Körpersprache richtig einsetzen

Von Sylvia Homann, veröffentlicht am 26.01.2021
Mann hebt Hand

Stille Zahnärztin oder laute Rampensau?

Bei mir passte wahrlich nicht alles und wir haben sehr gelacht bei dieser Übung. Statt als introvertierte Zahnärztin habe ich zu diesem Zeitpunkt vor allem als Moderatorin bei Veranstaltungen und im Radio gearbeitet – also eher laut. Ich habe zwei Kinder und fahre ein kleines Auto. Aber die Zwischentöne, die stimmten schon ganz gut. Ja, ich habe selbständig gearbeitet – und ja, ich bin – wenn ich nicht auf der Bühne stehe – gerne erst einmal in der Beobachterrolle, wenn ich unter fremden Menschen bin. Und ja: Wenn ich dann was sage, dann klar und deutlich. Zwei Dinge habe ich aus dieser Übung sehr anschaulich gelernt. Erstens: Wir bilden uns unser Urteil über andere Menschen rasend schnell, noch bevor diese etwas gesagt haben. Zweitens: Der Körper verrät immer die Wahrheit.

„Warum Körpersprache wichtig ist? Weil wir einen Körper haben.“ Samy Molcho

Und der Körper quasselt ununterbrochen. Ob wir wollen oder nicht. Wissenschaftler gehen davon aus, dass der „erste Eindruck“ zu 95 Prozent über Mimik, Gestik, das äußere Erscheinungsbild und die Stimme (Stimmfarbe, Betonung und Sprechtempo) gebildet wird. Nur zu fünf Prozent sind es dann noch mögliche Inhalte, die das Gegenüber von sich gibt. Um Ziele zu erreichen, ist es also extrem wichtig, sich zwei Dingen sehr bewusst zu sein: der eigenen Wirkung auf andere Menschen und vor allem der eigenen Haltung.

Kleider machen Leute

Die eigene Wirkung auf andere Menschen können wir durch unser äußeres Erscheinungsbild nur bedingt beeinflussen – aber immerhin ein bisschen. Es ist keinesfalls egal, was wir zu welchen Gelegenheiten anziehen. Nicht ohne Grund fühlen wir uns under- oder overdressed, wenn wir glauben, nicht dem Dressscode der jeweiligen Menschengruppe zu entsprechen. Bevor Sie eine Besprechung oder ein Meeting haben – oder zum Elternabend gehen – überlegen Sie also besser genau, welche Klamotten angebracht sind und welche Botschaft Sie damit senden. Wollen Sie gepflegt, betont lässig, sexy, wohlhabend, entspannt oder korrekt rüberkommen – und welches Lieblingsteil aus Ihrem Kleiderschrank steht am ehesten für welche Eigenschaft? Wollen Sie innovativ und energetisch wirken, greifen Sie zu rosa oder pink. Geht es um Gespräche, in denen Sie Überzeugungsarbeit leisten müssen, ziehen Sie was Blaues an. Das wirkt vertrauensbildend. Nicht zu vernachlässigen sind Frisur und Make-Up: Die Entscheidung darüber sollte eine bewusste sein. Wenn Sie also keinesfalls auf dem Elternabend gewählt werden wollen: Gehen Sie möglichst schlampig gekleidet hin und verströmen Sie einen unangenehmen Geruch.

Power – Posen zum Einüben

Wollen Sie dagegen Selbstsicherheit und Kompetenz ausstrahlen, dann sind ordentliche Klamotten und ein gepflegtes Erscheinungsbild sicherlich hilfreicher – und ein paar Tricks, die Sie sich zu einem gewissen Grad antrainieren können, oft werden diese als „Power Posen“ bezeichnet. Dazu gehört zum Beispiel eine aufrechte Körperhaltung: Kopf hoch, Brust raus, Rücken gerade – so wie es Mutti schon immer gesagt hat. Atmen Sie gleichmäßig und tief ein und vor allen Dingen wieder aus. Ein langsames Ausatmen beruhigt den Puls und sorgt für eine angenehme Stimmlage. Jagen Sie nicht vor lauter Nervosität durch ihren Redeanteil, sondern machen Sie Pausen. Das wirkt souverän und gibt ihren Zuhörern die Gelegenheit, ihren Gedanken zu folgen. Suchen Sie immer wieder Blickkontakt, aber starren Sie nicht unverwandt einen einzigen Gesprächspartner an. Lassen Sie den Blick stattdessen immer wieder schweifen, das wirkt zum einen lässig, zum anderen mit allen im Raum anwesenden Menschen verbindend. Lächeln Sie viel. Gerade in Zeiten von Corona ist man ja sehr dankbar, ein freundliches Gesicht ohne Maske zu sehen. Müssen Sie wegen der Hygienevorschriften eine Maske tragen, dann lächeln Sie trotzdem! In ihrer Stimme hört man das Lächeln – nicht umsonst grinsen auch Radiomoderatorinnen bei der Arbeit ständig vor sich hin, auch wenn sie ganz alleine im Studio sind. Zu guter Letzt: Lassen Sie Hände und Füße mitsprechen, das ist ganz natürlich. Die Gestik unterstreicht das Gesagte und hat auch wiederum Effekte auf ihre Stimme.

Auch Videokonferenzen sind Konferenzen

All diese Regeln gelten auch im Homeoffice und in Videokonferenzen. Klar ist es MÖGLICH, gemütlich im Jogger auf dem Sofa zu liegen und mit dem Laptop auf dem Bauch im Meeting zu sein. Aber welchen Eindruck macht das auf die Kolleginnen? In nicht wenigen Betrieben gibt es zunehmend Verstimmungen zwischen denen, die im Büro arbeiten und denen, die im Homeoffice sind. Gerne werfen die im Büro den „Homies“ vor, dass die doch eh nur zu Hause rumgammeln und nicht arbeiten. Bilder von Kollegen in Jogginganzügen auf dem Sofa können solche Debatten lostreten oder befeuern. Abgesehen davon beeinflusst unsere Haltung immer auch unser Denken. Heißt: Wenn wir in Gammel-Pose am Meeting teilnehmen, haben wir weniger Präsenz, als wenn wir aufrecht sitzend und mit beiden Füßen auf dem Boden „geerdet“ dabei sind.

Power – Posen für online

Nutzen Sie vor Beginn eines Videomeetings die Vorschaufunktion, um zu überprüfen, wie Sie bei den anderen rüberkommen werden. Achten Sie beispielsweise darauf, dass die Kamera möglichst auf Augenhöhe ist – die allerwenigsten Menschen sehen gut aus, wenn Sie von schräg unten gefilmt werden. Ziehen Sie sich so an, wie Sie auch im Büro angezogen sein würden. Wenn Sie einen Vortrag halten müssen, stellen Sie sich hin – so wie Sie es in einer Präsenzveranstaltung auch machen würden. Wenn Sie stehen, sind Sie automatisch lockerer und freier in ihrem Vortrag. Unterstreichen Sie das Gesagte mit Gesten, ganz so, wie Sie es in Gesprächen mit Freunden oder der Familie auch machen. Auch wenn die anderen Videoteilnehmer das eventuell nicht sehen können, werden Gesten einen Einfluss auf Ihre Stimme und die Lebendigkeit ihres Vortrags haben.

Der Blick fesselt

Ganz wichtig, aber zugegebenermaßen nicht ganz einfach: Schauen Sie in die Kamera! Dadurch haben die anderen Teilnehmer der Videokonferenz den Eindruck, dass Sie sie direkt anschauen. Richten Sie Ihren Blick dagegen auf Ihr eigenes Bild oder das der anderen Teilnehmer, schauen Sie immer an den anderen Menschen vorbei, Sie verschenken dadurch viel Ihrer Präsenz. In die winzige Kamera eines Laptops zu schauen, erfordert allerdings auch Übung und Disziplin. Schließlich ist es völlig ungewohnt in eine kleine Linse zu sprechen, statt in ein Gesicht zu schauen. Üben Sie das mit Freunden oder Familienmitgliedern, es wird jedes Mal leichter. Um mitzubekommen, wie Ihr Vortrag bei den anderen Meeting-Teilnehmern ankommt, bauen Sie immer wieder kleine Pausen ein, in denen Sie sich rückversichern: „Gibt es bis hierhin Fragen?“ In diesen Momenten können Sie den Blick über die Bilder der anderen schweifen lassen oder nachsehen, ob jemand „die Hand gehoben“ oder im Chat gepostet hat.

Nichts geht über die innere Haltung

So wichtig das äußere Erscheinungsbild, Kameraeinstellung und Blick auch sind, das Wichtigste ist: Seien Sie sich voll und ganz dessen bewusst, was Sie erreichen und/oder vermitteln wollen. Wenn Sie unsicher sind, werden Sie das auch nur schwer durch die oben genannten Tricks überspielen können – denn: Der Körper sagt immer die Wahrheit. Bereiten Sie sich also gut vor und machen Sie sich vor jedem Meeting kurz noch mal bewusst: Worum geht es? Was ist meine Position zum Thema? Was möchte ich erreichen? Wenn Ihr Geist weiß, was er will, können Sie sich darauf verlassen, dass Ihr Körper automatisch die richtige Sprache spricht.

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Sylvia Homann

war fast zwei Jahrzehnte Radio-Moderatorin bei Radio Hochstift in Paderborn und ist seit einigen Jahren zertifizierte Qualitätsmanagerin nach der Norm ISO 9001:2015. Sie berät u. a. Dienstleistungsunternehmen und Bildungseinrichtungen in Sachen Kommunikation, Qualitätsmanagement und Arbeitsorganisation. Darüber hinaus bietet sie auch Workhops und Inhouse-Schulungen an – zum Beispiel zu den Themen Kundenorientierung, gute Führung, Leitbild und Kommunikation. Im Frühjahr 2019 hat sie gemeinsam mit drei anderen Autoren ein Buch über Qualitätsmanagement für Medien geschrieben: „Qualität managen. Das ISO-Handbuch für Kreative in Medien.“ In ihrem Podcast "QM-Quickie" geht's um kleine und einfache Methoden für eine bessere Arbeitsorganisation. Sie ist zudem Teamleiterin Moderation bei HR1 in Frankfurt am Main.