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Per WhatsApp-Nachricht zum Job

Von Barbara Kawa, veröffentlicht am 21.2.2017

Per WhatsApp-Nachricht zum JobLangweile Vorträge, nachgespielte Vorstellungsgespräche und ein sich hinziehender Fragenkatalog an einem veralteten Computer. Erinnern Sie sich noch an Ihre Berufsinformationstage? Jetzt geht die Agentur für Arbeit ganz neue Wege und bietet Jugendlichen eine Berufsberatung per WhatsApp an.

Gespräch auf Augenhöhe

„Hey, ich bin’s, Julien Bam. Willkommen beim What’sMeBot!“ – so startet der Chat, den junge Leute
unter dasbringtmichweiter.de finden. Eine Hilfestellung auf Augenhöhe, wenn Sie sich über
ihre berufliche Zukunft Gedanken machen. Julien Bam – einer der angesagtesten YouTuber – ist
hierbei Zugpferd.

Ein Chatbot, also ein mit Texten programmierter Roboter, führt die Unterhaltung.
Die Fragen, die jetzt über den Messenger gestellt werden, sind nicht verstaubt und kompliziert,
sondern versuchen die Jugendlichen in ihrer Welt zu treffen. Es werden lustige Bilder und kurze
Videos verschickt und Fragen gestellt. „Was wäre deine Superkraft im Job?“ steht da beispielsweise. Und eine Antwortmöglichkeit ist: „Ich kann Chaos in Übersichtlichkeit verwandeln“. Andere Fragen haben auf den ersten Blick gar nichts mit dem Berufsleben zu tun, helfen aber trotzdem Einstellung und Interessen des Chattenden zu erkennen.

Alles soll genau so ablaufen wie einem normalen Chat bei WhatsApp sonst auch: Fotos, Videos,
Smalltalk, kurze Fragen, kurze Antworten. Am Ende wird der Jugendliche anhand seiner Antworten
einer Gruppe zugeordnet wie z.B. der „sozial-pflegerischen“ oder der „handwerklich-technischen“.
Passend dazu bekommt er weitere Informationen und Weblinks geliefert.

Fast alle deutschen Jugendlichen nutzen täglich WhatsApp

Auch wenn klar ist, dass es sich nicht um eine vollständige Berufsberatung handelt und nach dem
Chat noch kein Jugendlicher eine fertige Bewerbung in der Hand hält, so ist es doch ein gelungenes
neues Tool, was den Berufsanwärtern Impulse gibt und sie immerhin mit dem Thema in Kontakt
bringt.

Und das hat sich die Bundeagentur für Arbeit ganz gut ausgedacht: 89 Prozent der Jugendlichen
zwischen 12 und 19 Jahren in Deutschland nutzen WhatsApp mehrmals täglich (Ergebnis der JIM Studie 2016). Schlau also, diesen Kanal für die eigenen Zwecke zu nutzen.
Julien Bam, der dem Chat sozusagen ein Gesicht gibt, ist außerdem unter den Jugendlichen sehr
beliebt und bringt mit über 3 Millionen Abonnenten bei Youtube eine riesige Fanschar mit.

Die Agentur für Arbeit hat mit der Kampagne „Typisch Ich“ schon länger neue Wege eingeschlagen
und das verstaubte und langweilige Image von Berufsfindung aufpoliert. Jugendliche über die Wege
oder auf den Plattformen zu erreichen, die sie ohnehin ständig nutzen, ist sinnvoll und erfolgreich.
Unternehmen und Kommunikationsabteilungen müssen sich in diese Richtung bewegen. Die
Berufsberatung per WhatsApp zeigt einmal mehr, wohin die Reise geht.

Werkzeug Chat Bots

Zentraler Punkt ist hierbei auch der Einsatz von Chat Bots. Das sind Programme, die Interaktionen
und Reaktionen nachahmen, indem sie bestimmte Begriffe erkennen und eine Unterhaltung
simulieren. Die Roboter sparen natürlich in erster Linie im Vergleich zum menschlichen Mitarbeiter
viel Geld und auch Zeit. Reaktion und Informationsweitergabe funktioniert sehr schnell und effektiv.
Trotzdem bleibt der Chat Bot immer in seinem fest programmierten Gefüge und kann im Zweifelsfall
auf einen ungeplanten Verlauf des Gesprächs nicht reagieren.

Das Übernehmen von Kommunikationsvorgängen durch Chats Bots bringt aber auch Gefahren mit
sich. In unserer eigentlich privtae Kommunikation über Messengerdienste, mischt sich plötzlich ein
programmiertes Werkzeug, was ohne, dass wir es registrieren, Daten und Informationen über uns
ermittelt und abspeichert. Und auch auf inhaltlicher Ebene ist Vorsicht geboten: Ziemlich einfach
können ganz gezielt Falschmeldungen, Aufrufe und Werbung platziert werden, ohne, dass der User
er bemerkt.

Der Einsatz von Chat Bots bewegt sich also immer auf einem schmalen Grat. Die neue
Berufsberatung per WhatsApp bewerten wir aber dennoch positiv, da sie es schafft, über neue
Kommunikationswege eine wichtiges, aber manchmal langweiliges Thema interessant zu machen.

Foto: pexels.com

Lexikon der Social Media Sprache

Themen: Online

Barbara Kawa

Von Barbara Kawa,

ist Online-Redakteurin und Social Media Managerin in einem Bielefelder Medienunternehmen und beschäftigt sich mit allen Themen im und rund ums Web.

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