Uwe Wollgramm über „Marketing nach innen und außen“

Von Julia Ures, veröffentlicht am 03.07.2018
ams Geschäftsführer Uwe Wollgramm

Seit einigen Jahren bietet ams – Radio und MediaSolutions mit „Marketing in Westfalen“ außerdem einen Marketing-Blog als Service. ams-Geschäftsführer Uwe Wollgramm, wieso eigentlich?

Wir haben uns vorgenommen, Marketingfachleute und Führungskräfte aus der Region über fachliche Trends zu informieren und ihnen eine Plattform zu bieten, über die man sich miteinander vernetzen und ins Gespräch kommen kann.

Was hat den Anstoß gegeben, den Blog „Marketing in Westfalen“ seinerzeit ins Leben zu rufen?

Vorbild war der Blog "Marketing im Pott", der nach ähnlichem Muster bereits im Ruhrgebiet für die dortige Region existierte und sich wachsender Beliebtheit erfreute.

Inwieweit funktioniert Marketing in Westfalen anders als anderswo?

Ursprünglich ging es uns auch darum, mit den Marketingexperten und Unternehmern der Region nicht nur ins Gespräch, sondern auch direkt ins Geschäft zu kommen. Alle Personen, die sich auf marketinginwestfalen.de bewegen, sind für uns schließlich potenzielle Kunden. Anders als vergleichbare Blogs haben wir aber schnell erkannt, dass eine plumpe Werbung für mediale Dienstleistungen bei unseren Zielpersonen nicht ankommt. marketinginwestfalen.de zeichnet sich durch eine hohe inhaltliche Qualität der Beiträge aus.  

Die Region ist vielerorts sehr ländlich geprägt, es gibt aber mit z.B. Bielefeld und Gütersloh auch struktur- und besonders wirtschaftsstarke Standorte. Inwieweit ist Marketing standortabhängig?

Ein Marketing muss sich immer an jenem Markt orientieren, in dem es sich bewegt. Entsprechend unterscheiden sich die Marketingziele und die -strategien. Das Handwerkszeug allerdings ist das Gleiche.

Funktioniert Marketing grundsätzlich für KMU-Unternehmen anders als für die großen Player?

​Grundsätzlich nicht. Allerdings haben global aktive, größere Player aufgrund entsprechend höherer Budgets viel mehr Möglichkeiten, einen starken Werbedruck auszuüben. Dagegen kennen sich die kleinen und mittleren Unternehmen in ihrem regionalen Markt oft viel besser aus und können den Großen auch mit gezielt eingesetzten geringeren Budgets erfolgreich etwas entgegensetzen. 

Wie lange gibt es Marketing in Westfalen schon und wie hat sich der Blog seither verändert?

Seit vier Jahren - tatsächlich, so lange schon! - ist Marketing in Westfalen online. Anfangs war das Ziel, möglichst viele Beiträge in kurzen Zeitabständen zu veröffentlichen. Inzwischen setzen wir mehr auf Klasse als auf Masse. 

In den Blog-Artikeln und Whitepapers geht es häufig um Austausch und den Blick über den vielzitierten „Tellerrand“. Wie wichtig sind dieser Austausch im Marketing, Best Practise-Beispiele anzuschauen und voneinander zu lernen?

Sich theoretisch das Rüstzeug fürs Marketing anzueignen ist die eine Sache. Die Theorie in der Praxis erfolgreich anzuwenden eine andere. Es ist enorm hilfreich, von Kollegen zu lernen, was in der Praxis tatsächlich gut funktioniert - und welche Fehler man vielleicht selbst vermeiden sollte.

Inwiefern können sich Marketing-Konzepte, -wissen und -ideen branchenübergreifend anwenden?

In aller Regel funktionieren Erfolgsrezepte fürs Marketing branchenübergreifend. Deshalb lohnt es sich, nicht immer nur die eigene Branche im Blick zu haben, sondern einen Blick über den Tellerrand hinaus zu wagen.

Marketing verändert sich gerade, vor allem, was das Gesamtmarketing und die Darstellung von Unternehmen als Arbeitgeber angeht. Welche Herausforderungen liegen in Westfalen vor uns?

Die mittelständisch geprägte Wirtschaft in unserer Region lebt von den sehr guten Arbeitskräften, von den Menschen, die Dienste leisten und Produkte herstellen. Die Konkurrenz um Fachkräfte nimmt zu. Ein Unternehmen muss seinen Mitarbeitern heute mehr anbieten als einen ordentlichen Lohn, um sie für sich zu gewinnen und an sich zu binden. Insofern richtet sich das Marketing eines Unternehmens zunehmend nicht allein nach außen, sondern auch nach innen, in die eigene Belegschaft hinein. Es empfiehlt sich daher auch für kleine und mittlere Unternehmen, eine echte Corporate Identity zu entwickeln.

Wo nehmen Sie in Ihrem Unternehmen, bei ams – Radio und MediaSolutions, die Marketing-Ideen und -strategien her?

Zum einen setzen wir auf Kontinuität. Eine erfolgreiche Marketingstrategie wird nicht jedes Jahr grundlegend verändert. Es ist ein Prozess, der in kleinen Schritten immer weiter voran schreitet. Zum Anderen halten wir uns auf Kongressen, Fachmessen und durch Fachmedien auf dem Laufenden, um Trends aufzuspüren und ihnen nachzugehen. Alles, was wir auf marketinginwestfalen.de veröffentlichen, ist auch für uns selbst interessant. Wir teilen diese Informationen aber auch gern mit anderen. Anwenden muss sie letztlich jeder für sich.

​ams übernimmt seit vielen Jahren das Marketing für die sieben OWL+-Lokalradios. Welche Entwicklung nimmt gerade die Radiolandschaft und inwieweit muss Marketing darauf reagieren?

Die Digitale Transformation, oder besser gesagt die Digitale Disruption, verändert unsere gesamte Wirtschaft und unsere gesamte Gesellschaft in rasender Geschwindigkeit. Als ältestes elektronisches Medium muss sich auch das Radio darauf einstellen. Das Mediennutzungsverhalten der Menschen verändert sich gravierend. Die digitalen Verbreitungskanäle werden auch für das Radio und damit auch für das Radiomarketing immer wichtiger. Darauf haben wir uns bisher sehr gut eingestellt. Die Reichweiten und die Nutzungszahlen unserer Websites und -Apps gehören - was die Radiobranche angeht - zu den Besten in Deutschland. Darauf dürfen wir uns allerdings nicht ausruhen. Die Entwicklung schreitet fort, und wir wollen vorn dabeibleiben. Es geht in Zukunft ein Stück weit weg vom Massenmedium Radio hin zu einer individuellen Ansprache jedes einzelnen Hörers und Nutzers. Was uns stark macht in dieser für viele Menschen unübersichtlichen digitalen Revolution sind unsere sehr bekannten und beliebten Radiomarken, die den Menschen in der Region Orientierung, Information und Unterhaltung bieten. Ein unaufgeregtes, modernes Marketing trägt ganz entscheidend mit dazu bei, dass lokale Radiomarken so bekannt und beliebt bleiben und in einer Welt der zunehmenden medialen Reizüberflutung ihren hohen Stellenwert behalten.  

Danke für das Gespräch!  

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Julia Ures

ist zuständig für die Betreuung der Print- und Online-Kanäle von ams - Radio und MediaSolutions. Sie kümmert sich um die Pressearbeit für die Lokalradios in Ostwestfalen-Lippe und im Kreis Warendorf, ist ausgebildete Hörfunkredakteurin und Moderatorin.