Mit den Ideen der Masse arbeiten – wie funktioniert Crowdsourcing?

Von Natascha Wittmaack, veröffentlicht am 30.10.2019
Sicht auf Arbeitsplätze mit Laptops von oben

Crowdsourcing ist ein Mischwort aus den Begriffen „Crowd“ (Masse) und „Outsourcing“ (auslagern) und bedeutet so viel wie Unternehmensaufgaben oder -prozesse an eine Gruppe von Menschen im Internet abzugeben. Es ist also ähnlich wie das Outsourcing - mit dem Unterschied, dass Unternehmen Aufträge nicht an Drittunternehmen oder eine Gruppe von Experten vergeben, sondern sich an die Öffentlichkeit wenden. Das klingt jetzt vielleicht erstmal ziemlich abstrakt, es begegnet uns aber eigentlich jeden Tag.

Im Radio zum Beispiel: Den ganzen Tag werden wir regelmäßig über aktuelle Stau- und Blitzermeldungen informiert. Gesammelt werden die von den Verkehrsteilnehmern, die sich selbstständig beim Radio melden und ihre Informationen so mit anderen teilen. Die Aufgabe des Senders besteht lediglich noch darin, die Informationen zu filtern, aufzubereiten und durchzugeben. Die Crowd, in diesem Fall die Verkehrsteilnehmer, übernehmen also eine Teilaufgabe im Arbeitsprozess des Radiosenders und zwar freiwillig und völlig kostenlos.

Wendet man dieses Prinzip auf eine Gruppe von Menschen im Internet an, spricht man von Crowdsourcing. Ein weiteres Beispiel ist die Plattform Wikipedia.org: Eine riesige Enzyklopädie, die das Wissen von Millionen Menschen im Internet bündelt. Jeder Internetuser kann Teil der Community werden und eigene Beiträge erstellen oder die von anderen überarbeiten.

Die Intelligenz der Masse

Beim Crowdsourcing machen Sie sich also die Schwarmintelligenz der Masse zu Nutze. Durch das Wissen und die spezifischen Fähigkeiten der vielen unterschiedlichen Menschen können Projekte bewältigt, Ideen gesammelt oder komplexe Lösungsmöglichkeiten erarbeitet werden. Der große Vorteil liegt dabei in der Vielfalt. Viele Menschen können mehr und teilweise bessere Ideen generieren als nur einer oder einige wenige. Außerdem ist es kostengünstig, denn in der Regel arbeitet die Menschen freiwillig und völlig kostenlos oder zu einem sehr geringen Honorar.

Die Crowd kann dabei vielfältige Aufgaben übernehmen. Besonders gut können Sie sie in Bereiche einspannen, bei denen Kreativität, frische Ideen oder konstruktive Meinungen gefragt sind. Und die gibt es ja in jedem Unternehmen.

Hier sind einige Beispiele, wie die Crowd eingesetzt werden kann:

Die Crowd als Co-Creator

Die Crowd kann als Co-Creator in den Innovationsprozess mit eingebunden werden oder bei der Entwicklung bereits bestehender Produkte helfen. So werden Kunden Teil der Produktionskette und können ihre eigenen Ideen einbringen und mitentscheiden. Zum Beispiel in Bezug auf das Design oder die Handhabung.

Das bietet Vorteile für beide Seiten – das Unternehmen, aber auch die Kunden: Durch die Teilnahme am Produktionsprozess werden Produkte entwickelt, die sich Kunden wünschen und voraussichtlich auch gerne kaufen. Im Gegenzug laufen Unternehmen weniger die Gefahr am Kunden „vorbeizuproduzieren“ und bringen das auf den Markt, was auch wirklich nachgefragt wird. Das kann Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz schaffen und auch eine positive Wirkung auf das Image haben.

Laut einer Yougov-Umfrage würde jeder zweite Deutsche gerne einen Beitrag zur Entwicklung oder Verbesserung von Produkten leisten. Aber nicht nur das: 62 Prozent gaben auch an, dass ihre Wertschätzung für ein Unternehmen steigen würde, wenn sie in die Produktentwicklung mit einbezogen würden. Die Menschen möchten also ihre Ideen und Vorschläge gern mit Ihnen teilen.

Die Crowd als finanzielle Unterstützer

Aber die Masse kann nicht nur mit ihrem Wissen oder ihren Ideen weiterhelfen, sondern auch mit finanziellen Mitteln. Über Mikrokredite oder kleine Geldspenden kann die Crowd Projekte (Crowdfunding) oder Unternehmen (Crowdinvesting) unterstützen. Crowdfunding wird vor allem bei Start-Up-Gründern und in der Film- und Computerspielbranche eingesetzt. Durch kleine Spenden lassen Unternehmer hierbei ihre Projekte finanzieren und die Crowd kann diese später am Markt erwerben. Der größte Anreiz für die Spender ist dabei das Interesse an dem Produkt. Denn für ein Produkt, das niemanden interessiert und das niemand braucht, würde man wohl kaum genug Spenden zusammen bekommen, um es produzieren zu können. Um möglichst hohe Summen zu generieren, werden in der Regel für jede Spende kleine Geschenke als Dankeschön angeboten. Bei einem Film werden beispielsweise die Namen der Spender in den Credits verewigt oder sie bekommen eine DVD des fertigen Films nach Hause geschickt. Im Internet gibt es riesige Communitys (Startnext.de, Kickstarter.de), über die solche Crowdfunding-Projekte organisiert werden können.

Das Crowdinvesting funktioniert ähnlich wie das Crowdfunding, allerdings unterstützt die Crowd keine einzelnen Projekte, sondern finanziert ganze Unternehmen. Die Masse agiert in dem Fall als Investor. Sie stellt Kapital bereit und erhält dafür eine finanzielle Entlohnung. Wie hoch die ausfällt, hängt von der Ausgestaltung des Crowdinvestings ab.

Die Crowd als Microjobber

Sie können die Crowd auch als Unterstützung bei großen Projekten einspannen. Das Projekt wird dazu in kleine Teilaufgaben zerlegt und diese dann an die Internetuser abgegeben. Mikrotasks nennt man solche Aufgaben. Der große Vorteil: Projekte können schneller fertiggestellt werden, weil viele Menschen gleichzeitig daran arbeiten. Clickworker werden diese Mikrojobber auch genannt. Häufig werden Clickworker bzw. Microjobber auf Honorarbasis vergütet. Es gibt aber auch Projekte, an denen sich Clickworker freiwillig und ohne Vergütung beteiligen – einfach nur aus eigenem Interesse. Wie bei Wikipedia zum Beispiel. Jeder Artikel auf der Plattform wurde von der Crowd freiwillig und ohne Gegenleistung verfasst.

Die Crowd als Tester

Beim sogenannten Crowdtesting wird die Crowd für Softwaretest eingesetzt. Das hat sich vor allem in der IT-Branche etabliert, da die Unternehmen dort ständigen technischen Veränderungen und Weiterentwicklungen unterworfen sind. Crowdtester werden zum Beispiel bei der Entwicklung von neuen Smartphone-Apps, Websites oder Spielen eingesetzt. Sie testen die Software und helfen dabei sie von Bugs, also Fehlern zu befreien und die Usability zu optimieren. Die Unternehmen profitieren dabei von der Vielfalt der Tester, denn jeder greift aus einer anderen Umgebung und von unterschiedlichen Endgeräten auf die Software zu.

Social Media macht Crowdsourcing einfach und effizient

Also, ob es darum geht, kreativen Input zu sammeln, neue Produkte zu entwickeln oder Projekte in kurzer Zeit zu realisieren: das Potential der Crowd ist groß!

Aber, dass Crowdsourcing in den letzten Jahren so populär geworden ist, liegt vor allem am Web 2.0 und Social Media. Auf Social Networks sind jeden Tag Millionen Menschen aktiv und rund um die Uhr erreichbar, das macht die online-Zusammenarbeit extrem einfach. Unternehmen können sich dort schnell mit ihren Kunden bzw. der Crowd vernetzen und austauschen. Wenn Sie also eine Crowdsourcing-Kampagne starten möchten, reicht es theoretisch schon einen Facebook-, Instagram-, oder Twitteraccount zu haben. Und den hat ja ohnehin so gut wie jedes Unternehmen.

Wenn Sie das nächste Projekt in Angriff nehmen, überlegen Sie doch einfach mal, ob Sie die Crowd mit einbeziehen können!

Machen Sie sich einen Plan und legen Sie los

Um damit aber erfolgreich zu sein, sollten sie diese sorgfältig und strategisch planen. Denn, wie eine Crowdsourcing-Kampagne verläuft, ist vorher nicht genau absehbar. Mit einem unprofessionellen Management, kann ihre Kampagne schnell aus dem Ruder laufen und das kann sich negativ auf das Unternehmensimage auswirken. Sie sollten sich deshalb vorab ganz genau klar machen, welches Ziel Sie mit der Kampagne verfolgen, über welche Kanäle Sie die User erreichen möchten und wen Sie einspannen wollen. Soll das Projekt offen für alle Internetuser sein oder möchten Sie nur mit einer bestimmten Gruppe von Menschen arbeiten? Geben Sie der Crowd verständliche und nicht zu komplexe Aufgaben und formulieren Sie die genau, um Missverständnissen vorzubeugen.

Außerdem sollten Sie genug Personal einplanen, denn eine Crowdsourcing-Kampagne ist kein Selbstläufer. Rechnen Sie damit viel Feedback von der Community zu bekommen, auf das Sie in angemessener Zeit reagieren sollten. Dazu müssen die gesammelten Daten auch verarbeitet werden. Was bringen Ihnen schließlich Tausend neue Designideen, wenn Sie keine Zeit haben diese auszuwerten?

Planen Sie genau und stellen Sie sich auf alle denkbaren Fälle ein, dann kann ihre Corudsourcing-Kampagne auch ein Erfolg werden!


Foto: Unsplash.com / Marvin Meyer

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Natascha Wittmaack

ist studierte Medienproduzentin und ausgebildete Hörfunkredakteurin. Seit 2016 arbeitet sie für Radiosender in NRW als Redakteurin, Online-Redakteurin und Moderatorin.