Von Authentizität, Regenbögen & Frisuren: Die AllFacebook Marketing Conference 2016

Von Barbara Kawa, veröffentlicht am 13.10.2016
Zwei Frauen mit Dutt von hinten in einer Sitzreihe

Und da hat die AllFacebook Marketing Conference auch in diesem Jahr wieder reichlich zu bieten. Dabei dreht sich vieles, aber mittlerweile nicht mehr alles um die Plattform Facebook selbst. Das Themenspektrum reicht darüber hinaus: Von Influencer Marketing über Snapchat bis zur politischen Kommunikation.

Mit Humor zum Ziel

In der Opening Key Note stellen die Macher der Kampagne #weilwirdichlieben der Berliner Verkehrsbetriebe vor, wie sie sich vom langweiligen „Beamten-Image“ über einen Shitstorm hin zu einer der beliebtesten und erfolgreichsten Marketingkampagnen in Deutschland und einem besser verstandenen Serviceunternehmen in Berlin entwickelt haben.

Neben vielen unterhaltsamen Anekdoten und Beispielen blieb als Quintessenz, dass man es als Unternehmen durchaus auch mal aushalten muss, wenn im Netz nicht nur Liebe zu einem zurückkommt. Durch Ehrlichkeit, Kreativität und das richtige Gespür für Selbstironie und Humor wurde der aufkommende Shitstorm beim Kampagnenstart von #weilwirdichlieben ins Gegenteil gekehrt. Maßgeblich für den Erfolg ist nach wie vor Schnelligkeit, aber auch das Vertrauen der Marketingchefs in ihre Social Media-Mitarbeiter (in diesem Falle eine Agentur). Ein Aspekt, der nachahmenswert ist.

Kommunikation per Messenger

Um das aktuell viel beachtete und diskutierte Thema „Messenger-Dienste“ ging es im Vortrag von Malte Goesche, Head of New Platforms bei BILD. Die Zeitung ist hier Vorreiter, testet und nutzt schon lange WhatsApp und den Facebook Messenger – für sie ein weiterer Kommunikationskanal neben E-Mails und Co. Die Erkenntnisse, die Goesche vorstellt, sind spannend: So ist beispielsweise die Click-Through-Rate vier Mal so groß wie bei Facebook und die Inhalte werden von über 50 Prozent der Abonnenten geteilt. Gewünscht sind von den Usern Hintergrundinfos und weiterführende Links, dabei steht die Relevanz an erster Stelle. In puncto Frequenz hat sich für BILD gezeigt: Sieben Nachrichten täglich sind ideal. Verschwiegen wurde aber auch nicht, dass WhatsApp sich aufgrund von Richtlinien und Handling nicht gut für die Kommunikation mit Lesern eignet und dass auch der Facebook Messenger immer wieder hakt.

Regenbogenkotze – aber authentisch

Am Nachmittag kamen dann noch mehr die Dutt- und Jutebeutel-Träger auf ihre Kosten. Instagram-Trends, Snapchat-Strategien oder der Return on Invest beim Influencer-Marketing. Natürlich finden diese Themen genauso – oder noch mehr – in den großen Marketingabteilungen statt und werden dort wahrscheinlich von Menschen in Anzügen betreut. Aber die Plätze in Vorträgen wie „Auf die Plätze – fertig – Regenbogenkotze“ oder „Ich bin ein Influencer und so kommen wir ins Geschäft“ waren voll besetzt mit jungen Leuten, die in diesen Themen und Kanälen durch Alter und Nutzerfahrung zuhause sind. Und die eben auch beruflich vieles davon umsetzen wollen und können.

DAS Schlagwort, das hier immer wieder fiel: Authentizität. Bei Snapchat muss man so sein, wie man ist. Theater zu spielen funktioniert nicht, Content muss hier anders ausgerollt werden als auf anderen Kanälen. Dafür ist es bei Snapchat aber z.B. nicht so wichtig, täglich neue Stories zu bringen, wie die beiden Speaker erklärten. Selbst wenn mal zwei Wochen lang nichts passiert ist, ist im Anschluss die Zuschauerzahl wieder genauso hoch wie vor 14 Tagen.

Authentizität und Glaubwürdigkeit stehen auch beim Thema Influencer-Marketing im Fokus. So sollten sich Unternehmen fragen, ob der ausgewählte Influencer und die Themen seines Blogs überhaupt zum Produkt und zur Marke passen. Zum anderen dürfen sich aber auch Blogger nicht verbiegen, um den Auftrag eines Unternehmens erfüllen zu können. Ob das auf beiden Seiten immer so passiert, bleibt mal dahingestellt. Klar ist aber, dass das Thema Influencer-Marketing aktuell sehr wichtig ist und viele Unternehmen es einsetzen, um neue Zielgruppen zu erreichen. Dass es dabei aber auch um Budget, Datenbanken, Reportings und die Kennzeichnungspflicht geht und sich eben um ein ganz normales Geschäft handelt, wurde nochmal deutlich. Verabschieden sollten sich Unternehmen davon, dass Blogger einfach so aus Überzeugung über ihre Produkte posten. Und Leser übrigens genauso.

30 Vorträge auf drei Bühnen

Das Programm der AllFacebook Marketing Conference  war mit 30 Panels sehr umfangreich, die Themen und Speaker dabei abwechslungsreich und breit gestreut. Um rechtzeitig von Vortrag zu Vortrag zu wechseln, musste man schnell sein. Und dabei ist die Fragerunde am Ende der Panels immer besonders aufschlussreich und bringt oft noch weitere Infos zu den Vortragsthemen hervor.
Für Marketer, die mit Social Media Plattformen und den aktuellen Themen vertraut sind, ist die AFBMC absolut empfehlenswert. Um neuen Input zu bekommen, Trends zu entdecken und Ideen mit nach Hause zu nehmen.

Und übrigens: Ja, ich hatte auch einen Jutebeutel dabei.

Die Präsentationen vieler Vorträge von der AllFacebook Marketing Conference können Sie sich bei allfacebook.de ansehen.

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Barbara Kawa

ist Online-Redakteurin und Social Media Managerin bei ams - Radio und MediaSolutions und beschäftigt sich mit allen Themen im und rund ums Web.