Von Datenschutz und eRecruiting: Über die 29. Internet Days

Von Amélie Förster, veröffentlicht am 09.10.2018

Was ist ein "Working out loud?" - Diese Frage konnten die Teilnehmer der 29. Internet Days am Ende des Tages definitiv beantworten. Neben dieser Methode ging es bei der Veranstaltung auch rund um die Themen Datenschutz und eRecruiting in die Tiefe. Bei der Veranstaltung in der Bertelsmann Stiftung am Dienstag, 2. Oktober, waren wieder zahlreiche Besucher aus der Wirtschaft vor Ort.

Die Internet Days sind eine Veranstaltungsserie, die am 15. September 2009 in Bielefeld erstmalig in Zusammenarbeit der Paderborner Internetagentur code-x  und "ams – Radio- und MediaSolutions" veranstaltet worden ist und sich von Beginn an mit Themen rund ums Internet beschäftigt hat. Als zentrales Kommunikationsmittel in Gesellschaft und Wirtschaft birgt das Internet Chancen und Risiken und jede Menge Veränderungen, die es zu ergründen gilt. Die Motivation, die hinter den ersten Internet Days stand, war es, eine Form der regionalen Informationsmöglichkeit mitten in Ostwestfalen-Lippe zu schaffen. Zentraler Bestandteil der Veranstaltung waren von Anfang an die praxisnahen Fachvorträge.

Über die Geschichte der Internet Days

Einige Veranstaltungen richteten code-x und ams gemeinsam aus, code-x führte die Traditionsveranstaltung als alleiniger Veranstalter in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Partnern weiter. Anlässlich der 30. Internet Days kommen die ursprünglichen Veranstalter wieder zusammen. Einen Termin und Veranstaltungsort gibt es auch schon. Doch zunächst ein Rückblick auf die Veranstaltung im Oktober:

Einen innovativen Einstieg in die 29. Internet Days fand Coach Sabine Kluge aus Berlin unter dem Motto: "Wenn Digitalisierung das Problem ist, warum ist soziale Vernetzung die Lösung – Oder: Wie kommt das Wissen aus den Köpfen in die Organisation?". Gleich mit dem Beginn ihres Vortrags wurde die Sitzordnung aufgelöst. Die Teilnehmer der Veranstaltung trafen sich in Dreiergrüppchen an einem imaginären Lagerfeuer, um sich mit Hilfe der Methode des "Working out louds" kennenzulernen und zu vernetzen.

Die Teilnehmer notierten in diesem Workshop jeweils zehn Eigenschaften, die sie von sich preisgeben wollten. Danach tauschten die jeweiligen Teilnehmer einer Gruppe die Zettel untereinander aus, um Gemeinsamkeiten mit den anderen Teilnehmern zu finden. Sabine Kluge erklärte im Anschluss an die Vorstellungsrunde, dass das Herausfinden von Gemeinsamkeiten einen Dopaminschub beim Menschen auslöst und so die Verbindung zwischen Menschen stärkt und fand darüber die Überleitung vom Workshop zu ihrem Vortrag, den Kluge mit einem historischen Abriss über die Mittel und Wege, die Unternehmen seit den 1990ern einsetzen, um das Wissen einzelner Personen in das Unternehmen zu tragen, startete.

Die Haltung der Mitarbeiter ist und bleibt ein Problem

Über das technokratische Wissensmanagement bis hin zu den agilen Methoden, wie dem Design Thinking, Scrum oder Business Modelling, der Gegenwart, zeigte Kluge aber eine Problematik auf, die sich durch alle Jahrzehnte fortsetze: die Haltung der Mitarbeiter. Diese müsse sich, so Kluge, dringend ändern, um die Methoden der vergangenen Jahre erfolgreich für den Wissenstransfer ins Unternehmen nutzen zu können. Kluge definierte die ideale Haltung der Mitarbeiter als angstfrei. Um diese Art des Arbeitens zu leben, des angstfreien Arbeitens, Angst vor Jobverlust oder Sanktion, sei es laut Kluge nötig, dass die Mitarbeiter mit ihren Chefs und Vorgesetzten auf Augenhöhe agieren könnten. Die über Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte, eingefahrenen Hierarchien in den Unternehmen aufzulösen sei ihrer Meinung nach der erste Schritt auf dem Weg zu einer vernetzten Organisation.

"Datenschutz – warum überhaupt? Und wenn dann Qualität statt Bürokratie" titelte Strategieberater Thomas Werning den zweiten Vortrag des Tages. Er startete mit einem kurzen Abriss zum Thema DSGVO, wies auf die erweiterten Dokumentations- und Informationspflichten der Unternehmen hin sowie darauf technische und persönliche Maßnahmen zum Thema Datenschutz innerhalb des Unternehmens zu treffen. Unter anderem machte Werning darauf aufmerksam, dass bis zum 31. Dezember 2018 bei der Datenschutzbehörde die zuständigen Datenschutzbeauftragten offiziell gemeldet werden müssten.

Auch klärte Werning darüber auf, dass im Falle eines entdeckten Datenlecks, also eines Hacks zum Beispiel auf den eigenen Onlineshop, etc., eine Meldepflicht gegenüber der Datenschutzbehörde bestehe. Binnen 72 Stunden seien Unternehmen gegenüber der Datenschutzbehörde dazu verpflichtet solche Datenlecks zu melden, sonst drohen finanzielle Sanktionen. Weiterhin machte Werning in seinem Vortrag auf unterschiedliche Fallstricke wie externe Dienstleister, den Umgang mit Newslettern und die allgemeinen Informationspflichten, in Bezug auf die DSGVO aufmerksam.

Birgit Wintermann von der Bertelsmann Stiftung widmete sich nach der Mittagspause in ihrem Vortrag "Umdenken setzt Kräfte im Unternehmen frei" der Vereinbarkeit von Arbeit 4.0 und dem Employer Branding. In unserem Marketing in Westfalen-Whitepaper mit dem Schwerpunkt Recruiting hat Birgit Wintermann, neben einigen weiteren Experten, bereits vor wenigen Wochen Rede und Antwort gestanden.

"Nichts ist teurer als eine unbesetzte Stelle"

Ebenfalls mit dem Thema Recruiting setzte sich Peter Baining von code-x auseinander. Er stellte moderne Tools vor, mit denen sich Recruiting-Prozesse automatisieren lassen. Von der automatisierten Bestätigung der eingegangenen Bewerbung bis hin zur personalisierten Absage, ist mit modernen Tools der Bewerberprozess gleichzeitig einfacher und bewerberfreundlicher geworden..

Als Auslaufmodell definierte Baining die PDF-Stellenanzeige, die unter anderem von Suchmaschinen nicht korrekt gelesen wird, manuell hochgeladen werden muss und häufig im "analogen" A4-Hochkant-Format am Monitor dargestellt wird. Außerdem erschwere die PDF-Stellenausschreibung die direkte Bewerbung. Das Einsparpotential durch eRecruiting bezifferte Baining bei etwa 3 offenen Stellen pro Unternehmen und Monat auf rund 28.000 Euro.

Sei ein neuer Mitarbeiter gefunden, gäbe es auch im sogenannten Onboarding-Prozess noch Verbesserungsmöglichkeiten. Auch hier sei die (Teil-) Automatisierte Einarbeitung sinnvoll, so könnten Informationen rund um die Telefonanlage, Begrüßung am Telefon, die Urlaubsanträge, Krankmeldungen sowie die wichtigsten Ansprechpartner im Unternehmen, etc. in einer täglichen E-Mail vermittelt werden.

Weiterhin als sinnvoll bewertete Baining die Möglichkeit, Bewerber, die ggf. Stellen absagen, zu befragen, ob sie in den Bewerberpool des Unternehmens aufgenommen werden wollen. Schließlich schrumpfe der Bewerbermarkt regelmäßig, besonders anschaulich machte Baining dies anhand des geburtenstarken Jahrgangs, der sogenannten Babyboomer, der in zehn Jahren in Rente gehe, und der durch den Jahrgang 2009 mit weniger als der Hälfte an Geburten abgelöst werde.

Zum Abschluss machte Baining auf die Entwicklungen des "Bundesverband mittelständischer Wirtschaft Unternehmerverband Deutschlands e.V." aufmerksam. Ab Oktober soll auf der zugehörigen Website bvmw.de eines der größten Jobnetzwerke für den Mittelstand entstehen.

Die 30. Internet Days kommen nach Bielefeld

Die kommenden Internet Days stehen schon in den Startlöchern. Am 13. November findet die Veranstaltung im Pioneers Club in Bielefeld statt. Über die offizielle Website der Internet Days können Sie sich ab sofort anmelden, auf der Website finden Sie auch das Programm, das stetig aktualisiert wird.

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Amélie Förster

hat seit der Schulzeit bei unterschiedlichen Online-Medien gearbeitet und ist ausgebildete Online-Redakteurin. Seit Juli 2018 ist sie bei ams – Radio und MediaSolutions als Online-Redakteurin tätig und betreut das Projekt „Marketing in Westfalen“. Sie ist seit 1998 online, interessiert sich für Social Media, Blogs, Streaming und digitale Technologien aller Art.