Was wir im Homeoffice vermissen. Und was eben nicht.

Von Barbara Kawa, veröffentlicht am 18.08.2020
Kaffeetasse auf Schreibtisch

Bis Arbeitsbeginn im Bett liegen, Schlafanzughose noch an und fürs Online-Meeting nur kurz die Haare gekämmt? Arbeiten am Wohnzimmertisch, während die Kinder nebenbei mit Duplo spielen und malen? Was uns am Anfang noch als absoluter Vorteil und das entspannte Arbeiten schlechthin vorkam, ist mittlerweile teils einer Ernüchterung gewichen. Denn so langsam merken wir, dass uns manchmal doch etwas fehlt.

Was wir im Homeoffice vermissen:

1. Unsere Kollegen

Hand aufs Herz – vermissen Sie die Kollegen nicht auch schon? Nach so langer Isolation fehlt einem mittlerweile sogar der schlechtgelaunte Chef oder die sich ständig im Extrem-Stress befindliche Kollegin. Und vor allem fehlt uns der Austausch mit ihnen – sei es fachlich oder privat. Einfach mal eine Frage rüber rufen zum nächsten Schreibtisch, mal schnell an der Kaffeemaschine über den Urlaub plaudern oder auf dem Flur ein Problem erörtern, das ist alles im Homeoffice nicht möglich. Und auch wenn wir uns oft und regelmäßig am Bildschirm sehen, so ersetzt das nicht den echten Blickkontakt, das Zuwenden zum anderen und das „zwischen den Zeilen lesen“ an der Mimik des Gegenüber.

2. Die Büroeinrichtung

So ein richtig echter Bürostuhl, der ist schon Gold wert. Höhenverstellbar, kippbar, ergonomisch, was auch immer – Leute, die diese Stühle erfinden, haben sich viele gute Dinge dabei gedacht. Und Rücken- und Nackenschmerzen sind bei Homeofficlern an der Tagesordnung, weil der Küchen- oder Couchtisch eben doch keinen vernünftigen Schreibtisch ersetzt. Immer vor dem Laptop zu kleben statt auf einen großen Monitor zu blicken, tut sein Übriges dazu. Mal ganz abgesehen von allen möglichen Schreibutensilien bis hin zu Drucker und Telefonanlage – man merkt immer erst, was man daran hat, wenn es nicht da ist. Der ein oder andere denkt wohl auch wehmütig an den großen Kaffeevollautomaten, der immer per Knopfdruck bereit steht, während er selbst schon wieder vergessen hat Filtertüten zu kaufen.

3. Ortswechsel

Gut, der Weg von der Küche zum Schreibtisch im Arbeitszimmer wird in der Regel zu Fuß zurückgelegt. Das war es dann aber auch schon. Uns fehlt die Bewegung: Das Radeln zur Arbeit, der Spaziergang in der Mittagspause, der Weg zum Kunden oder in die Produktion. All diese kurzen Ortswechsel sind gut, um den Kopf frei zu machen, den Blick mal vom Monitor abzuwenden, frische Luft zu schnappen und den Rücken zu strecken.

Was wir hingegen nicht vermissen:

1. Vor Ort-Meetings

Erinnern Sie sich noch, wie es war mit 20 Menschen um einen Konferenztisch herum zu sitzen? Natürlich im Besprechungsraum mit abgedunkelten Fenstern, damit man die PowerPoint-Präsentation besser erkennt und bei geschlossenen Fenstern, weil es sonst zu laut ist. Man kann die dämmrige, stickige Atmosphäre geradezu immer noch spüren. Meist redet noch einer, obwohl eigentlich schon alles gesagt ist und die anderen werden immer müder. Diese Runden vermissen wir einfach nicht. 

2. Kranke Kollegen im Büro

Es ist ehrenhaft, wer nicht bei jedem Niesen sofort zuhause bleibt. Den Kollegen und den Aufgaben gegenüber, und normal ist es ja eigentlich auch. Sich mit einer Rotznase und Husten ins Büro zu schleppen, weil kein anderer die Arbeit erledigen kann, das war schon immer nicht gut. Weder für den Kranken, noch für die anderen Anwesenden. Im Homeoffice darf jeder so viel Niesen und Husten wie er will. Dann kann er sich auch ohne Probleme direkt einen frischen Ingwertee mit Honig aufgießen. Und wenn das nicht hilft, ist das Bett nicht weit und der Körper schneller wieder fit als nach mehreren Tagen halbkrank im Büro.

3. Hektik

Morgens im Stau stehen und schon genervt im Büro ankommen, zum Kundentermin wieder ins Auto und dann bei der Parkplatzsuche verzweifeln. Kurz vorm Meeting ein paar Flure weiter klingelt das Telefon und wir kommen zu spät los. Und zum Feierabend sind wir schon wieder spät dran und hetzen zum Kindergarten, um den Nachwuchs gerade noch pünktlich einzusammeln. Termindruck, Stress und Eile sind oft an der Tagesordnung. Das ist wirklich einer der großen Vorteile von Homeoffice: Egal, um was es geht – wir sind schon da.

Und trotzdem: Ein Herz für Homeoffice

Was kann man jetzt zusammenfassend sagen – finden wir Homeoffice gut oder schlecht? Die Antwort ist ganz klar: Gut! Aber manchmal nervt es eben auch ein bisschen und wir wünschen uns zurück in den „normalen Alltag“. Trotzdem überwiegen ganz klar die Vorteile. Und es ist zu hoffen, dass Dinge, wie das Nutzen von digitalen Tools, das effizientere Kommunizieren, das flexible Einteilen von Aufgaben und von Arbeitszeiten und auch das Minimieren vom Drucken erhalten bleiben.

Was allerdings nicht erhalten bleiben sollte, ist die teils wirre Kommunikation über alle möglichen Kanäle und in allen Formen. Zum Beispiel das Verschicken von langen, ungefragten Sprachnachrichten, in denen der Kollege „mal kurz“ seine Gedanken erläutert. Und auch das Anschreiben mit beruflichen Belangen über eine Instagram Direct Message oder den Facebook Messenger, weil man nicht weiß, ob der Kollege gerade durch Kurzarbeit frei hat oder telefonisch zu erreichen ist, sollte nicht zur Regel werden. Nutzen Sie stattdessen die vielen Vorteile von Business Chats, die schnell und unkompliziert sind und den Kollegen trotzdem nur am Arbeitsplatz erreichen.

Vorgesetzte aufgepasst

Gleichzeitig bleiben mit dem Homeoffice Herausforderungen bestehen, denen wir uns stellen müssen. Sich selbst zu organisieren, ist sicher für einige nicht so einfach, wie für andere. Hier sind auch Chefs und Vorgesetzte gefragt, ihre Mitarbeiter nicht aus dem virtuellen Blick zu verlieren, regelmäßig Feedback zu geben und trotz der räumlichen Distanz immer erreichbar und so Ansprechpartner zu bleiben. Hier gibt es sicher noch Verbesserungspotenzial, denn für alle ist die Situation immer noch ungewohnt. Ein Mitarbeitergespräch digital zu führen, bringt vielleicht einige Fallstricke mit sich, trotzdem ist es nicht unmöglich und sollte nicht einfach ausfallen.

Die größte Herausforderung ist es aber wohl, Job, Freizeit und Familie an einem Ort stattfinden zu lassen und dabei darauf zu achten, dass die Grenzen nicht verwischen und es eine klare Trennung gibt. Und zwar von Raum, Zeit und Geist.

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Barbara Kawa

ist Online-Redakteurin und Social Media Managerin bei ams - Radio und MediaSolutions und beschäftigt sich mit allen Themen im und rund ums Web.