Jugendliche sind mobil unterwegs - die JIM-Studie 2017

Von Julia Ures, veröffentlicht am 09.01.2018
Jugendliche macht Selfie von sich mit dem Smartphone

Elternhäuser sind top ausgestattet

Die Ausstattung zuhause wird immer umfangreicher: Denn die vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest herausgegebene JIM-Studie zeigt, dass fast alle Familien in Deutschland mittlerweile mit Smartphones, Computern, Internetzugang und Fernsehern ausgestattet sind. Gut die Hälfte der Haushalte hat außerdem Netflix oder Amazon prime gebucht.

Den Nerv von Jugendlichen treffen vor allem Angebote, die sie mobil auf ihrem Smartphone abrufen können. Denn die Studie zeigt: Jugendliche besitzen - und nutzen - vor allem ihr Smartphone: 97 Prozent haben ein eigenes. Vor allem damit gehen sie täglich im Schnitt dreieinhalb Stunden online. Nur 11 Prozent der befragten Jungen und Mädchen sind nicht jeden Tag im Internet unterwegs.

Kommunikation, Unterhaltung, Information

Nun wissen wir: Ausgestattet sind Elternhäuser und Jugendliche also umfangreich. Es stellt sich die Frage: Wofür nutzen die 12- bis 19-Jährigen Medien? Hier zeigt die Studie: Vor allem zur Kommunikation, zur Unterhaltung und um ihr Informationsbedürfnis zu stillen.

Die 12- bis 19-Jährigen suchen in den Medien vor allem schnelle Informationen zu Themen, die sie gerade selbst betreffen (62%), etwas mehr als die Hälfte will in den Medien Neuigkeiten aus dem Weltgeschehen lesen. Um informiert zu sein, besuchen die Jugendlichen vor allem Suchmaschinen wie Google, suchen Videos auf YouTube und schlagen auf Wikipedia nach. Tagesaktuelle Themen entnehmen sie häufig sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter, ein Fünftel nutzt Nachrichtenportale von Zeitschriften. Zwischen ideell gefärbten und neutralen, journalistischen Inhalten zu unterscheiden, ist für die Jugendlichen nicht immer einfach.

Digitale Medien spielen auch bei der Erledigung der Hausaufgaben und in der Schule eine immer größere Rolle, die halbe Zeit für Schulaufgaben arbeiten die Jugendlichen der JIM-Studie zufolge am Computer oder im Internet. Im Netz besuchen sie insgesamt weniger klassische Websites als vielmehr mobile Plattformen, Apps und Kommunikationstools.

Für Unternehmen lässt das nur eine Schlussfolgerung zu: Wenn Sie Ihren Webauftritt noch nicht mobil optimiert haben und die junge Zielgruppe ansprechen möchten, sollten Sie die Optimierung schnellstmöglich nachholen, um für Jugendliche attraktive Angebote zu schaffen.

Digitale Kommunikation Mittel der Wahl

Mit 94 Prozent Verbreitung in der befragten Altersklasse ist WhatsApp als Kommunikationsweg absoluter Spitzenreiter. Danach folgen Instagram und Snapchat, wobei die Snapchat-User die aktivsten sind. Die digitale Kommunikation per App und Messenger ist also in der Lebenswelt fast aller Jugendlichen angekommen und bestimmend, worauf sich auch Marketing und Vertrieb in Zukunft mehr und mehr einstellen sollten. Mittel- oder langfristig sollten für den Kontakt mit jungen Kunden auch Messenger und andere Angebote integriert werden, die mobil eine schnelle und direkte Kommunikation ermöglichen.

Weiter viele Kontaktpunkte mit dem Medium Radio

Weiter beliebt bleibt bei Jugendlichen das Radio: Dreiviertel von ihnen hören mehrmals in der Woche Radioprogramm. Vor allem geht es ihnen dabei um die Musik. Nach Ergebnissen der Studie schalten rund 75 Prozent der Jugendlichen mindestens mehrmals pro Woche das Radio ein. Der Bericht zeigt: Mädchen hören etwas häufiger Radio als Jungs. Jeder zweite Jugendliche hört täglich Radio, nur einer von 10 nie. Somit hat diese Altersgruppe auch 2017 immer noch viele Kontaktpunkte mit dem Medium Radio.

Streamingdienste und YouTube lösen „klassisches Fernsehen“ immer mehr ab

Mehr als die Hälfte der 12- bis 19-Jährigen hat einen eigenen Fernseher im Zimmer und verbringt knapp zwei Stunden am Tag davor. Abgelöst wird er immer stärker von YouTube, wo fast 90 Prozent der Jugendlichen mindestens mehrmals pro Woche vorbeischauen, auch das überwiegend vom Smartphone aus. Vor allem Musik-Videos schauen sie sich hier an, aber auch Comedy von YouTubern oder lustige Clips. Streamingdienste wie Netflix und andere nutzt rund jeder vierte Jugendliche mehrmals die Woche.

Zum Zeitvertreib dienen Vielen weiter digitale Spiele: Drei von fünf Jugendlichen spielen regelmäßig, erwartungsgemäß auch dies mittlerweile meist auf dem Smartphone. Die Beliebtheit von Büchern blieb 2016 konstant, jedes zweite Mädchen und jeder dritte Junge liest regelmäßig ein Buch. E-Books sind bei Jugendlichen kaum verbreitet. 

Was bedeuten die Ergebnisse also konkret für das zeitgemäße Marketing?

Die JIM-Studie zeigt einmal mehr, dass die jüngere Zielgruppe ihre Interessen immer weiter ins Netz verlagert hat - vor allem in das mobile Internet, das sie überwiegend auf ihrem Smartphone besucht.
Für Marketing und Vertrieb wird somit klar: Wer die junge Zielgruppe erreichen will, kann sich heute nicht mehr nur auf klassische Medien verlassen, sondern sollte einen Mix einsetzen. Dabei müssen Werbemittel entsprechend angepasst werden, denn nicht alles funktioniert auf jeder Plattform. Webseiten und Shops müssen heute mobil optimiert sein und über eine Kommunikationsmöglichkeit per Messenger für die Zukunft sollten Unternehmen heute mindestens nachdenken.

Über die JIM-Studie

Der medienpädagogische Forschungsverbund Südwest, der die JIM-Studie (Jugend, Information, (Multi)Media) seit 1998 herausgibt, ist eine Kooperation der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) und der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK). Die Durchführung der Studie erfolgt zusammen mit dem Südwestrundfunk (SWR).

Die komplette Studie finden Sie hier:  www.mpfs.de/studien/jim-studie/2017


Foto: pexels.com

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Julia Ures

ist zuständig für die Betreuung der Print- und Online-Kanäle von ams - Radio und MediaSolutions. Sie kümmert sich um die Pressearbeit für die Lokalradios in Ostwestfalen-Lippe und im Kreis Warendorf, ist ausgebildete Hörfunkredakteurin und Moderatorin.