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Virtual Reality: Eine neue Dimension des Markenerlebens

Von Kristina Grube, veröffentlicht am 21.7.2016

VR_Brillen_Copyright-060689-edited.jpgDer Begriff „Virtuelle Realität“ tauchte erstmals 1987 im „Oxford English Dictionary“ auf – als ein theoretisches Konzept. Doch, wie Stephen Hawking in seinem Vortrag „Space and Time Warps“ feststellte, wird „die Science Fiction von heute oft zu den wissenschaftlichen Fakten von morgen“.1

Heute ist Virtual Reality allgegenwärtig: In der Gaming-Branche, in der Automobilindustrie, in der Medizin oder beim Militär. Aufgrund der technischen Möglichkeiten scheint diese Technologie nun auch für Konsumentenmärkte kurz vor dem Durchbruch zu stehen.

Die daraus resultierenden Wertschöpfungspotenziale dieses neuen Marketingkanals werden bereits von den verschiedensten Unternehmen genutzt. Was Virtual Reality genau ist und wie Sie es als Unternehmen anwenden können, erfahren Sie hier.

Virtual Reality, Immersion und Augmented Reality

Virtual Reality (kurz: VR) beschreibt das Versetzen eines Betrachters in eine andere, scheinbare Wirklichkeit, die jedoch computergeneriert ist. Über einen sogenannten „Head-mounted Display“, einer VR-Brille, wird die virtuelle Umgebung übermittelt. Zusätzlich dazu messen und verarbeiten Sensoren am Bildschirm die Bewegungen des Trägers, so dass das dargestellte Bild den Kopfbewegungen folgen kann.

Je mehr Sinne authentisch und intensiv angesprochen werden, desto höher liegt der Grad der Immersion. Diese beschreibt den Eindruck, dass sich die Wahrnehmung der eigenen Person in der realen Welt vermindert, wohingegen sich die Empfindungen in der virtuellen Welt zu vertiefen scheinen.

Häufig vermischt, aber klar von der virtuellen Realität zu unterscheiden, ist die „Augmented Reality“  (kurz: AR). Während der Nutzer einer VR-Brille zur Gänze von seiner Umwelt abgetrennt werden soll, wird bei der AR die reale Außenwelt mit Zusatzinformationen, Bildern oder Videos ergänzt. Eine Immersion kommt hier also nicht zustande.

VR-Brillen

Um die virtuelle Umgebung zu übertragen, gibt es zwei technische Ansätze. Zum einen die „Mobile-VR“ und zum anderen die „High-End-VR“. Bei der ersten Version handelt es sich um eine Halterung für Smartphones, die am Kopf des Nutzers befestigt wird. Hierzu zählt auch die „Gear VR“ von Samsung, die seit ihrer Veröffentlichung im Herbst 2015 bereits rund 185.000 Mal verkauft wurde.2

Die High-End-Version wird hauptsächlich im Gaming-Bereich für Videospiele eingesetzt. Sie ist sehr hochwertig und liegt preislich zwischen 400 und 900 Euro. Dabei sind die Brillen fest mit dem Bildschirm verbaut, verfügen über eine feine Sensorik und ermöglichen meist über eingebaute Kopfhörer einen hohen Grad an Immersion. Für ihren Einsatz wird aber auch ein leistungsstarker PC oder eine Spielekonsole gebraucht. Für einen professionellen B2B-Kontakt bieten sich diese professionellen VR-Brillen an.

Anwendung: 360-Grad-Videos

Eine VR-Anwendung sind die 360-Grad-Videos, die mittels einer omnidirektionalen Kamera oder mehreren Kameras erstellt werden. So wird gewährleistet, dass das Bildmaterial aus allen Richtungen, sowohl horizontal als auch vertikal, aufgenommen werden kann. Das Besondere für den Nutzer liegt darin, dass er selbst entscheiden kann, welchen Bildausschnitt er ansehen möchte. Je nach Endgerät kann er über die Bewegung des Smartphones oder Tablet, über das Ziehen oder Klicken der Maus über den PC-Bildschirm oder über die Neigung des Kopfes mit der VR-Brille die Perspektive wechseln.

Das Bekleidungsunternehmen „s.Oliver“ hat diese Anwendung bereits erfolgreich für sein Produktmarketing angewandt. Im Rahmen der Product Promotion „s.Oliver Stripe Hype“ veröffentlichte es in Kooperation mit der Agentur Nowadays und dem Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut (HII) auf Facebook und der Webseite ein 360°-Video. In einem hellen Fotostudio präsentieren Models verschiedene Streifen-Looks und laufen kreuz und quer durch das Bild. Durch die Verknüpfung des Clips mit den entsprechenden Styles im Online-Shop, kann der Nutzer die präsentierten Kleidungsstücke direkt kaufen. Eine erfolgreiche Kampagne, die bei Facebook mehr als 400.000 Aufrufe generierte.

 

 

 Über eine Million Aufrufe mit einem 360°-Video erzielte Jean Paul Gaultier mit der Werbeaktion „BeTheBottle“. Aus der Perspektive des typischen Flacons in Form eines Frauenkörpers spielt sich eine kuriose Szene ab. Diese virtuelle Umgebung soll die Fabrik Gaultiers darstellen, in der attraktive Frauen und Matrosen aufeinandertreffen und sich, nicht zuletzt aufgrund des Duftes aus dem Flacon, zueinander hingezogen fühlen.

 

Grundsätzlich bieten sich 360°-Videos immer dann an, wenn der Betrachter in eine Situation eintauchen kann, die nicht alltäglich für ihn ist: Extrem-Sport-Erfahrungen zur Bewerbung von Sportbekleidung oder –ausrüstung, ein Vorgeschmack auf den nächsten Urlaub in der Karibik, ein Rundgang durch das buchbare Hotel oder eine rasante Fahrt in einem Cabriolet. All das wird erlebbar durch Virtual Reality und kann die Kaufentscheidung, gerade im Hochpreissegment positiv beeinflussen.

Auch für das Personalmarketing kann Virtual Reality eine wahre Bereicherung sein. Das zeigte die Agentur „Westpress“, die ihren Sitz in Hamm hat. Durch ihr Recruiting-Video ermöglicht sie Interessenten einen Rundgang mit der Kollegin Caro durch das Unternehmen und schafft es, dass Bewerber entspannter zum Vorstellungsgespräch kommen können. „Hi! Schön, dass du da bist“, begrüßt Westpress-Geschäftsführer Christian Hagedorn. „Ich bin Christian, Geschäftsführer hier bei der Westpress und normalerweise würden wir jetzt ein Gespräch führen, um uns besser kennen zu lernen. […] Ich würde mich auf ein Wiedersehen freuen. Bis dahin.“ Locker, sympathisch und kompetent: So umgesetzt, erhöhen sich für Sie die Chancen, den passenden Mitarbeiter zu finden und haben gleichzeitig etwas für Ihre Reputation als attraktiven Arbeitgeber getan.

Auch für Branchen, die bei den jungen Menschen als Ausbildungsstelle nicht an erster Stelle auf der Liste stehen, bietet sich VR an. Mithilfe einer virtuellen Fahrt durch einen High-Speed-Turbo-Kompressor brachte das Unternehmen „Boge Kompressoren“ aus Bielefeld Schülern seine Ausbildungsangebote näher. Mit Erfolg: Der Oculus Rift war am „Tag der Ausbildung“ das Top-Gesprächsthema bei den Besuchern. Er sei sehr real und wie eine Achterbahnfahrt gewesen. Das Interesse war geweckt und die verschiedenen Ausbildungsmöglichkeiten von Boge Kompressoren an diesem Tag für die Schüler um ein großes Stück begehrter geworden.

Worauf muss geachtet werden?

Der Kameramann bestimmt nicht länger durch die Ausrichtung der Kamera den Ausschnitt, den der Nutzer sehen kann. Der Betrachter ist frei in seinem Blick und kann in alle Richtungen schwenken. Dies erfordert zum einen ein präzises Storytelling, zum anderen muss auch darauf Rücksicht genommen werden, dass der Betrachter mehr Zeit benötigt, um sich in einer Szene zu orientieren. In den Praxisbeispielen wird dies meist gelöst, indem Personen durch das Video gehen, denen der Nutzer automatisch mit dem Blick folgt. Auf diese Weise kann der Betrachter fließend von Szene zu Szene geleitet werden.

Erst durch die Anregung, den Blick nach links und rechts schweifen zu lassen, weckt das Interesse des Betrachters. Je dynamischer und nachvollziehbarer die Szenen aufeinander folgen, desto stärker ist der Nutzer involviert und bekommt das Gefühl, interaktiv mit einem Produkt oder Unternehmen zu agieren.

Damit am Ende Ihr 360°-Video möglichst viele Aufrufe erzielt, muss es an der richtigen Stelle gepostet werden. Neben Ihrer Unternehmensseite bieten sich soziale Plattformen an, die bereits über entsprechende Features verfügen: Facebook und YouTube unterstützen VR-Videos – auf YouTube ist sogar 360-Grad-Live-Streaming und das Abspielen von Spatial Audio, also räumlicher Sound, möglich.


1 Hawking, S. (1999): “Space and Time Warps”, unter: http://www.hawking.org.uk/space-and-time-warps.html

2 Horizont( 2016): “Samsung meldet über 185.000 verkaufte VR-Brillen in Deutschland“, unter: http://www.horizont.net/marketing/nachrichten/Virtual-Reality-Samsung-meldet-ueber-185.000-verkaufte-VR-Brillen-in-Deutschland-141230

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Themen: Video

Kristina Grube

Von Kristina Grube,

studiert aktuell Crossmedia & Communication Management (MA) an der Fachhochschule des Mittelstands in Bielefeld, an der sie bereits den Studiengang Medienkommunikation und Journalismus (BA) absolviert hat. Neben dem Studium arbeitet sie parallel als freie Mitarbeiterin für eine lokale Tageszeitung.

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