Karriere-Knigge: Geschäftsessen im Ausland

Von Martina Tekin, veröffentlicht am 30.05.2016
Zwei Personen stoßen mit Weingläsern an

Wenn Sie unseren Karriere-Knigge zum Geschäftsessen im Ausland kennen, sind Sie nicht nur sensibilisiert für mögliche Stolpersteine, sondern bekommen vielleicht sogar richtig Lust auf das nächste multikulturelle Meeting. Es ist nämlich nicht nur anstrengend auf neuem Boden, sondern auch spannend, welche Gepflogenheiten in anderen Ländern vorherrschen. Riskieren Sie doch einmal einen Blick.

Frankreich: Erst loben, dann handeln

Ein gutes Essen genießt bei den Franzosen einen enorm hohen Stellenwert. Womöglich rührt daher auch das Gerücht, dass vor den edelsten Restaurants oft die unscheinbarsten Autos stehen, weil das Prinzip Statussymbol in Frankreich ein gänzlich anderes ist als bei uns in Deutschland.

Essen ist Lebensqualität und Mittelpunkt der Familie. Und auch bei Geschäftsangelegenheiten ein gern gewähltes Ambiente. Genaue Statistiken liegen uns zwar keine vor, doch der Erfahrung nach zu urteilen, wird das Gros der Geschäftsabschlüsse in Frankreich bei einem gemeinsamen Essen abgewickelt.

Führt Sie Ihr Geschäftsessen im Ausland also zu unseren europäischen Nachbarn, steigern Sie mit einem kleinen Karriere-Knigge durchaus die Chancen auf einen positiven Geschäftsabschluss.

Am besten starten Sie in Ihr Geschäftsessen in Frankreich, wenn Sie sich ein wenig dem nationalen Stolz auf die Landesküche annähern. Loben Sie die Wahl des Restaurants – am besten natürlich in der Landessprache, da deren Beherrschen ebenfalls einen sehr hohen Stellenwert bei der Bevölkerung genießt – und plaudern Sie ausführlich über die Speisen.

Fallen Sie bitte nicht mit deutschem Pragmatismus mit der Tür ins Haus und kommen Sie gleich zum Geschäftlichen. Es gilt als unhöflich, schon bei der Vorspeise über Bilanzen zu sprechen.

Ein Geschäftsessen im Ausland bedeutet bei den Franzosen zunächst ein Kennenlernen, das Schaffen einer vertrauensvollen Basis und möglichst lukullischen Einvernehmens. Nach dem Essen dürfen dann die Fakten auf den Tisch, aber keinen Deut früher.

Außerdem schickt es sich, während des Essens ein Baguette auseinanderzubrechen, statt zu schneiden. Und natürlich darf ein Glas Wein sein, der vorher sehr sorgfältig ausgewählt werden sollte.

Zu viel Alkohol gilt aber auch beim französischen Geschäftsessen als unangemessen.

Skandinavien: Höflichkeit geht vor

Führen Sie Ihr Geschäftsessen im Ausland nach Norden, gilt ein etwas anderer Karriere-Knigge. Denn nicht nur das Klima ist im Norden kühler. Auch generell gilt beim Geschäftsessen in Schweden, Norwegen und Co. ein zunächst distanzierter Umgangston. Aber ein sehr höflicher.

Bitte nehmen Sie vor allem in Schweden Abstand von der akademischen Viertelstunde, denn sonst ist Ihnen ein Bad im größten Fettnapf der Stadt gewiss.

Pünktlich zum Geschäftsessen zu erscheinen sollte ohnehin immer zum guten Ton gehören – in Schweden führt daran aber wirklich nicht einmal ein schmales Seitengässchen vorbei.

Gerne finden Geschäftsessen hier auch zur Mittagszeit statt, oftmals auch in landestypischen Selbstbedienungsrestaurants. Auch das Essen zu loben und am Ende des Essens, gerne auch mehrfach, für selbiges zu danken, kommt in Nordeuropa immer gut an.

Auch hier gilt: Finger weg vom Alkohol. Ein Bier darf schon sein, über die Stränge schlagen geht aber auch im eher lockeren Skandinavien nicht.

Amerika: Besonderheiten beim amerikanischen Business Lunch

Höchstwahrscheinlich erscheinen Sie nicht mit der Hand am Colt zum Geschäftsessen im Ausland. Der Karriere-Knigge für ein Essen mit einem US-amerikanischen Partner verlangt trotzdem ein vielleicht auf den ersten Blick kurios anmutendes Detail.

In den USA wird nämlich nur eine Hand zum Essen benutzt – die zweite liegt ruhig im Schoß. Ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten, in denen eine Hand immer zugbereit am Colt verweilen musste, weil der Feind hinter der nächsten Ecke lauern konnte.

Höchstwahrscheinlich heute nicht mehr nötig, da die allermeisten Geschäftsessen doch recht friedlich verlaufen. Aber eben immer noch Teil des Karriere-Knigges in den USA.

Das Essen schneiden die Amerikaner in diesem Fall übrigens vor, um es anschließend bequem mit der Gabel aufnehmen zu können.

Weiter südlich darf die zweite Hand dann glücklicherweise mitmischen – sie wird sogar unbedingt benötigt. Gerade beim Geschäftsessen im Ausland in Mexiko sind Messer und Gabel eher Statisten.

Viele Gerichte werden hier mit den Händen gegessen. Wer seine Tacos mit der Gabel schneidet, erntet nicht nur verwirrte Blicke, sondern zeigt auch seine Unkenntnis in Sachen Karriere-Knigge. Und eine solche Unkenntnis kann zu sehr unangenehmen Situationen führen.

Wer beispielsweise in Brasilien nichts mit dem farbigen Bierdeckel anzufangen weiß, der zum Essen gereicht wird, kommt so schnell nicht mehr zum geschäftlichen Teil des Abends. Denn mithilfe dieses Bierdeckels signalisieren Sie dem Kellner, ob Sie Nachschub möchten oder doch bereits satt sind.

Liegt die grüne Seite oben, wird der Ober munter immer wieder neues Fleisch servieren. Rettung bringt nur die rote Seite des Bierdeckels, die kenntlich macht, dass Sie eine Pause einlegen möchten.

Also besser rechtzeitig die Reissleine ziehen, bevor Sie als unhöflich gelten, weil Sie das gute Fleisch auf dem Teller nicht mehr zu sich nehmen. Eine von vielen Situationen, in denen ein Karriere-Knigge durchaus nützlich sein kann.

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Martina Tekin

studierte Politik- und Medienwissenschaft sowie Vor- und Frühgeschichte. Danach war sie mehrere Jahre im Bereich PR/Öffentlichkeitsarbeit sowie später in einer Werbeagentur als Texterin tätig. Zudem arbeitete sie als Redakteurin in einer Marketingagentur.