„Pokémon Go“ – den Hype für das eigene Marketing nutzen

Von Barbara Kawa, veröffentlicht am 15.07.2016
Screenshot von Pokémon Go

Wieso spielen jetzt plötzlich alle „Pokémon Go“? Das fragen sich nicht nur Eltern. Das besondere an der neuen App aus dem Hause Nintendo und dem Entwickler Niantic Labs ist die Vermischung des Spiels mit der echten Umgebung. „Augmented Reality“ (AR) ist hier das Stichwort. Darunter versteht man eine „erweiterte Realität“, das heißt die normale Umgebung des Nutzers wird aufgenommen und gleichzeitig mit virtuellen Informationen angereichert.

Über die aktivierte Kamera des Smartphones sieht der Spieler in diesem Fall also beispielsweise ein Gebüsch - das auch „in Echt“ am Wegesrand steht - vor sich, in dem dann plötzlich virtuell ein Monster auftaucht, das es zu fangen gilt. Dadurch findet das neue Game überall statt – Pokémonfiguren können sogar in der eigenen Wohnung sein, PokéStops, also Sammelstationen, findet man an allen möglichen öffentlichen Plätzen.

Diese neue Form der Interaktion des Nutzers, gleichzeitig mit App und Umgebung, kommt an und zieht Massen in ihren Bann. Konnte man über den Vergleich „Pokémon Go hat mehr User als Dating-App Tinder“ noch schmunzeln, lässt diese Meldung aufhorchen: Eine Woche nach dem Start der App hat sie bereits mehr aktive Nutzer als Twitter. Auch bei der Verweildauer werden andere Netzwerke und Apps in den Schatten gestellt. Pokémon Go hängt sie alle ab, Nutzer verbringen mit dem Spiel sogar deutlich mehr Zeit als mit WhatsApp.

„Pokémon Go“ Marketing

Auch Marketer sind bereits entweder der App selbst verfallen oder nutzen sie, um auf Produkte und Marken aufmerksam zu machen. Über Twitter erfahren wir zurzeit, auf welchem Ladentresen gerade ein Monster gefangen wurde, in welchem Shop ein PokéStop ist oder auf wessen Gelände sich eine sogenannte Arena befindet, in der virtuell mit den Monstern gekämpft wird. „Pokémon Go“ wird überall integriert.

Und wer nicht zufällig das Glück hat, dass das Spiel direkt vor seinem Geschäft stattfindet, der kann mit ingame Lockmodule, die es im Pokémon Shop gibt, nachhelfen. Acht Lockmodule kosten 680 Pokémünzen – umgerechnet 4,99 Euro – und stellen für 30 Minuten einen Pokémon-Magnet  dar, der die jagenden Spieler in die Räumlichkeiten zieht. Sinnvoll ist diese Taktik hauptsächlich an von Fußgängern hoch frequentierten Orten.

Wird die App in Deutschland nur annähernd so erfolgreich wie in den USA, kann es sich bezahlt machen, über weitere Geschäftsverknüpfungen nachzudenken. Nutzer könnten beispielsweise Fotos ihrer gefangenen Pokémons posten und dafür belohnt werden. Es besteht auch die Möglichkeit, dass Nintendo in Zukunft auf die Nachfrage von Unternehmen reagiert und einen Weg findet, sie in die Welt der Taschenmonster zu integrieren – als käuflich erwerbbarer PokéStop oder Pokémon Arena.

Augmented Reality Marketing

Die App nutzt das Prinzip der Augmented Reality. Dieses ist nicht ganz neu und wird auch schon in der Werbung eingesetzt. Besonders in den USA ist es im Marketing erfolgreich. Neu ist aber die hohe Akzeptanz und das Interesse der Bevölkerung hier in Deutschland. Erst jetzt kennt die breite Masse überhaupt das Verfahren der erweiterten Realität. Durch „Pokémon Go“ wird der Einsatz und auch die spannenden Möglichkeiten von AR sozusagen salonfähig. User wissen jetzt wie sie funktioniert und wie viel Spaß sie macht.

Und an dieser Stelle sollten Unternehmen und Marken nun anknüpfen. Kampagnen mit Augmented Reality gibt es bereits: Mit dem Smartphone scannt der Kunde beispielsweise an einer Litfaßsäule einen QR-Code ein. Und plötzlich wird die Säule Schauplatz einer Geschichte. Mit Animationen oder Videos wird sie zum Leben erweckt und der Nutzer erhält Infos zum bewerbenden Produkt. Sogar eine direkte Bestellmöglichkeit kann integriert werden.

Hier wird es sicher bald viele Kampagnen geben, die die Bekanntheit, aber auch die Vorteile nutzen. Sinnvoll und erfolgsversprechend ist der Einsatz von AR besonders im Bereich der Point-of-Sale-Werbung. Kreative und Marketingentscheider können neue Wege gehen und neue Komponenten in eine Kampagne mit einbeziehen. Interaktion anstelle vom reinen Mitteilen der Botschaft sorgt für mehr Präsenz einer Marke. Das Verknüpfen von Werbeinhalten mit realen Objekten macht es für den Verbraucher spannender. Worauf Unternehmen bei der Gestaltung von Augmented Reality Kampagnen bauen müssen ist der überraschende Effekt. Denn der bleibt in Erinnerung und wird weitererzählt.

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Barbara Kawa

ist Online-Redakteurin und Social Media Managerin bei ams - Radio und MediaSolutions und beschäftigt sich mit allen Themen im und rund ums Web.