Personalexperte Prof. Dr. Knoblauch: Mitarbeiter finden und halten

Von Barbara Kawa, veröffentlicht am 23.03.2017
Prof. Dr. Jörg Knoblauch

Herr Prof. Dr. Knoblauch, Ihre These lautet: "Ein falsch eingestellter Mitarbeiter kostet Sie 50.000 Euro." Das ist eine ordentliche Summe - wie kommen Sie darauf?

Wir Personaler gehen davon aus, dass ein falsch eingestellter Mitarbeiter etwa 15 Monatsgehälter kostet. Jetzt fragen Sie, warum gerade 15? Naja, für das Rekrutierung fallen Kosten an z. B. für die Stellenanzeigen und Bewerbungsgespräche. Nehmen Sie das mal als ein Monatsgehalt. Jetzt kommt die Einarbeitung mit 3-4 Monaten. Woher kommen jetzt die restlichen zehn Monate? Nun, das sind die verpassten Gelegenheiten, z. B. nicht gewonnene Aufträge, das beschädigte Betriebsklima und demotivierte Mitarbeiter und Kollegen. Und das "nur", weil Sie sich möglicherweise nie um das richtige Einstellungsverfahren gekümmert haben.

Was können Unternehmen bei der Suche optimieren?


Nehmen Sie sich Zeit für die Mitarbeiterauswahl! Und vermeiden Sie so hohe Kosten einer Fehlbesetzung. Dank meines 9-stufigen Einstellungsprozesses, der von Firmen in ganz Deutschland angewendet wird, liegt die Trefferquote bei 80 % (weitere Infos zum 9-stufigen Einstellungsprozess).

Verändert sich die Suche nach Mitarbeitern, gibt es Trends?

In den Vereinigten Staaten sind sogenannte "One-Day-Recruitings" üblich. Das beobachte ich mit einer gewissen Skepsis. Einstellungen innerhalb eines Tages wird es in Deutschland kaum geben. Und trotzdem stimmt natürlich: Wer den Auswahlprozess unnötig in die Länge zieht, hat die Besten bereits wieder an die Konkurrenz verloren.

Haben Sie konkrete Tipps für Unternehmen, die Personal suchen?

  1. Fangen Sie an, den eigenen Leuchtturm zum Strahlen zu bringen. Die besten Leute wollen zu den besten Firmen.
  2. Halten Sie die Augen und Ohren offen. Ermuntern Sie Ihre Mitarbeiter, Vorschläge zu machen. "Gute Leute kennen gute Leute" oder anders ausgedrückt: Mitarbeiter werben Mitarbeiter.
  3. Ausländer werfen uns oft vor: Ihr Deutschen seid "Quick to hire, slow to fire". Wir dagegen sind "Slow to hire, quick to fire".

 Haben Sie auch konkrete Tipps an Bewerber?

  1. Bevor Sie die erste Bewerbung schreiben, lohnt es sich, einen Lebensplan zu entwickeln. Sie müssen wissen, wo Sie hinwollen. Wofür brennen Sie?
  2. Nutzen, Nutzen, Nutzen: Sie sollten sich ausführlich mit einem Unternehmen beschäftigt haben. Das Unternehmen sucht einen Kandidaten, der Probleme löst bzw. einen enormen Nutzen bietet.
  3. Legen Sie der Bewerbung die Auswertung eines Persönlichkeits-Profils bei (z.B. das persolog-Verhaltensprofil). Damit fallen Sie auf und zeigen, dass Sie sich gerne selbst reflektieren.

Sie sprechen in Bad Oeynhausen in der Region Ostwestfalen-Lippe. Waren Sie schon einmal hier? Was verbinden Sie mit der Region?

Dank einiger Kunden aus der Möbelbranche durfte ich des Öfteren in der Region sein. Außerdem verbindet mich eine gewisse Freundschaft zu Prof. Dr. Gunther Olesch, dem Personalvorstand von Phoenix Contact in Blomberg. Ein tolles Vorzeigebeispiel aus der Region!

Vielen Dank, Herr Prof. Dr. Knoblauch, für Ihre Zeit und das Gespräch!

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Barbara Kawa

ist Online-Redakteurin und Social Media Managerin bei ams - Radio und MediaSolutions und beschäftigt sich mit allen Themen im und rund ums Web.