafik ist. Unserer Beratungserfahrung nach, gelingt das dann am besten, wenn wir die:den Kund:in genau da abholen, wo er gerade steht. Das funktioniert nur über eine fundierte Auseinandersetzung mit der Persönlichkeit der:des anderen. Persönliche und berufliche (Weiter)Entwicklung funktioniert dann am besten, wenn die auf Entwicklung angelegte Beratung genau da ansetzt. Der erste Beratungsschritt ist immer die Diagnostik. Wir glauben nicht an „one-size-fits-all-Prinzipien“. Unterschiedliche Entwicklungsmethoden sind zu unterschiedlichen Zeiten „en vogue“, alle können funktionieren - sie funktionieren aber nur dann, wenn sie zur Person, die sie anwendet, passen. Nochmal zum Verständnis: wenn wir von „Orientierung“ sprechen, meinen wir damit, Menschen Möglichkeiten an die Hand zu geben, sich selbst noch ein wenig besser kennenlernen können. Zu erkennen, wie ich selbst ticke, ist nicht nur der erste, sondern auch der wohl grundlegendste Schritt in Richtung persönlicher Entfaltung. Damit ist Selbsterkenntnis also der zentrale Teil von Selbstentwicklung. Durch unser erstes Produkt, unsere yourdrive-Stories, wollen wir die:den Einzelne:n auf dem Weg zu eben dieser Selbsterkenntnis unterstützen.

Alex: Damit haben wir viel zu unserem Verständnis von Beratung gesagt, aber noch nicht allzu viel Konkretes zu unserem Namen. Wir wollen durch unsere Produkte Menschen dabei helfen, ihrem persönlichen „Warum?“ auf die Spur zu kommen. Mit den yourdrive-Stories gehen wir aktiv unseren inneren Handlungsmotoren auf den Grund: Warum fühle ich mich so wie ich mich fühle? Warum springe ich auf bestimmte Themen und Situationen an, während mich andere eher anstrengen oder langweilen? Warum habe ich mich gerade für diesen Beruf entschieden? Warum zweifle ich an meinem Job? Warum bin ich angestellt und nicht selbstständig? Warum verabrede ich mich so häufig oder so selten mit anderen? Warum kann ich mich nach zwei nahezu identisch ablaufenden Tagen mitunter wie ausgebrannt und mal voller Energie fühlen? Warum stressen mich bestimmte Tätigkeiten viel mehr als andere? Je besser unser Verständnis über die Beweggründe unseres Handelns ist, umso besser können wir uns dieses Wissen zu Nutze machen, um unser Verhalten aktiv zu beeinflussen. Wir versetzen uns damit in die Lage uns bewusst für oder gegen die Verfolgung bestimmter Ziele und Absichten zu entscheiden. Wir laufen dann nicht Gefahr, Getriebene eines inneren Drangs zu sein, den wir selbst nicht richtig greifen können. So laufen wir auch kaum mehr Gefahr, Wünsche anderer fälschlich für eigene zu halten. Haben wir Klarheit über unsere inneren Antriebe fällt es uns auch leichter, uns auf unsere Intuition zu verlassen. Indem wir unsere Gefühle besser verstehen und einordnen können, versetzen wir uns in eine Position, in der wir selbst das Ruder in der Hand halten: wir haben dann die Freiheit uns ganz bewusst zu entscheiden, wie wir mit unseren Wünschen, Absichten und Impulsen umgehen. Wir sind dann in der Lage, unsere Umwelt zu uns passend zu gestalten und das, was uns antreibt, auch aktiv auszuleben.

Daniel: Für Beratung, die sich mit Fragen des „Warum?“ und der Frage danach, was Menschen antreibt und worin wir alle den Sinn in unserem Tun sehen - oder wo wir ihn suchen - beschäftigt, hat sich der Begriff des „Purpose-Consultings“ etabliert. Es gibt einige richtig gute - und dabei auch richtig große - Unternehmen, die sich mit dem Thema „Purpose“ auf Unternehmensebene beschäftigen und hier immer wieder überzeugende Antworten finden. Wir glauben, dass sich das sehr gut ergänzen ließe, indem diese Fragen ausgehend von einzelnen Mitarbeitenden zu beantworten versucht werden.

In „whyworks“ steckt zum einen der Sinn und Zweck unserer Arbeit: wir arbeiten am „Warum?“. Zum anderen sind wir überzeugt, dass die Annäherung an das persönliche „Warum?“ ein riesiges Potenzial mit sich bringt, da bereits die Suche nach dem „Warum?“, egal ob dem persönlichen oder dem unternehmerischen, dazu führt, dass sich etwas ins Gute verändert. Sich dieser großen Frage anzunähern kann regelrecht identitätsstiftend sein. Schon die Suche nach dem „Warum?“ wirkt also. Hier lässt sich whyworks dann auch lesen als „(Because) why works“.

Was ist der Vorteil eures Produkts gegenüber der "Konkurrenz", falls es diese gibt?

Daniel: Merkmal unserer yourdrive-Stories ist deren Individualität - keine yourdrive-Story gleicht der anderen. Jede einzelne Story wird auf der Grundlage der Ergebnisse der beiden persönlichkeitsdiagnostischen Testverfahren, die unsere Kund:innen zunächst absolvieren, erstellt. Die Ausführungen der:des Einzelnen werden dabei selbst Bestandteil der Story. 

Alex: Bislang besteht der Markt überwiegend aus (notwendigerweise) allgemeiner Beratungsliteratur auf der einen und Coaches, Berater:innen, Personalberater:innen, Personalentwickler:innen auf der anderen. Weder Autor:innen von Beratungsliteratur, noch Consultants verstehen wir dabei als unsere Konkurrent:innen – im Gegenteil: die Auseinandersetzung mit den eigenen Antrieben ist nicht zwingend Beratungsinhalt, schließlich kann es natürlich eine ganze Reihe anderer Beratungsanlässe und auch Beratungsgegenstände geben. Unsere yourdrive-Stories können für sich allein stehen und so einen echten Mehrwert bieten - sie lassen sich aber auch anlassbezogen oder ergänzend in einem Coaching- bzw. Entwicklungsprozess nutzen. Wir glauben daher, dass wir für viele Coaches, Berater:innen und Personalentwickler:innen interessant sein können. Jedenfalls freuen wir uns darüber, wenn wir das Interesse des einen oder der anderen wecken können. 

Daniel: Gleiches gilt übrigens für „Purpose-Berater:innen“, die sich mit der Frage des „Warum?“ auf Unternehmens- bzw. Organisationsebene beschäftigen. Auch hier kann whyworks ergänzen - bspw. wenn es darum geht, einen Unternehmenspurpose durch die Mitarbeitenden der Organisation lebendig werden zu lassen.

Warum ist whyworks für Marketer in Westfalen (und darüber hinaus) interessant? Unsere großen Blogthemen sind: Weiterbildung, Marketing, Recruiting, Video, Online, Management, Werbung - wo würdet Ihr Euch einordnen?

Daniel: Für Marketer können wir deswegen interessant sein, weil wir einen Beitrag leisten zur Zufriedenheit der:des Einzelnen in ihrer:seiner Organisation. Wenn die Mitarbeitenden eines Unternehmens Ihre Antriebe bewusst vor Augen haben, dann können sie nicht nur entsprechend Ihrer Stärken, sondern eben auch entsprechend ihrer Antriebe eingesetzt werden. Wenn jede:r möglichst viel von dem tut, was zu ihr:ihm passt, was Ausdruck ihrer:seiner Antriebe ist und was ihr:ihm entsprechend Freude bereitet und leichtfällt, dann hat das unmittelbar positive Auswirkungen auf die gesamte Organisation. Übrigens liegt auch ein großes Potenzial in der Zusammensetzung von Teams anhand der individuellen Antriebe der:des Einzelnen.

Alex: Und zu Deiner zweiten Frage: als Start-Up, das ein (Purpose)Beratungsprodukt anbietet, würden wir uns am ehesten in die Blogthemen Weiterbildung und Management einordnen, wenngleich sich unser Produkt auch im Recruiting einsetzen lässt.

Warum habt Ihr gegründet? Warum in Westfalen?

Daniel: Wir wollen möglichst viele Menschen erreichen und deutlich machen, dass der Blick nach innen und das Reflektieren des eigenen Tuns sich lohnt und noch dazu einigermaßen „hürdenfrei“ ablaufen kann. Mit unseren individuellen schriftlichen Rückmeldungen haben wir ausschließlich positive Erfahrungen gemacht. Es war daher an der Zeit, ein skalierbares Modell zu finden, von dem noch mehr Menschen profitieren können. Unser Antrieb ist es, möglichst vielen Interessierten dabei zu helfen, sich selbst besser zu verstehen.

Alex: Münster bietet uns als Universitätsstadt einen direkten Zugang zu und vor allem die Möglichkeit eines direkten Austausches mit unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen. Das wissenschaftliche Fundament unseres ersten Produkts, unserer yourdrive-Stories, bildet die Psychologie. Wir arbeiten aber bereits an weiteren Produkten, die auf den Erkenntnissen anderer Fachgebiete basieren. Außerdem sind die meisten unserer engsten Kooperationspartner in Westfalen ansässig, was Westfalen für uns zum idealen Ausgangspunkt macht. Gleichzeitig sind wir natürlich ein digitales Unternehmen, dass an keinen Ort „gebunden“ ist.

Was ist euer nächstes Teilziel - wohin soll es noch gehen?

Alex: Uns geht es jetzt erst einmal darum, zu schauen, wie unsere Idee angenommen wird. Wir wollen zeigen, dass fundierte Beratung durch die Auseinandersetzung mit einer individuellen, nicht nur leser:innenzentrierten, sondern vielmehr die Individualität der:des Leser:in einbeziehenden Geschichte und zwei Stunden der Zeit für sich selbst gelingen kann. Wenn jede:r Leser:in nach der Lektüre der eigenen yourdrive-Story die eigenen Antriebe klarer vor Augen hat, haben wir unser erstes Ziel erreicht.

Daniel: Jetzt gerade arbeiten wir noch an den letzten Zügen der yourdrive-Stories für Schüler. Außerdem basteln wir noch an Hörbuchversionen - was nicht ganz einfach ist, da die Stories ja alle individuell sind. Bald können wir unsere yourdrive-Stories aber auf jeden Fall auch als gedrucktes, gebundenes Buch anbieten.

Mitte des nächsten Jahres wollen wir auch in den USA und Kanada Fuß fassen. Purpose-Consulting hat seine Ursprünge in den Vereinigten Staaten, von daher schien es uns nur logisch, whyworks als Marke auch dort direkt anzumelden. Wir wollen die Erfahrungen aus unserem Start in Deutschland in die Entwicklung der yourdrive-stories für den amerikanischen Markt einfließen lassen und dort, mit Kooperationspartnern vor Ort, aus whyworks eine Marke machen, die für wissenschaftlich fundierte Beratung steht, die die:den Einzelne:n weiterbringt, ohne sich aufzudrängen.

Wie arbeiten nicht nur datensparsam, sondern erlangen quasi gar keine Infos über unsere Kund:innen. Als einziges Kommunikationsmittel brauchen wir eine E-Mailadresse unserer Kund:innen. Die könnte auch nur für diesen Zweck erstellt sein – bedeutet, wir wissen nicht, welche Person da eigentlich mit uns kommuniziert. Was eine echte Besonderheit ist, denn: wir können unseren Kund:innen viel über sie sagen, ohne, dass wir konkret etwas über sie erfahren würden.

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Amélie Förster

hat bei verschiedenen Online-Medien gearbeitet und ist ausgebildete Online-Redakteurin. Seit Juli 2018 ist sie bei ams – Radio und MediaSolutions als Online-Redakteurin tätig und betreut das Projekt „Marketing in Westfalen“. Sie ist seit 1998 online, interessiert sich für Social Media, Blogs, Streaming und digitale Technologien aller Art.