Wer treibt sich rum im Netz? - Digitale Identitäten und Social Media Typologien

Von Stephanie Peter, veröffentlicht am 15.06.2016
Zwei Frauen machen ein Selfie

Generell kann zwischen digitalen Identitäten und Nutzertypologien im Social Web unterschieden werden.

Digitale Identitäten

Bei den digitalen Identitäten wird zwischen Blauäugigen, Datenneurotikern, Möchtegern-Stars, Prominenten und Alter Egos unterschieden. Klaus Eck1 definiert diese fünf verschiedenen Typen und erklärt was dahinter steckt.

Die „Blauäugigen“ sind nicht im Internet aufzufinden. Sie sind nicht interessiert an ihrer Online-Reputation und legen keinen Wert auf ihre eigene digitale Präsenz.

Datenneurotiker hingegen sind zwar in sozialen Netzwerken präsent, sind aber darauf bedacht, dass ihre Daten geschützt bleiben und geben diese nicht preis. Sie haben Scheu vor der digitalen Öffentlichkeit und ihre Privatsphäre geht ihnen über alles. Aus diesem Grund wollen sie im Netz auch nicht unter ihrem Klarnamen gefunden werden. Wenn sie sich im Web 2.0 herumtreiben, dann kommunizieren sie lediglich mit ihnen gut bekannten Personen, publizieren auch nicht sondern beobachten eher. Bei diesem Typ sind Anonymität und Datenschutz zentral und das Internet wird eher als Gefahr angesehen.

Ganz anders sind dagegen die „Möchtegernstars“: Sie erzeugen sehr viel Inhalt, aber ohne klare Botschaft. Das führt dazu, dass sie in Suchmaschinen meist nicht gefunden werden, worüber sie sich sehr ärgern.

Viele Prominente machen dagegen anscheinend alles richtig, um ihre digitale Bekanntheit zu fördern und bestmöglich zu nutzen. Das Internet dient ihrer Reputation und sie legen viel Wert auf ihre Online-Präsenz. Aus diesem Grund haben sie laut Eck eine Art Experten-Status, da sie sich gut im Netz und Web 2.0 auskennen.

Als letzte digitale Identität gibt es noch die "Alter Egos". Diese Typen wollen private und berufliche Aktivitäten trennen und sind deswegen privat gerne unter einem Pseudonym im Netz aktiv. Ihr Ziel ist es, die Kontrolle über ihre kommunikativen Aktivitäten zu behalten.

Web 2.0 Nutzertypologien

Wie der Name erahnen lässt, erstellen und veröffentlichen die Macher selbst Inhalte im sozialen Netz und wollen ihre Sicht der Dinge darstellen. Bei den oben beschriebenen Identitäten gehören diese wohl am ehesten zu den Prominenten und „Möchtegernstars“. 5,3 Millionen (12,1%) der Deutschen Internetnutzer verhalten sich wie dieser Typ.

Zu den "Partizipativen" gehören 11,2% (4,9 Mio.) der Internetnutzer in Deutschland. Sie reagieren nur auf Inhalte, d.h. sie kommentieren und helfen bei der Erstellung von Wikieinträgen oder mischen sich in Online-Foren ein.

Die Nutzer, die soziale Netzwerke hauptsächlich dafür verwenden mit Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben und mit anderen Nutzern Verbindungen aufzubauen, können sich zu den „Sozialen“ zählen. Mit 8,5 Millionen der deutschen User liegt diese Gruppe an zweiter Stelle hinter den „passiven Zuschauern“ (67,7 Mio), die die Inhalte im Social Web bloß lesen. Dieser Typ reagiert nicht und beteiligt sich auch nicht an der Erstellung von Inhalten. Das einzige Motiv der passiven Zuschauer sich in Netzwerken zu bewegen, ist also die reine Information.

Fazit für Unternehmen

Für Unternehmen kann diese Einordnung der Nutzertypologien in der Ansprache ihrer Zielgruppen eine große Rolle spielen und hilfreich sein. Es ist entscheidend zu wissen, dass der Großteil der deutschen Nutzer von sozialen Netzen zu den „passiven Zuschauern“ oder „Sozialen“ zählt und daher hauptsächlich auf das Erhalten von Informationen aus ist. So können Unternehmen ihre Inhalte dementsprechend ausrichten und anpassen.

Auch die Gruppierung in digitale Identitäten kann beim Verständnis der Nutzer und deren Verhalten helfen. Unternehmen müssen berücksichtigen, dass einige ihren Klarnamen nicht preisgeben wollen und sich vor allem lieber im Hintergrund halten. Stattdessen beschränken sie sich auf den Konsum, da sie Angst haben, ihre Anonymität zu verlieren oder Daten preiszugeben. Gerade diese Nutzer sind schwer zu erreichen und es erfordert eine Strategie, um Anknüpfungspunkte mit diesen Usern zu finden.


1 Eck, K. (2008): Karrierefalle Internet, München


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Stephanie Peter

ist Social Media Managerin in einem mittelständischen Unternehmen. Zuvor studierte sie Medienkommunikation & Journalismus (BA) sowie Crossmedia & Communication Management (MA) in Bielefeld. Währenddessen war sie als Aushilfe als Redaktionsassistentin bei Radio Bielefeld und in der Digitalabteilung von ams - Radio und MediaSolutions tätig. Ihr Interesse gilt vor allem der Presse- und PR-Arbeit und allen Trends rund um soziale Netzwerke.