Passen wir zusammen? Cultural Fit im Recruiting

Von Semia Chouchane, veröffentlicht am 11.01.2017
Blick aus der Vogelperspektive auf einen Holztisch auf dem eine Mann zwei große hölzerne Puzzleteile nebeneinander hält.

Wenn erstklassig ausgebildete und fachlich kompetente Mitarbeiter ihre Arbeitgeber schon nach kurzer Zeit wieder verlassen. Oder wenn die neue Idealbesetzung trotz einwandfreier Qualifikation wieder gehen muss, stellt sich die Frage, ob der Blick auf die Qualifikationen allein ausreicht, um einen Match zwischen Mitarbeiter und Unternehmen zu finden?

Rund 80% von 424 Personalverantwortlichen unterschiedlicher, Branchen und Unternehmensgrößen aus Deutschland sehen dies anders: Laut einer aktuellen HR-Studie denkt das Gros der Personaler, dass der Professional-Fit – also die Passung mit den fachlichen Kriterien, kaum noch ausreichend zur Neubesetzung von Stellen ist. Stattdessen werde die Frage, wer bzw. welcher Typus Mitarbeiter kulturell und persönlich am besten zu einem Unternehmen passt, immer wichtiger.

Das heißt nicht, dass Unternehmen aus reiner Herzensgüte den Kuschelkurs fahren: Eine hohe Werte-Übereinstimmung bringt auch viele Vorteile für Unternehmen mit sich: Denn Arbeitnehmer, deren Werte sich mit denen des Arbeitgebers decken, sind zufriedener, leistungsbereiter und bleiben dem Unternehmen länger erhalten (vgl. Kristof-Brown, A.L., Zimmerman, R.D., & Johnson, E.C. 2005), was in der Konsequenz Rekrutierungskosten spart, Innovationen antreibt und auch Konflikte im Unternehmen mindert.

Cultural fit – richtig eingesetzt:

Doch wie erkennen Personaler, ob Bewerber den notwendigen Cultural Fit für das eigene Unternehmen mitbringen? In der oben genannten Studie finden sich einige Handlungsempfehlungen, die helfen, passende Kandidaten zu finden:

1. Eigene Kultur kennenlernen:

Der Blick nach innen auf die eigene Kultur ist der erste Schritt. Welche gelebten und gewünschten Werte und Verhaltensweisen zeichnen Ihr Unternehmen aus? Was davon trägt zur Erreichung der Unternehmensziele bei? Was wirkt hinderlich?

2. Cultural Fit aus der Arbeitgebermarke ableiten:


Die kulturelle Passung sollte nicht erst bei der Bewerberauswahl eine Rolle spielen, sondern bereits in der gesamten Bewerberkommunikation. Wen suchen Sie? Welche Werte wünschen Sie bei Kandidaten?

3. Interviews/Bewerbungsgespräche auf mit Cultural-Fit-Fragen spicken und Vergleichbarkeit herstellen:

Ermitteln Sie einige wenige für Ihre Unternehmenskultur prägende Situationen und entwickeln Sie daraus situative Interviewfragen, die Sie standardmäßig in allen Bewerberinterviews nutzen.

Wer kulturellen Wandel im Unternehmen fördern möchte, sollte eher Bewerber setzen, die  dafür aber gezielt Personen rekrutieren, die jene Werte teilen, die für Ihr Unternehmen in der Zukunft wichtiger werden.

Mehr Cultural Fit als Professional Fit?

Bei allen Fragen gilt es sich vorher Gedanken zu machen, was für Sie mehr wiegt – fachliche Kompetenz oder menschliche Passung? Klar ersetzt eine starke Übereinstimmung mit den kulturellen Werten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht die fachlichen Kriterien im Einstellungsverfahrens – was bringt es, wenn zwar die „Chemie“ zwischen Unternehmen und Bewerber stimmt, aber die Grundvoraussetzungen für die jeweilige Position nicht erfüllt werden?  

Ermitteln Sie die Fachkenntnisse anhand von beispielhaften Szenarien, wie sie im Job täglich vorkommen können und gleichen Sie diese mit den potenzielle Leistungen der Kandidaten ab. Aber: Wer kulturellen Wandel im Unternehmen fördern möchte, sollte eher gezielt Personen rekrutieren, die jene Werte teilen, die für Ihr Unternehmen in der Zukunft wichtiger werden.

Die richtige Mischung macht's an dieser Stelle.

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Semia Chouchane

ist Pressereferentin bei ams - Radio und MediaSolutions. Sie ist verantwortlich für die Print- und Online-Kanäle des Unternehmens und kümmert sich um die Pressearbeit für die Lokalradios in Ostwestfalen-Lippe und im Kreis Warendorf.