Wie beeinflusst Kleidung unsere Leistungsfähigkeit im Homeoffice?

Von Stefani Josephs, veröffentlicht am 22.11.2022
Superman-Logo

Okay, letztere Behauptung ist frech. Und stimmt fast gar nicht. Wie wichtig ist es tatsächlich für uns, auch und gerade im Homeoffice wirklich angezogen zu sein? Was für Auswirkungen haben Schlabberhose und Pumps auf unsere Arbeit? Mehr als wir denken! Zeigt auch eine anonyme ams-interne Umfrage.

Eine amerikanische Psychologin hat zu diesem Thema geforscht, unter anderem dazu, wie Kleidung die Selbsteinschätzung und die Leistungsfähigkeit beeinflusst. Dabei hat sie zum Beispiel Folgendes herausgefunden: Wenn ProbandInnen ein T-Shirt mit einem Supermannlogo darauf trugen, schätzten sie ihre physische Kraft deutlich höher ein, als in einem neutralen Shirt (Psychology Today 2017). Also: Kleidung macht etwas mit uns – dass wir uns stark fühlen zum Beispiel.

In einer kleinen ams-internen Blitzumfrage habe ich erstmal vorsichtig nach den Gewohnheiten im Homeoffice gefragt – gibt es einen Styling-Unterschied für die Mitarbeitenden zwischen der Arbeit im Büro und zu Hause? Für Viele macht der Arbeitsort keinen nennenswerten Unterschied, höchstens „ naja, mit Nuancen“. Diese Nuancen betreffen meistens das „Untenrum“, die Füße – „Kuschelsocken sind gemütlicher als Schuhe“. Klar, wärmer und weicher. Aber telefonieren wir in rosa Plüschpuschen mit Einhornkopf auch so professionell wie in Pumps oder Budapestern? „In professioneller Kleidung zu telefonieren, hat auch positive Auswirkungen auf Stimme, Rhetorik und Körperhaltung. Denn so, wie Kleidung nach außen wirkt, wirkt sie auch nach innen. Damit können Sie aktiv Einfluss auf Ihr Mindset bei der Arbeit nehmen“, so behauptet es jedenfalls www.capital.de. Und Untersuchungen in der Psychologie bestätigen das, was wir offensichtlich unterschätzen: die Wirkung von Kleidung auf unser Verhalten, siehe Supermannshirt.

Your Mindset makes the difference!

Die innere Einstellung und die Ausrichtung auf das Gegenüber werden auch durch Kleidung unterstützt. Das beginnt schon beim Start in den Job:

Ich denke, ein gemütliches Outfit wirkt sich auf die Körperhaltung aus und kann so auch die Motivation beeinflussen. Ich kann nur sagen, dass ein „Arbeitsoutfit“ mich auf Arbeit einstellt und es mir nach der Arbeit hilft beim Abschalten, wenn ich mein Outfit wechsele.“

Also hilft es, die innere Einstellung, das Mindset, auf „Job“ zu programmieren, wenn der Körper mit seiner „Jobhülle“ bedeckt wird.

Genau das wird unterstrichen durch eine weitere psychologische Studie aus den USA. Diese zeigt, dass Frauen in Badeanzügen signifikant schlechter Rechenaufgaben lösen können, als wenn sie ihre Alltagskleidung tragen. Das überrascht uns nur kurz und passt wahrscheinlich auch für viele Männer. Gucken, ob frau zu dick aussieht, hier etwas zwickt, da vorteilhaft den Busen zur Geltung bringen – das schwächt die kognitive Leistung dramatisch. Übertragen auf die Homeofficefrage bedeutet das: Kleidung, die angemessen und im wahrsten Sinne des Wortes auch passend ist, lässt uns konzentrierter und fokussierter arbeiten. "Turnschuhe fühlen sich besser an als Puschen. Das macht mich etwas „kompletter“ - so beschreibt es eine Kollegin und bewahrt sich die Einhornpuschen für den Feierabend auf.

Außerdem gibt es ja für Videokonferenzen eine klare Grenze: das, was die Kamera sieht – und alles Andere – unterhalb der Tischkante. Das ist dann quasi ein Dresscode-Kompromiss: oben hui und…"manchmal muss es doch ein Paar dicke Wollsocken sein oder ein Körnerkissen auf dem Schoß für mehr Gemütlichkeit unterhalb der Tischkante." …und da sind die 19° maximal für Innenräume in Zeiten der Energiekrise noch gar nicht mit eingerechnet.

Ganz sicher sind die Antworten auf die Frage nach dem optimalen, wirklich passenden Outfit im Homeoffice sehr individuell. Gemütliches Outfit – was heißt das schon: „Gemütlich“ kann alles sein: an einem Tag schreit mein Gemüt „adidas!“, an einem anderen „Baldessarini!“ – und wer darauf hört, ist authentisch, verstellt sich nicht – und kann liefern! Also – individueller Geschmack und Tagesform entscheiden über geeignete Kleidung. Und manchmal kann es auch der Job selber sein. Damit ist nicht zwingend der Blaumann oder Schutzanzug gemeint. So manche Berufssparte hat einfach ihren geheimen Dresscode und pflegt ihn im Büro und zu Hause: Das Klischee, dass „die von der IT meist casual unterwegs sind … STIMMT: die Leute, mit denen ich Kontakt habe, erwarten es auch nicht anders (oder sind eben auch ITler)".

Auch die Erwartungshaltung spielt bei Kleidung im Büro und im Homeoffice eine Rolle. Wenn es kurzfristig eine Videokonferenz gibt, sollte nicht helle Panik zu Hause ausbrechen, weil der Oodie schnell gegen etwas Präsentables getauscht werden muss. Das erwartet der Chef so – und kann er wohl auch. Oodie ist übrigens kein Verschreiber, sondern die textile Antwort auf die Energiekrise. Es ist ein XXXXXXL – Kapuzenshirt mit Bauchtasche aus Fleecestoff außen und einem Teddyplüsch innen. Darin wollen Sie sich nicht bei einer spontanen Videokonferenz erwischen lassen:

Ein Oodie ist ein übergroßer Hoodie, der über die Knie geht und kuschelig warm ist. Sehe darin aus wie ein Teletubby und mit den neu angeschafften Lammfellpuschen wird das Outfit auch nicht besser – aber darin werde ich garantiert nicht frieren. Insofern mache ich doch einen Unterschied zwischen Firma und Homeoffice – so würde ich nie zur Arbeit gehen!

Die textile Kapitulation vor den steigenden Energiepreisen, der Oodie ist riesengroß und kommt auch bedruckt mit Pandas, Avocados oder Knoblauchbroten – wirklich wahr! Das geht partout nicht zusammen mit einem Geschäftstelefonat über Umsätze und Mitarbeitermotivation – oder doch?

Unterschätzen Sie nicht die Wirkung von Kleidung auf Ihr „Mindset“ und testen Sie es einfach mal an sich selbst. Sonst macht der Feierabend irgendwann gar keinen Unterschied mehr – und das wäre ja nun wirklich schade! "Straßenschuhe ersetze ich durch Hausschuhe, sonst besteht kein Unterschied zum Büro. Das „Arbeitsoutfit“ hilft mir, mich auf die Arbeit einzustellen. Nach Feierabend darf es dann auch die Jogginghose sein, die dann die Freizeit einläutet." Und so ein Oodie kann ja trotzdem ein kuschliges Weihnachtsgeschenk sein...

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Stefani Josephs

hat 28 Jahre lang in der Redaktion von Radio Hochstift hauptsächlich als Frühmoderatorin gearbeitet und diverse Veranstaltungen wie Sportevents, Podiumsdiskussionen und Wirtschaftsforen moderiert. Nach einem 2-jährigen Ausflug in die Öffentlichkeitsarbeit einer Stiftung, ist sie zurückgekehrt und seit Juli Pressereferentin der ams und der Podcastfabrik.