Karriere-Knigge: Krank im Büro

Von Martina Tekin, veröffentlicht am 02.05.2016
Mitarbeiter am Schreibtisch umgeben von Pillen und Taschentüchern

Im Hinblick auf das angemessene Verhalten nach dem Karriere-Knigge, aber auch mit Blick auf das persönliche Wohl.

Gehen oder bleiben?

Es nimmt Ihnen niemand ab: Sie selbst entscheiden, wie fit Sie sich fühlen. Ist nur ein leichtes Kratzen im Hals zu spüren, kann man auch schon mal mit einer kleinen Erkältung zur Arbeit gehen.

Schlägt das Fieberthermometer Alarm und Sie glühen, ist der Gang zum Arzt doch besser. Karriere-Knigge hin oder her, es ist niemandem geholfen, wenn Sie sich mit 40°C Fieber an den Schreibtisch schleppen.

Denn am Ende ist krank im Büro zu erscheinen nicht nur eigene Ermessenssache, sondern auch die Übernahme von Verantwortung den Kollegen gegenüber. Oder wollen Sie neben der Kollegin sitzen, die mit einem fetten Magen-Darm-Virus im Büro erschienen ist?

Die Grenzen sind fließend und es lässt sich pauschal nicht sagen, ob man krank im Büro mit Erkältung gut aufgehoben ist. Es kommt auf das Ausmaß der Erkrankung an.

Lieber das Bett hüten sollten Sie bei deutlichem Fieber und ansteckenden Krankheiten. Und wenn Sie mit einer vermeintlich kleinen Grippe einfach nicht leistungsfähig sind, wird Ihnen höchstwahrscheinlich ebenfalls kein Orden verliehen, wenn Sie krank im Job erscheinen. Denn dann bleibt die Arbeit liegen und im schlimmsten Fall meldet sich zwei Tage später die halbe Abteilung ebenfalls krank.

Richtig krankmelden

In meinem Fall war die Entscheidung schnell getroffen, denn mein Kopf glühte ohnehin nur vor Fieber und nicht mehr vor Ideen. Also meldete ich mich krank. Wie das laut Karriere-Knigge richtig geht, verrate ich Ihnen gerne.

Laut Gesetz haben sich Arbeitnehmer unverzüglich krankzumelden, sobald sie von ihrer Erkrankung wissen. Zumindest ein Anruf sollte also drin sein. Im besten Fall beim direkten Vorgesetzten, der Ihr Fehlen dann an alle relevanten Stellen weiterleitet.

Zieht sich die Erkrankung in die Länge, müssen Sie nach spätestens drei Tagen eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen. Der gelbe Schein befreit Sie davon, krank im Büro sitzen zu müssen und verordnet dem geplagten Körper hochoffiziell Schonzeit.

Die Drei-Tage-Regel ist fast überall gebräuchlich, manche Arbeitgeber wählen dennoch andere Regelungen. Welche Vorgaben im Krankheitsfall konkret gelten, können Sie Ihren persönlichen Arbeitsvertragsrichtlinien entnehmen.

Manch ein Chef möchte gleich am ersten Tag einen Wisch vom Arzt, manch einem genügt es nach drei Tagen. Übrigens haben Sie auch für aktuell zehn Kalendertage im Jahr das Recht, zu Hause zu bleiben, wenn das eigene Kind erkrankt ist und Betreuung benötigt.

Auch hier gilt: Gleich telefonisch melden und rechtzeitig den Nachweis vom Arzt erbringen.

Krank im Büro: Verhaltensregeln

Ist der Termin enorm wichtig und die Erkrankung auszuhalten, können Sie auch ausnahmsweise krank im Büro erscheinen. Dann sollten Sie aber einige Dinge beachten. Ihnen und auch den Kollegen zuliebe:

Im eigenen Interesse: Trinken Sie viel und übernehmen Sie sich nicht. Wenn Sie merken, dass die eigene Arbeitsleistung einfach nicht ausreicht, bleiben Sie wirklich nur für den einen wichtigen Termin. Und wenn Sie sich zu schlapp fühlen, können Sie nach einem kurzen Gespräch mit dem Chef auch früher nach Hause gehen und sich dort auskurieren.

Fällt die wichtige Erholungszeit für den Körper flach, riskieren Sie auf Dauer viel. Aus manch einer kleinen Erkältung hat sich aufgrund mangelnder Schonung eine chronische Krankheit entwickelt. Das wollen weder Sie noch Ihr Arbeitgeber.

Im Interesse der Kollegen: Denken Sie auch ein bisschen an die Anderen, wenn Sie krank im Büro erscheinen und halten Sie das Ansteckungsrisiko möglichst gering.

Waschen Sie sich öfter die Hände und niesen Sie nicht auf den Schreibtisch des Büropartners, sondern in die eigene Ellenbeuge. Damit am Ende nicht die Arbeit der ganzen Abteilung liegen bleibt, weil sich die Kollegen bei Ihnen angesteckt haben.

Keine Angst vor der Krankmeldung

Am Ende gibt es zwar viele Gründe, die einen dazu verleiten, sich krank ins Büro zu schleppen. Die Angst vor einem Imageverlust, Panik, die versäumte Arbeit nicht nacharbeiten zu können oder Solidarität mit den Kollegen.

Ein gesundes Pflichtbewusstsein ist gut und schön und sicherlich werden Sie dafür von Kollegen und Vorgesetzten geschätzt. Aber wer richtig krank ist, gehört nicht ins Büro, sondern ins Bett. Da beißt die Maus keinen Faden ab und das Einhalten des Karriere-Knigges nimmt keinen nachhaltigen Schaden.

Schließlich kann nur ein vollständig auskurierter Mitarbeiter auf Dauer Leistung erbringen und fällt nicht nach ein paar Tagen zum wiederholten Male aus.

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Martina Tekin

studierte Politik- und Medienwissenschaft sowie Vor- und Frühgeschichte. Danach war sie mehrere Jahre im Bereich PR/Öffentlichkeitsarbeit sowie später in einer Werbeagentur als Texterin tätig. Zudem arbeitete sie als Redakteurin in einer Marketingagentur.