Veränderung von Videos und deren Nutzung

Von Kevin Kasper und Jan-Philipp Adams, veröffentlicht am 05.10.2021

Beispiel gefällig?

Seit 10 Sekunden schaue ich dem Geschehen auf meinem Smartphone schon zu. Aber langsam denke ich darüber nach, ob mich das Video wirklich interessiert. Titel und Thumbnail waren es, die mich angesprochen hatten, doch nach ein paar Sekunden ohne Höhepunkt skippe ich weiter und schaue mir das nächste Video an.

Dies oder ähnliche Szenarien kennt sicher jeder: Schnell werden wir ungeduldig, wenn keine neuen Reize kommen. Laut einer Studie von Microsoft Canada hat in den letzten 20 Jahren unsere Aufmerksamkeitsspanne deutlich abgenommen. Von durchschnittlich 12 Sekunden im Jahr 2000 auf 8 Sekunden im Jahr 2013 und damit ist sie sogar geringer, als die eines Goldfisches mit 9 Sekunden. Einfach ausgedrückt: Gibt es nach 8 Sekunden keinen neuen, spannenden Impuls, verlieren wir das Interesse.

Nicht nur für uns Filmemacher ist das eine alltägliche Herausforderung, auch für Leute aus dem Marketing oder für die Zielgruppe hat es eine große Bedeutung.

Das Video ist das Lieblingsmedium unseres Gehirns, da es einfach zu verstehen und meist unterhaltsam ist, außerdem gleich zwei Sinne anregt – Hören & Sehen. Und der Vorteil von Film: Er ist in unzähligen Bereichen einsetzbar.

Interessant ist, wie sich dieses Medium innerhalb der letzten Jahre verändert hat. Messbar im Internet, z.B. auf Social-Media-Kanälen anhand von Klick-Zahlen, Abschluss- und Abbruchraten usw. Teilweise begrenzen die Anbieter die Länge der Videos, so sind z.B. im Instagram Feed Videos mit max. 1 min. möglich. Soll es länger werden, muss das Insta-eigene IGTV genutzt werden, wo bis zu 60 min. möglich sind.

Aber selbst beim klassischen Imagefilm erkennt man die Veränderung. Dieser war vor 15 Jahren gern mal 10 Minuten lang. Langsame, weil ausführliche Erzählweise und wenig Bildwechsel, fast wie bei einem Vortrag. Heute undenkbar, denn so lange schaut niemand. Schon gar nicht, wenn man unterwegs ist. Unser Gehirn ist durch die „Epoche Smartphone“ auf Schnelligkeit trainiert und dies wird tendenziell immer mehr. Das Ergebnis lautet ganz nach dem Motto: Weniger ist mehr! Aus 10 Minuten sind heute 2-3 Minuten geworden – und selbst das kann für einige sehr lang sein.

Wie sollte ein Image- oder Produktfilm also heutzutage sein? Wir erinnern uns an das Beispiel: Im Prinzip fängt es schon beim Thumbnail und dem Videotitel an. Je eindeutiger und prägnanter gewählt, umso mehr potenzielle Zuschauer finden den Weg zum Video bzw. schauen es sich an. Für das Video selbst ist ein guter Einstieg wichtig, um die Leute zu catchen und - noch wichtiger - zu halten. Ein dynamischer Schnitt, gut wahrnehmbare Text-Inserts und ein klares Sounddesign, untermalt mit passender Musik, sind unterhaltsam und lassen den Betrachter mehr Informationen aufnehmen und verarbeiten, als ein Bild oder Text allein es je könnte.

Ruhig auf Tempo setzen, denn: Unser Gehirn kommt mit!

Auch das Format erlebt einen Wandel. Filme waren seit Beginn an im Querformat. Zunächst 4:3, bis sich das 16:9-Format durchsetzte und heute die Bildschirmlandschaft bestimmt. Doch mit Beginn der Smartphone-Ära geht der Trend auch in Richtung Hochkant. Das Drehen des Smartphones soll vermieden werden, daher empfiehlt z.B. Instagram Video-Posts im 4:5-Format, oder sogar quadratisch hochzuladen. Für jeden Filmemacher ein Graus, aber dies eröffnet auch neue Möglichkeiten, die es zu nutzen gilt. Denn eins ist sicher: Der „Trend Hochkant“ wird zukünftig bleiben und wer auf Mobile Marketing setzt, muss das bedenken.

Wichtig ist es, schon bei der Konzeption und späteren Produktion darauf zu achten, wo der Film eingesetzt wird.

Wichtig ist: Die Zielgruppe beobachten, sowie auf Trends eingehen. So bleibt man Up-to-Date und kann den Markt effektiv bedienen.

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Kevin Kasper und Jan-Philipp Adams

Jan-Philipp Adams ist ausgebildeter Mediengestalter für Bild & Ton und arbeitet seit 2015 bei Videograph als Cutter und Kameramann. Kevin Kasper ist studierter Kameramann und Fachwirt für Marketing und arbeitet seit 2018 bei Videograph als Regisseur und Kameramann.