Mobbing in der Arbeit – so verhalten Sie sich richtig

Von Martina Tekin, veröffentlicht am 01.06.2016
Kollegen tuscheln hinter dem Rücken einer Kollegin

Der Feind an meinem Schreibtisch

Es gibt immer Kollegen, denen man näher steht, und andere, mit denen man nicht auf einer Wellenlänge ist. Doch wenn es zu ernsthaften Auseinandersetzungen kommt, die sich regelmäßig wiederholen und deren Auswirkungen den Arbeitsalltag stark beeinträchtigen, muss man auf der Hut sein.

Nicht selten ist dies der Anfang von Mobbing.

Geschätzt leiden ca. 1,5 Millionen Menschen an Mobbing am Arbeitsplatz – Tendenz steigend. Dabei kann Mobbing sowohl von Kollegen auf gleicher Hierarchieebene als auch von Vorgesetzen ausgeübt werden.

Nicht selten mobbt der Chef selbst, dann ist die Situation für den Angestellten sehr schwierig. Diese Sonderform des Mobbing nennt man Bossing.

Mobbing hat viele Gesichter

Mobbing ist sicher kein neues Phänomen. Drangsalierung am Arbeitsplatz gibt es schon so lange, wie es Menschen gibt, die zusammenarbeiten. Dass es erst seit einigen Jahren thematisiert wird, liegt an der gesellschaftlichen Anerkennung psychischer Belastungen.

Das öffentliche Bewusstsein für Mobbing musste also erst gebildet werden. Außerdem ist es in vielen Fällen schwer zu beweisen und nimmt vielfältige Formen an.

Die folgende Liste (unvollständig) soll einen kurzen Einblick vermitteln, wie sich Mobbing im Alltag gestalten kann:

Verbales Mobbing

Die Opfer werden aus unterschiedlichsten Gründen hinter ihrem Rücken diffamiert, ohne sich dagegen zur Wehr setzen zu können.

Physisches Mobbing

Die Opfer werden körperlich angegriffen.

Mentales Mobbing

Mobbing auf psychischer Ebene. Hier werden Schwachstellen der Psyche ausgenutzt, um tief in die Emotionen einzugreifen und zu verletzen.

Exklusion / Ignoranz im Alltag

Hierbei werden die Opfer sozial ausgegrenzt und es entsteht das Gefühlt, man sei unwichtig oder es spielt keine Rolle, ob man existiert oder nicht.

Cybermobbing

Es reicht von der Beleidigung im Internet über digitales Stalking bis hin zu sexueller Nötigung

Das richtige Verhalten bei Mobbing

Fühlt man sich von seinen Kollegen ausgegrenzt, bedrängt oder attackiert, sollte man nicht zu viel Zeit verstreichen lassen, bis man aktiv dagegen vorgeht.

Je früher man sich wehrt, desto höher ist die Chance, die Angelegenheit im Keim zu ersticken.

Es gibt zahlreiche Regeln, die vor Mobbing schützen, für eine erste Orientierungshilfe aber sind folgende Tipps hilfreich:

1. Mobbingtagebuch führen

Es hilft in vielerlei Hinsicht zu dokumentieren, wie Sie wo von wem und wann gemobbt wurden. Dabei notieren Sie, wer es mitbekommen hat und wer passiv beteiligt war. Diese schriftliche Fixierung mag schwer fallen, sie ist aber gerade auch in rechtlichen Fragen eine wichtige Stütze.

2. Sich mit Mobbing vertraut machen

Das klingt zunächst befremdlich, aber es ist unerlässlich, sich mit den Formen von Mobbing auseinanderzusetzen. Nur so können Sie unterscheiden, was wirklich Mobbing ist und wo Sie vielleicht zu viel hineininterpretieren.

3. Hilfe suchen

Warten Sie auf keinen Fall zu lange, bis Sie sich jemandem anvertrauen. Mobbing ist eine ernste Angelegenheit, die Sie nicht alleine meistern können. Greifen Sie dabei sowohl auf interne als auch auf externe Unterstützung zurück. Dies hilft Ihnen, den Fall objektiv aus verschiedenen Perspektiven einzuschätzen.

4. Schnell aktiv handeln

Setzen Sie sich verbal zur Wehr, wenn Sie sicher sind, Opfer von Mobbingattacken eines oder mehrerer Kollegen zu sein. Je früher Sie handeln und dem Mobber zeigen, dass Sie sich sein Verhalten nicht gefallen lassen, desto schneller lässt er von Ihnen ab.

Sprechen Sie ihn direkt an, fordern Sie Fairness ein, kontern Sie oder sagen Sie auch einfach mal Nein.

5. Stärken Sie sich selbst

Nur wenn Sie ein gesundes Selbstbewusstsein haben, können Sie sich gegen Mobber behaupten. Sorgen Sie gut für sich selbst, gönnen Sie sich Ruhe, schöne Hobbys und machen Sie Dinge, die Ihnen Spaß machen. Auch Seminare für eine überzeugende Körpersprache und Rhetorik können helfen, Sie zu stärken.

6. Das direkte Gespräch

Grundsätzlich raten Experten auch das Vier-Augen-Gespräch mit dem jeweiligen Kollegen zu suchen, selbst wenn es der Chef selbst ist.

Die direkte Konfrontation führt oftmals dazu, dass der Mobbende spürt, dass er über die Stränge geschlagen ist. Erst durch ein offenes Gespräch wird der Weg zurück zu einer harmonischen Atmosphäre bereitet.

7. Ein neutraler Vermittler

Entspannt sich die Situation nach dem offenen Gespräch nicht, sollte der Vorgesetze hinzugezogen werden. Er dient als neutraler Vermittler zwischen beiden Parteien – außer bei der Sonderform des Bossing natürlich. Eine wichtige Anlaufstelle ist dann der Betriebsrat in einem Unternehmen.

Folgen von Mobbing für das Opfer …

Mobbing am Arbeitsplatz beeinträchtigt das Leben der Betroffenen weit über die Arbeitszeit hinaus und führt nicht selten zu psychischen Krankheiten, Schlafmangel und Depressionen.

Ein intaktes privates Umfeld kann helfen und auch eine gewisse Zeit lang ablenken – vor langanhaltenden Mobbingattacken schützt es jedoch nicht.

… und für das Unternehmen

Was vielen Kollegen und Vorgesetzten nicht bewusst ist, ist die verringerte Leistungsfähigkeit von Menschen, die an ihrem Arbeitsplatz unter übermäßigem, ungesunden seelischem oder psychischem Druck stehen. Dies kann zu gravierenden Umsatzeinbußen führen, die allerdings schwer nachweisbar sind.

Es geht also nicht nur um das persönliche Wohl des Betroffenen, sondern auch um die Vermeidung wirtschaftlicher Schäden, die vermieden werden können, geht man effektiv gegen Mobbing vor.

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Martina Tekin

studierte Politik- und Medienwissenschaft sowie Vor- und Frühgeschichte. Danach war sie mehrere Jahre im Bereich PR/Öffentlichkeitsarbeit sowie später in einer Werbeagentur als Texterin tätig. Zudem arbeitete sie als Redakteurin in einer Marketingagentur.