Social Media – Vernetzen mit dem Chef, aber richtig!

Von Birte Steinkamp, veröffentlicht am 22.02.2022
Mann hält Handy mit geöffneter Facebook-App

[Gastartikel]

Private Freundschaften zu pflegen ist aber längst nicht mehr alles, wozu wir die Plattformen nutzen: In sozialen Netzwerken werden Business-Communities aufgebaut, Brandkampagnen veröffentlicht, Kundenkontakte gepflegt und es wird Employer Branding betrieben. Logisch, dass sich hier nicht mehr nur Ute und Tom aus der 10a begegnen, sondern auch der Junior-Marketing-Manager in der Freundesliste des Chefs auftaucht. Damit die digitale Connection zwischen Ihnen und Ihrer Führungskraft gewinnbringend verläuft und kein Grund für eine Abmahnung wird, sollten Sie diese drei Tipps unbedingt berücksichtigen:

Tipp 1: Frühjahrsputz im Profil

Bevor Sie Ihr Profil dem beruflichen Netzwerk öffentlich machen, sollten Sie vorher einmal ordentlich durchwischen. „Das Internet vergisst nichts“, heißt es zwar, aber Sie können dafür sorgen, dass die Partybilder vom Ballermann 2010, die Sie in Ihrer jugendlichen Unbeschwertheit für die Clique hochgeladen haben, nicht Ihren professionellen Auftritt gefährden. Löschen Sie Fotos, die Sie in allzu privaten Kontexten zeigen und die dem Leitbild Ihres Unternehmens widersprechen. Dazu gehört auch ein seriöses Profilbild – ganz ohne Katzen, Alkohol oder nackte Haut. Checken Sie zudem Ihre Privatsphäre-Einstellungen, um unerwünschte Kommentare oder Verlinkungen zu vermeiden, für die Sie sich gegebenenfalls erklären müssten. Hier liegt allerdings der Teufel im Detail: Ein falscher Klick in Eile und der Post geht doch öffentlich in die Welt hinaus. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, der teilt ohnehin nur das, was jeder sehen darf.

Tipp 2: „Du, Herr Müller“ – oder gleich „Moin, Anton?“

„Man duzt sich nur, wenn man sich mag. Ich finde, das sollten Sie wissen!“

In Deutschland siezt man sich ab dem Eintritt ins Berufsleben – zumindest so lange nichts anderes eindeutig miteinander vereinbart ist. Sollten Sie Ihrem Chef also eine Kontaktanfrage schicken, dann starten Sie keinesfalls mit „Ich darf doch Du sagen, oder?“, nur weil das in Ihrem Unternehmen gang und gäbe ist. Im Geschäftsleben gilt: Der Ranghöhere bietet dem Rangniedrigeren das Du an. Im besten Fall findet das im persönlichen Treffen statt und nicht an der Tastatur. Je nach Traditionsbewusstsein des Unternehmens darf die Anrede jedoch entsprechend lockerer ausfallen: Während im just gegründeten Startup mit einem Durchschnittsalter von 25 Jahren sicher schnell das „Hallo Thomas“ gilt, sind Sie in seriöseren Unternehmen mit einem „Sehr geehrter Herr Müller“ für den Erstkontakt oder mit einem „Guten Tag Herr Müller“ besser beraten. Merken Sie sich: Entspannter wird die Konversation irgendwann von ganz alleine – eine übergriffige Begrüßung jedoch wieder gut zu machen, wird Sie eine Menge Energie und Zeit kosten.

Seien Sie sich bewusst, dass Ihr Profil nicht nur Ihre Person widerspiegelt und zeigt, „wer“ Sie sind, sondern auch, wofür Sie stehen! Ihre Kontakte und Besucher Ihres Profils machen sich ein Bild von Ihnen und bringen Sie unweigerlich mit Ihrem Arbeitgeber in Verbindung. 

Tipp 3: Klare Botschaften: „Ich bin, ich kann, ich will“

Langweilen Sie Ihren Chef nicht mit einer zweiten Bewerbung, indem Sie ihm über einen Social Media Messenger Ihre Kompetenzen aufzählen. Er hat sie eingestellt und das wird seinen Grund haben. Punkten Sie stattdessen mit kurzen, prägnanten Botschaften à la Elevator Pitch: Ich bin, ich kann, ich will. Die Antworten auf diese drei Fragen sollten Sie stets parat haben. Sie lassen sich wunderbar in der ersten Korrespondenz als Icebreaker und zum Aufbau eines Gespräches nutzen. Bleiben Sie dabei einerseits auf dem Teppich, stellen Sie sich selbst und Ihre Kompetenz aber auch nicht unter den Scheffel. Insgesamt sollte Ihr Wording zwar Ihre Persönlichkeit unterstreichen, gleichzeitig aber auch der Corporate Identity des Unternehmens entsprechen. Das bedeutet, dass sich Ihre Rhetorik im sozialen Business-Kontakt durchaus von Ihrem privaten Sprachgebrauch unter Freunden unterscheiden kann.

Zu guter Letzt: Zeigen Sie online Ihre Loyalität zum Unternehmen. Gibt es Beiträge, die Sie kommentieren können? Gibt es Marketingkampagnen, die Sie teilen können? Wenn Sie bereit sind, der digitalen Welt zu zeigen, für welches Unternehmen Sie arbeiten, punkten Sie gleich zweifach: Zum einen identifizieren Sie sich selbst mehr und mehr mit der Marke, für die Sie schlussendlich Botschafter sind. Zum anderen sind Sie Vorbild für Kollegen und Zielgruppen und stärken damit nicht zuletzt das Employer Branding.

Beachten Sie außerdem, auf welcher Social Media-Plattform Sie sich gerade befinden. Auf typischen Business-Plattformen wie XING oder LinkedIn betreibt man eine Art Marketing für sich als „Arbeitnehmer-Marke“. Hier können Sie berufliche Kontakte knüpfen, sich Netzwerken anschießen, branchenspezifischen Gruppen beitreten und sich entsprechend als Experte präsentieren. Auf anderen Plattformen wie Instagram, TikTok und Facebook betreibt man für gewöhnlich eher Unterhaltungsmarketing für sich selbst als Privatperson in Form von Bildern, Fotos und Kurzvideos und hält Kontakt auf privater Ebene mit seiner Community. Ob es für Ihre Karriere wirklich gewinnbringend ist, Ihrem Chef hier die Tür zu öffnen, entscheiden Sie am besten selbst.

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Birte Steinkamp

...ist IHK-zertifizierte Trainerin für Business-Etikette und Vorstandsmitglied der Deutschen-Knigge-Gesellschaft. Mithilfe ihrer mehr als 20-jährigen Marketing-Erfahrung verbindet sie Business-Etikette sinnvoll und nachhaltig mit den Themen Unternehmenskultur und Personal Brand.