Teambuilding: Wissenswertes aus der Praxis

Von Kristina Grube, veröffentlicht am 17.11.2016
Portrait von Sebastian Grab

Marketing in Westfalen: Es steckt bereits in dem Wort Teambuilding: Was aber ist eigentlich ein Team?

Sebastian Grab: Es ist ganz oft so, dass die Begriffe „Team“ und „Gruppe“ synonym verwendet werden.  Für mich besteht ein Team aus Personen, die gemeinsam miteinander arbeiten und dabei das gleiche Verständnis von einem Ziel haben. Daher ist es wichtig, dass sich im Team alle kennen und dass die Aufgaben jedes Einzelnen klar definiert sind. Wenn das gemeinsame Ziel, der Kontext und die Aufgabe nicht mehr vorhanden sind, dann ist es eben nur noch eine Gruppe von Menschen. Deswegen wird auch gesagt, dass nicht jede Gruppe ein Team ist, aber jedes Team ist eine Gruppe.

Marketing in Westfalen: Was braucht ein Team, um gut funktionieren zu können.

Sebastian Grab
: Ja, hochspannende Frage. Denn was heißt „funktionieren“? Wenn das heißt, das Team erreicht sein Ziel, dann braucht das Team ein gleiches Verständnis davon. Das Ziel steht bei einem Team im Vordergrund, hält es zusammen und muss klar definiert sein. Es ist keine Vision, sondern ein Punkt, der für das Team erreichbar ist. Die Teammitglieder müssen die einzelnen Kompetenzen ihrer Kollegen, die Aufgabenbereiche und sich untereinander gut kennen.

Darüber hinaus braucht ein Team natürlich eine gute Kommunikation über die Arbeit, Teamregeln und Vereinbarungen und eine gute zeitliche Struktur, etwa mit einem Anfangspunkt und einzelnen Meilensteinen.

Wenn all das gegeben ist, kann ein Team gut funktionieren. Das heißt aber noch nicht, dass sie erfolgreich sind und jeder in seiner Tätigkeit aufgeht. Der Spirit ist dadurch noch nicht gegeben.

Marketing in Westfalen
: Sie erwähnten bereits die einzelnen Kompetenzen: Welche verschiedenen Rollen gibt es in einem Team?

Sebastian Grab: Es gibt verschiedene Rollen, die ich als Person im Team annehme und alle Rollen beruhen darauf, wie ich mich selbst in der Arbeit sehe und gesehen werden will. Da gibt es denjenigen, der vom Typ her eher extrovertiert ist, der sehr schnell und strukturiert arbeitet und der auch gerne das Kommando übernimmt. Der rutscht dann womöglich in eine Art Führungsposition, denn dort liegen seine Kompetenzen. Ein anderer kann vielleicht gut auf Zuruf arbeiten und will so eine Führungsrolle gar nicht. Je nachdem, was ich als Teammitglied möchte – entsprechend meiner Stärken und Kompetenzen – gestalte ich meine Rolle. Darüber hinaus gibt es noch unglaublich viele Rollen und auch verschiedene Theorien und Modelle dazu. Da gibt es dann gruppendynamische, psychologische oder funktionale Rollen, die ein Teammitglied einnehmen kann. Vom Klassenclown bis hin zum Schüchternen oder vom Organisator zum Macher bis hin zu demjenigen, der die Struktur im Blick behält. Das Spannende ist, wenn ich ein Team aufsetze, gehe ich aber nicht über die Rollen, sondern frage, was jeder einzelne beitragen kann, wo er seine Stärken und Kompetenzen sieht. Die Rollen ergeben sich dann darin.

Marketing in Westfalen: Was kann von Unternehmensseite getan werden, um das Team zu stärken?

Sebastian Grab: Ich finde es wichtig von Unternehmensseite, wenn ich ein Team aufbaue, dass ich die Mitarbeiter wirklich beteilige und zwar im Rahmen ihrer Kompetenzen, Ressourcen und der Art und Weise, wie sie arbeiten wollen. Da muss ich sie abholen und dann kann ich das Team gut aufbauen.

Wichtig ist, Beteiligungsprozesse zu stärken und zu fördern, die Mitarbeiter zu unterstützen, in das Team reinzugehen und dem Team dann auch eine gewisse Autorität zu geben, wenn es darum geht, Verantwortung für etwas zu übernehmen.

Denn dann bin ich auch besser und effektiver, als wenn ich nur für jemand anderen arbeite. Wenn ein Team selbst eine große Verantwortung für das eigene Handeln hat – also jedes Mitglied als auch das Team an sich – dann bekommt die Arbeit einen Sinn. Ein Unternehmen kann ein Team unterstützen, indem es auch wirklich etwas zu dem Unternehmenserfolg beitragen kann.

Marketing in Westfalen
: Was sollte getan werden, wenn in einem Team zwei führungsstarke oder nur sehr schüchterne Personen sind?

Sebastian Grab
: Wenn ich zum Beispiel zwei Starke in dem Team habe, dann muss ich schauen, wie ich sie trotzdem beteiligen kann oder ich entscheide mich entweder für den einen oder den anderen. Schwierig ist nur, wenn sich darüber dann ein Konflikt ergibt, wer das Team führt und die beiden sich dann erst einmal in die Haare bekommen. Dann schwächen die beiden das Team zunächst, weil der Fokus weg vom Ziel in Richtung „Wie arbeiten wir eigentlich zusammen?“ rutscht. Das muss dann erst einmal geklärt werden. Das spielt auch eine wichtige Rolle bei der Frage, wie gut ein Team funktioniert. Wenn ich meine Aufgaben und Rollen, die ich im Team gerne hätte, nicht ausleben kann, dann werde ich schwächer in dem, was ich tue. Ich werde davon behindert, dass ich nicht so sein kann, wie ich bin und das ist ein großer Erfolgsfaktor. Dann kann ich keinen Nutzen und Sinn darin entdecken, in diesem Team zu arbeiten.

Marketing in Westfalen: Inwiefern können Teambuilding-Maßnahmen hier hilfreich sein?

Der Kern von Teambuilding-Maßnahmen besteht im Kennenlernen der Mitglieder.

Sebastian Grab: Denn wenn ich weiß, wie jemand tickt, dann kann ich auch gut mit ihm arbeiten, mit ihm ins Gespräch gehen, eine gute Kommunikation aufbauen und wir können uns austauschen. Ein großes Kennzeichen von Teams sind die Synergieeffekte, die nur so möglich sind. Aus eins plus eins wird dann drei: Das, was wir zusammen tun ergibt am Ende mehr als das, was wir alleine tun würden. Das gelingt nur über Kommunikation. Teambuilding-Maßnahmen zielen darauf ab, seine Kollegen besser und auf eine andere Art und Weise kennenzulernen – beim gemeinsamen Wandern, im Hochseilgarten, beim Kochkurs oder während eines Spielabends. Die gemeinsame Aktivität steht hier überall zwar im Vordergrund, dahinter stecken aber die Kommunikation und das Kennenlernen der einzelnen Teammitglieder. Diese Maßnahmen kann ich nicht nur am Anfang des Teambuildings einsetzen, sondern auch zwischendrin, weil man sich jedes Mal ein Stückchen besser kennenlernt.

Marketing in Westfalen: Was sind typische Probleme, die in einem Team vorkommen können?

Sebastian Grab: Kommunikation ist das Bindeglied zwischen uns – sowohl verbal als auch nonverbal – und da kann es ganz oft zu Störungen kommen. Ich möchte gar nicht von Problemen reden. Die können daraus resultieren, aber zunächst fängt es als Störung an, die geklärt werden muss. Das kann so weit führen, dass ich vielleicht gar nicht mehr mit einer bestimmten Person sprechen will und sie irgendwann nicht mehr mag. Dann geht das Ganze in den emotionalen Bereich über, so dass dann eine Zusammenarbeit nicht mehr möglich ist. Grundlage dafür ist oft eine unklare Kommunikation, die zu einem Missverstehen führt. Ein typisches Störungsfeld ist auch, dass ich mein Gegenüber bewerte und mit mir selbst vergleiche. Wenn dieser aus meiner Sicht bevorzugt wird, dann finde ich das unfair. Das sind ganz normale Beziehungsprobleme, die auch außerhalb des Unternehmens auftreten. Eine Betrachtung und Klärung der Kommunikation ist auch hier wieder notwendig.

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: Doch was tun, wenn es im Team einmal richtig gekracht hat?

Sebastian Grab: Dann stagniert die Arbeit des Teams, weil der gesamte Fokus nun auf dem Konflikt liegt. Dann geht es darum, diesen Konflikt mit all seinen Parteien zu klären – am besten mit einem Externen. Das kostet manchmal viel Zeit und Energie, es zahlt sich am Ende aber auch aus. Denn ich habe zwei Möglichkeiten, wenn ein Team nicht funktioniert:

  • Entweder ich kümmere mich darum und gebe Mühe und Gas, dass es wieder funktioniert oder
  • es wird ein neues Team gegründet.

Dann ändert sich aber auch das Teamgefüge, was dem Team gut tun oder es aber auch schwächen kann, weil es sich wieder neu finden muss. An dieser Stelle ist es gar nicht schlecht, wenn das Team einen Sündenbock hat, also einen Adressaten, falls etwas schlecht läuft. Das kann ganz oft der Teamleiter sein, der dann die Verantwortung übernimmt, während der Rest des Teams weiterarbeiten kann. Das muss der dann aber auch aushalten können.

Marketing in Westfalen: Was ist darüber hinaus wichtig, damit die Kommunikation im Team gelingt?

Sebastian Grab: Ich finde das Zuhören bzw. das Nicht-Zuhören oder das „Ich höre nur das, was ich will“ unglaublich spannend. Also die Wahrnehmung auf Grundlage der eigenen Interpretation. Da sind wir dann mitten in der Theorie des Konstruktivismus. Ich weiß, der andere hat sein Konstrukt und ich habe mein Konstrukt und deshalb muss ich dem anderen zuhören, um ihn zu verstehen. Wenn ich mich für dich interessiere, dann will ich auch wissen, was du sagst und fange nicht direkt an zu interpretieren. Und dieses sofortige Interpretieren – was wir oft machen, denn wir denken schnell in Kategorien – das führt dann dazu, dass ich den anderen missverstehe. Da ist es wichtig, bewusst zu kommunizieren.

In Trainings sage ich dann oft: „Hör dir selber zu.“ Welche Wörter benutzt du? Welche Sprache benutzt du? Frage auch nach, wie das ankommt.

Wenn ich als Chef, als Teamleiter oder Teammitglied nicht zuhöre, kann ich eben auch nicht gut in die Kommunikation gehen.

Für ein gutes Arbeitsklima und um Streitigkeiten präventiv vorzubeugen, muss ich wissen, was los ist. Präventiv kann ich im Stressmanagement eingreifen, indem ich sicherstelle, dass Arbeitsabläufe funktionieren, dass keine Wartezeiten da sind und dass Ergebnisse beachtet werden. Und wenn Konflikte aufkommen, ist das nicht schlimm. Bei einem Konflikt ist plötzlich klar, was los ist und dann kann ich ihn bearbeiten. Nach einem Konflikt geht es einem meist auch wieder gut und man kann durchatmen, nachdem darüber geredet wurde.

Ein Konflikt selbst hemmt, doch die Lösung eines Konfliktes gibt wieder Energie.

Danach kann wieder Gas gegeben werden. Darum darf und sollte es auch mal krachen – das ist nicht schlimm. Viele haben genau davor Angst, doch ich sage: „Dann lass doch mal krachen“ und dann gucken wir, wie wir den Konflikt bearbeiten können.

Marketing in Westfalen: Bei dem Moderationen und Trainings Ihnen weiterhin viel Erfolg und vielen Dank für das Interview!

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Kristina Grube

hat Crossmedia & Communication Management (MA) an der Fachhochschule des Mittelstands in Bielefeld studiert sowie Medienkommunikation und Journalismus (BA). Seit Studienbeginn ist sie außerdem als freie Mitarbeiterin für eine lokale Tageszeitung tätig.