Recruitingfilme – so holen Sie Bewerber vom Bildschirm ins Unternehmen

Von Julia Ures, veröffentlicht am 21.10.2019
Frau wird für Film interviewt

Herr Terpoorten, was bringen eigentlich Recruiting-Filme?

Filme haben eine hohe mediale Dichte und die kann besonders gut Emotion erzeugen. Und Emotion braucht man heute im Recruiting, damit potenzielle Bewerber „Bauchinteresse“ entwickeln und „dran bleiben“.

Was kann ein Recruiting-Film, was andere Marketingkanäle nicht können?

Nähe aufbauen! Ein Recruitingfilm kann wie kaum ein anderes Medium das Gefühl von Nähe erzeugen. Mehr geht eigentlich nur im persönlichen Erleben. Aber anders als in der Live-Kommunikation ist das Unternehmen im Moment des Zuschauens eben „anderswo“. Der Bewerber sitzt ja meist zu Hause oder sonstwo vor dem Bildschirm. Via Internet holt man diese Menschen quasi ins Unternehmen hinein und lässt sie hinter die Kulissen schauen.

Welchen Effekt hat der Film also auf potentielle Bewerber?

Der Effekt eines Recruitingfilms ist einfach zu beschreiben: Nicht jeder Zuschauer, sondern eben die richtigen Bewerber sollen spüren, dass das ein guter Platz für die eigene berufliche Zukunft sein könnte. Am Ende des Films soll der Zuschauer Lust auf weitere Infos haben - oder er ruft gleich an.

Heute sprechen alle von der Unternehmenskultur und veränderten Anforderungen durch potentielle Bewerber im Vergleich zu früher, z.B. persönliche Weiterentwicklung, Work-Life-Balance, Fortbildungsangebote, ein kollegiales Umfeld, etc. Kann ein Recruiting-Film das zeigen?

Absolut, das Stellenprofil ist nur der Aufhänger oder das „Gerüst“. Alles andere orientiert sich an den weichen Faktoren: Was schätzen die Mitarbeiter hier besonders? Was haben sie davon? Diese Besonderheiten machen den emotionalen Kern eines guten Recruitingfilms aus. Sie finden sich in der Stimmung, in den Themen und in der Auswahl der Bilder wieder. Darum wird für manchen Personalfilm im und eben auch außerhalb des Unternehmens gedreht. 

Wieso ist das Medium des Recruitingfilms super geeignet, um gerade die junge Zielgruppe, also den Nachwuchs zu erreichen?

Weil junge Leute einfach gerne Filme schauen! Video ist ein fester Bestandteil im Social Media-Nutzungsverhalten vor allem jüngerer Internetuser. Und darum baut ein Recruitingfilm auch keine Hürden auf. Er spricht die Zuschauer an, ist leicht zu konsumieren und sollte immer auch unterhaltsam sein.

Wie baut man einen guten Recruiting-Film auf, was enthält er?

Das wesentlichste Element ist die Authentizität. Egal, was man erzählt: Es muss glaubwürdig sein. Ansonsten folgt ein Recruitingfilm den klassischen Regeln des Erzählens: Anteasern > Thema einführen > Aspekte vertiefen > Abbinden. Wobei gerade bei der Thementiefe gilt: Weniger ist häufig mehr. Denn der Zuschauer soll am Schluss des Films Appetit bekommen haben und nicht „satt“ sein.

Wo, also auf welchen Kanälen kann ein Arbeitgeber seinen Recruiting-Film einsetzen?

Viele unserer Kunden nutzen die Filme auf ihren Karriereseiten. Aber dort sind sie meist nur eingebettet, in Wirklichkeit liegt der Film auf Youtube, wo er im Channel des Unternehmens zu finden ist und wo man ihn auch auf anderem Wegen finden kann. Ansonsten bieten natürlich die großen digitalen Stellenbörsen oder Netzwerken die Chance, neben der trockenen Stellenbeschreibung auch filmischen Content zu hinterlegen. Die Regel lautet: Ein Film sollte dort zu finden sein, wo die Zielgruppe digital unterwegs ist.

Wie gehen Unternehmen damit um, dass immer wieder unterschiedliche Stellen besetzt werden müssen - lassen sie mehrere kleine Filme produzieren oder einen "allgemeinen"?

Je größer die Not in speziellen Bereichen ist, desto feiner gestaltet sich die inhaltliche Differenzierung! Manche Unternehmen machen nur einen generellen Arbeitgeberfilm, der die besondere Kultur des Unternehmens im Fokus hat. Andere machen wegen der jüngeren Zielgruppe, die andere Mediengewohnheiten mitbringt und Interessen hat, einen eigenen Auszubildendenfilm. Und einige Kunden gehen so weit und machen für die „Schmerzpunkte“ in der Personalsuche eigene Job-Profile. Die gehen dann schon ziemlich differenziert auf die besonderen Vorteile und Besonderheiten eines ganz bestimmten Jobs ein.

Welche Halbwertszeit hat ein Recruiting-Film?

Ich antworte mal ganz konkret: Die ältesten Recruitingfilme von uns, die noch im Internet laufen, sind jetzt acht Jahre alt. Und weil die Filme ihr Thema sehr grundlegend ohne konkrete Zahlen oder so erzählen, funktionieren die immer noch sehr gut. Und sie fühlen sich auch noch gut an!

Vielen Dank für das Interview!


Foto: Pexels.com / CoWomen


 

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Julia Ures

ist zuständig für die Betreuung der Print- und Online-Kanäle von ams - Radio und MediaSolutions. Sie kümmert sich um die Pressearbeit für die Lokalradios in Ostwestfalen-Lippe und im Kreis Warendorf, ist ausgebildete Hörfunkredakteurin und Moderatorin.