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Staffing – auch Vorgesetzte können zu Mobbingopfern werden

Von Martina Tekin, veröffentlicht am 20.6.2016

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Je höher die Position, desto sicherer ist man: Denn wer die Fäden in der Hand hält, der hat auch Macht. Und wer Macht hat, der braucht sich um Mobbing keine Sorgen zu machen – zumindest könnte man das glauben. Aber auch als Vorgesetzter kann man in Bedrängnis geraten. Diese Art des Mobbings nennt sich Staffing und so unwahrscheinlich es klingen mag, es ist doch kein Einzelfall.

Auch wenn weniger Staffing-Opfer bekannt sind, als zum Beispiel Mobbing- oder Bossing-Opfer, ist es nicht seltener oder gar ein zu ignorierendes Problem. Die Situation ist also verzwickt: Man steht in der Rangfolge höher und fühlt sich als Opfer. Wie befreit man sich daraus?

Staffing – eine andere Art des Mobbing

Im Gegenteil zum Mobbing, das zwischen den Kollegen stattfindet, geht das Staffing von den Mitarbeitern aus und geht gegen den Vorgesetzten. Es ist somit der exakte Gegensatz zum Bossing, bei welchem eine Führungsperson die unterstellten Mitarbeiter drangsaliert.

Urteilt man voreilig, dann könnte man schnell zu dem Schluss kommen, dass der Vorgesetzte ja immer die Zügel in der Hand – also die Machtposition inne hat – und sich somit immer wehren kann, aber der psychische Druck, der bei Staffing entsteht, ist immens und darf nicht leichtfertig hingenommen werden.

Es gibt verschiedene Arten von Staffing. So können unter anderem Gerüchte gesät und notwendige Informationen zurückgehalten werden. Wichtige Entscheidungen werden dann aufgrund der verfälschten Informationsgrundlage beeinflusst und vom Chef falsch getroffen, was ihn in ein schlechtes Licht rückt und seinen Ruf schädigt.

Gründe für Staffing

Für Staffing gibt es zahlreiche Gründe, wobei sie häufiger situations- als personenbedingt sind. Betroffen sind besonders neu eingesetzte Führungskräfte, sowohl aus den eigenen Reihen stammend, als auch komplett neu in die Arbeitsstelle eintretend. Einige der Gründe können zum Beispiel diese sein:

Neid oder Eifersucht

Besonders wenn der neue Chef aus der Kollegen-Riege stammt, ist die Eifersucht groß, weil andere Mitarbeiter sich übergangen fühlen und deswegen den neuen Vorgesetzten nicht akzeptieren.

Veränderungsprozesse

Zu viele und zu schnell aufkommende Veränderungen durch den Wechsel des Vorgesetzten können für Unmut sorgen. Wer nach dem Aufstieg alte Arbeitsprozesse zu schnell verändert, verursacht unter Umständen Stress, die Arbeitsbelastung wird zu groß und die Mitarbeiter fühlen sich überfordert.

Führungsstil

Es kann sich um nicht direkt ausgesprochene Kritik des Führungsstils handeln. Möglich wäre zum Beispiel, dass ein Mangel an Selbstvertrauen bei den Mitarbeitern als fehlende Führungskompetenz interpretiert wird. Oder dem Vorgesetzten das Durchsetzungsvermögen fehlt.

Mangel an Erfahrung

Für Kollegen höherer Semester kann es schwer sein, einen Vorgesetzten zu akzeptieren, der jünger ist oder weniger Berufserfahrung auf dem Gebiet hat. Langwierige Mitarbeiter fühlen sich dann schnell übergangen.

Richtiges Vorgehen bei Staffing

Zuallererst muss zwischen normalen Auseinandersetzungen und Staffing differenziert werden, denn es wird immer den einen Kollegen geben, der seine Meinung unverblümt mitteilt – dahinter muss aber noch lange keine böse Absicht stecken. Wenn sich solche Vorfälle allerdings häufen, sollte man es nicht als belanglos abstempeln, denn wer sich zu lange diesem Stress aussetzt, gefährdet seine Gesundheit.

Hier deshalb einige Tipps für Mobbingopfer, um richtig mit Staffing umzugehen:

Unterstützung heranziehen

Ziehen Sie eine Person Ihres Vertrauens zurate, am besten keinen direkten Kollegen. Erwägen Sie professionelle Hilfe, unter anderem auch vom Personalrat.

Aufzeichnungen sind hilfreich

Es ist immer sinnvoll, ein Tagebuch zu führen über die Situationen, in denen Sie sich bedrängt vorkommen. Heben Sie auch E-Mails auf. Zum einen kann es Ihnen helfen, die Situationen selbst nachzuvollziehen und realistisch einzuschätzen oder Sie im Falle des Falles als Beleg zu verwenden.

Das Gespräch mit den Beteiligten

Auf jeden Fall sollten Sie mit den Beteiligten sprechen, am besten mit jedem der Betroffenen unter vier Augen. So finden Sie heraus, worin die Ursachen für das Staffing liegen und wie man das Problem lösen kann. Ihre Position ist hierbei nur von Vorteil, denn Sie können auf Mitarbeiter ganz anders zugehen als von einer untergeordneten Position. Lernen Sie hier Ihre Machtposition tatsächlich zu nutzen und gehen Sie von zwei Seiten an Ihren Mitarbeiter heran:

a) Auf die einfühlsame Art – fragen Sie Ihren Mitarbeiter, was ihn bedrückt und wo er sich Veränderungen wünscht.

b) Üben Sie auch angemessenen Druck aus, indem Sie klar machen, dass ein solches Verhalten nicht akzeptiert wird! Seien Sie im Gespräch mit dem Mitarbeiter kompromissbereit, damit eine gemeinsame Lösung möglich ist. Lassen Sie sich aber dennoch nicht zu etwas überreden, was Ihnen selbst missfällt.

Selbstvertrauen aufbauen und Kompetenz im Führungsstil zeigen

Ganz wichtig ist auch, dass Sie Selbstvertrauen aufbauen. Wer sich selbst nicht als Führungsperson sieht, wird von seinen Mitarbeitern nicht akzeptiert. Gehen Sie in Kurse, die Sie in der Mitarbeiterführung unterstützen und eignen Sie sich das notwendige Wissen dafür an.

Falsches Verhalten bei Staffing

Auch wenn die Versuchung groß ist, Feuer mit Feuer zu bekämpfen, sollten Sie nicht mit dem negativen Verhalten des Bossing zurückschlagen. Ebenfalls sollten Sie Ihren Mitarbeitern nicht mit Kündigung drohen oder sich versetzen lassen, denn in diesem Falle sehen sich die Mitarbeiter in Ihren Annahmen bestätigt.

Seien Sie nicht kompromisslos, sondern arbeiten Sie auf ein offenes Miteinander hin.

Möglichkeiten beachten

Vergessen Sie bei allem Druck nicht, dass Ihr Schicksal nicht nur in dieser einen Arbeitsstelle liegt. Bevor Sie sich Staffing zu lange aussetzen, weil Sie glauben, keine andere Möglichkeit zu haben, sollten Sie auch in Betracht ziehen, dass es andere Arbeitsumfelder gibt, die Ihnen eine Arbeitsumgebung bieten, die besser zu Ihnen passt und Sie nicht seelisch unter Druck setzt.

Der Mensch verbringt mehr als die Hälfte des Tages in der Arbeit, da sollten Sie sich diese Zeit so angenehm wie möglich gestalten.

 

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Themen: Recruiting

Martina Tekin

Von Martina Tekin,

studierte Politik- und Medienwissenschaft sowie Vor- und Frühgeschichte. Danach war sie mehrere Jahre im Bereich PR/Öffentlichkeitsarbeit sowie später in einer Werbeagentur als Texterin tätig. Seit 2014 arbeitet sie als Redakteurin in einer Marketingagentur.

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