Homeoffice und Homeschooling - so klappt´s

Von Sylvia Homann, veröffentlicht am 23.03.2020
Tisch mit Arbeitsmaterialien und Bügeleisen

Kinder brauchen einen Plan

Das Wichtigste ist, dass Sie sich und Ihren Kindern klar machen: Das hier sind keine Ferien, sondern jeder von uns hat einen Job. Deswegen sollten Sie auch nicht einfach so in den Tag hineinleben, sondern den Tag gemeinsam mit Ihren Kindern durchstrukturieren und einen Plan machen. Legen Sie als erstes fest, wann Ihre Kinder aufstehen. Das Schöne ist: Es muss ja nicht so brutal früh sein wie in normalen Schulzeiten, Sie können endlich mal auf den natürlichen Schlafrhythmus Ihres Nachwuchses eingehen und eine sinnvolle Zeit festlegen. Besprechen Sie dann, wie lang die tägliche Arbeitszeit sein soll – meinetwegen drei Stunden täglich und zwar immer von 10 bis 13 Uhr. Vielleicht aber auch lieber nachmittags von 14 bis 17 Uhr – je nachdem, wie ihre Kinder so ticken und in welcher Tagesphase sie am besten arbeiten können. Machen Sie Ihren Kindern klar, dass in dieser Zeit dann wirklich effektiv gearbeitet wird. Aber: Betonen Sie unbedingt auch die Vorteile: NUR drei Stunden Unterricht am Tag! Das ist doch deutlich weniger Zeitaufwand, als wenn die Kinder zur Schule gehen müssten.

Pausen als Motivationskick

Planen Sie in diese Arbeitszeit auch direkt Pausen mit ein. Kein Gehirn kann sich wirklich drei Stunden am Stück konzentrieren. Ihres nicht und die Gehirne Ihrer Kinder erst recht nicht. Die Aufmerksamkeitsspannen bei Kindern sind sogar extrem gering: 5-7-Jährige können sich gerade mal 15 Minuten am Stück auf eine Aufgabe voll konzentrieren, bei 7-10-Jährigen sind es 20 Minuten, bei 10-12-Jährigen 25 Minuten und bei 12-16-Jährigen auch nur 30 Minuten. Wenn der Nachwuchs nach diesen Zeitspannen also unruhig wird und rumzappelt, ist das kein böser Wille, sondern Neurologie. Wenn man sich das bewusst macht, entspannt das schon mal ungemein. Wenn Sie Pausen einlegen, dann nutzen Sie diese Pausen, um etwas Motivierendes daraus zu machen. Servieren Sie den Kids einen leckeren Pausensnack, lassen Sie mal ein Eis zwischendurch springen oder geben Sie die Erlaubnis für einen Schokoriegel. Und vergessen Sie nicht, sich selbst auch was Gutes zu gönnen.

Kindgerechte Arbeitsplätze

Richten Sie einen Platz ein, an den Bücher, Arbeitshefte und lose Ausdrucke immer wieder zurückgebracht werden. Ansonsten aber lassen Sie den Kindern die Freiheit, dort zu lernen, wo sie wollen. Das kann am Schreibtisch sein, aber genauso gut auf dem Sofa oder bäuchlings liegend auf dem Teppich oder auf der gemütlichen Fußbodenheizung. Bei diesem genialen Wetter würde sich auch ein Strandkorb anbieten oder eine geschützte Ecke auf dem Balkon oder der Terrasse. Gerade kleinere Kinder können schlecht stundenlang still am Tisch sitzen, ihnen wird es entgegenkommen, wenn Sie hier lockerer sind als die Schule. Achten Sie aber auch darauf, dass nicht zu viele Ablenkungen im direkten Arbeitsumfeld Ihres Kindes herumliegen. Handys sollten nur dabei sein, wenn sie für die Erledigung der Aufgaben zwingend notwendig sind. Hörspiele oder Musik beim Lernen sind erwiesenermaßen kontraproduktiv. Spielzeug auf dem Schreibtisch macht auch keinen Sinn. Oder für was würde sich Ihr Gehirn im Zweifelsfall entscheiden, wenn es die Wahl hätte zwischen Quader-Flächenberechnung und einer kleinen Partie Poker?

Vertrauen ist gut, Kontrolle auch

Die Arbeitspläne der Schulen sollten in der Theorie ja so gemacht sein, dass die Kinder selbstständig lernen können. Lassen Sie Ihre Kinder auch selbstständig arbeiten, solange sie keine Fragen haben. Trotzdem macht es – je nach Alter - Sinn, am Ende jedes Homeschooling-Tages einmal auf die Ergebnisse zu schauen. Kontrolle klingt doof, nennen wir es lieber Reflektion. Lassen Sie sich von Ihrem Nachwuchs zeigen, was er geschafft hat und dann fragen Sie nach: Bist Du zufrieden mit dem, was Du geschafft hast? Was ist gut gelaufen, was ist nicht so gut gelaufen? Was können wir vielleicht morgen besser machen? Wenn Sie nicht einverstanden sind mit dem Arbeitspensum, dann melden Sie auch das zurück und sprechen mit den Kindern ganz genau ab, was  am nächsten Tag erledigt werden soll.  Am selben Tag noch „Nachsitzen“ halte ich für kontraproduktiv. Sie wollen ja schließlich selber auch noch arbeiten und das geht so schlecht, wenn die Kinder brüllen und toben….

Sie brauchen einen Plan

Wenn der Plan für Ihre Kinder steht, dann machen Sie drumherum Ihren eigenen Plan. Verabschieden Sie sich von dem Traum, dass Sie und Ihre Kinder gleichzeitig drei Stunden lang am Tisch sitzen und gemeinsam friedlich und hochkonzentriert arbeiten. Das wird nicht funktionieren. Zwei oder drei Nachfragen zur Konjugation französischer Verben und der Berechnung von Rauminhalten – und Sie können mit Ihrer Arbeit immer wieder von vorne beginnen. Erledigen Sie in dieser Zeit nur Aufgaben, die Ihnen leicht von der Gehirnrinde gehen, für die Sie nicht viele Kapazitäten brauchen. Einfache E-Mails schreiben etwa oder die Ablage machen oder so etwas. Oder aber Sie arbeiten in dieser Zeit gar nicht für den Job und erledigen stattdessen das, was im Haushalt zu tun ist: Mittagessen kochen, das Badezimmer putzen oder Einkaufslisten schreiben. Es entstresst ungemein, wenn Sie sich für die Homeschooling-Zeit Ihrer Kinder selber realistische Ziele setzen.

Timeboxing

Für wirklich anspruchsvolle Aufgaben suchen Sie sich ruhige Tageszeiten aus. Vielleicht stehen Sie früher auf als die Kinder und können schon mal von 6.30 Uhr bis 8.30 Uhr zwei Stunden ganz in Ruhe und sehr effizient arbeiten. Oder aber Sie planen sich abends, wenn die Kinder im Bett sind, ein paar ruhige Stunden ein. Überlegen Sie genau, welche Aufgaben Sie zu welcher Tageszeit erledigen wollen – und können. Machen Sie daraus einen Plan und halten Sie sich daran, so gut es eben geht. Diese Methode nennt man Timeboxing. Hinter der Idee von Timeboxing steht das „Parkinsonsche Gesetz“, nachdem Arbeit sich in genau dem Maße ausbreitet, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht. Gibt man ihr weniger Zeit, kriegt man die Arbeit auch dementsprechend schneller geschafft.

Babysitter Netflix

Nutzen Sie die Faszination von Medien als Babysitter. Ich bin wirklich der letzte Mensch, der findet, dass Kinder wahllos vor dem Fernseher geparkt werden sollten. Aber: Ungewöhnliche Umstände erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Und nichts, wirklich nichts, lässt die Kinder so schön ruhig werden wie ein guter Film oder ein spannendes Hörspiel. Das beschäftigt die Kids für einen klar umrissenen Zeitraum, den Sie wiederum für komplizierte Aufgaben oder Video- und Telefonkonferenzen nutzen können. Haben Sie dabei kein schlechtes Gewissen: Nach neuesten Studien macht vernünftiger Medienkonsum nicht dumm – ganz im Gegenteil. Zwei Stunden täglich machen sogar schlauer. Die Inhalte können Sie ja zusammen mit dem Nachwuchs bestimmen, am Ende lernen Sie nebenbei sogar noch etwas. Oder haben einfach Spaß – was den ganzen restlichen Tag und Sie entspannt.

Der Junge muss an die frische Luft

Planen Sie in Ihren und den Tag Ihrer Kinder außerdem Bewegung an der frischen Luft ein. Das fördert die Konzentrationsfähigkeit, hebt die Stimmung und beugt sowohl dem Hüttenkoller, als auch einer depressiven Stimmung vor. Gerade jetzt, wo das Wetter da draußen so herrlich ist, sollten Sie und Ihre Kinder mindestens täglich eine Stunde lang raus und Sauerstoff tanken. Am besten machen Sie das nach dem Mittagessen, dann ist der Tag gut in zwei überschaubare Hälften unterteilt. Sie können sich nach einer bewegten Pause wieder gut auf Ihre Arbeit einlassen, die Kinder haben sich ausgetobt und sind in der Lage, friedlich zu spielen oder zu lesen oder einfach nur zu chillen und mit den Freunden zu chatten.

Organisation ist alles

Nehmen Sie also all diese Elemente und basteln Sie daraus einen Tagesplan: Wann arbeiten Sie? Was wollen Sie in der Zeit schaffen? Wann arbeiten die Kinder? Wann gehen Sie zusammen raus? Wann ist Medienzeit? Wann machen Sie Pausen? Wann wird gegessen? Wer übernimmt welche Aufgaben im Haushalt?  Malen Sie den Plan auf oder drucken Sie ihn aus und hängen ihn so auf, dass ihre Kinder diesen Plan auch sehen und verstehen können. Kinder kennen Stundenpläne und kleinere Dienste für die Gemeinschaft ja auch aus der Schule. Planen Sie am besten mindestens einen Tag im Voraus und bedenken Sie dann gleich mit, was es zu essen geben soll und wer das kocht oder besorgt. Dann müssen Sie nicht mitten in Ihrer Arbeitsphase auch noch darüber nachdenken. Ist der Plan ausgedruckt und aufgehangen, halten Sie diesen Plan so strikt wie möglich ein. Nicht immer wird alles so funktionieren – wenn Sie aber einen Plan haben, behalten Sie den Überblick, was geklappt hat und was nicht und können so eventuell Liegengebliebenes nachholen.

Vielleicht sammeln Sie die Pläne und heften einen Teil davon als Erinnerung ab. Dann können Sie Ihren Enkeln später noch viel anschaulicher erzählen, wie das damals war: Homeschooling und Homeoffice im Wahnsinn der Corona-Krise 2020. Bleiben Sie gesund.

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Sylvia Homann

ist Radio-Moderatorin bei Radio Hochstift in Paderborn und seit einigen Jahren zertifizierte Qualitätsmanagerin nach der Norm ISO 9001:2015. Sie berät unter anderem Dienstleistungsunternehmen und Bildungseinrichtungen in Sachen Qualitätsmanagement und Arbeitsorganisation. Darüber hinaus bietet sie auch Workshops und Inhouse-Schulungen an – zum Beispiel zu den Themen Kundenorientierung, gute Führung und Leitbild. Im Frühjahr 2019 hat sie gemeinsam mit drei anderen Autoren ein Buch über Qualitätsmanagement für Medien geschrieben: „Qualität managen. Das ISO-Handbuch für Kreative in Medien.“ In ihrem Podcast "QM-Quickie" geht's um kleine und einfache Methoden für eine bessere Arbeitsorganisation.