Gute Ideen entwickeln: Techniken für mehr Kreativität

Von Semia Chouchane, veröffentlicht am 28.10.2015
Junge Leute sitzen an einem großen Tisch und diskutieren

Der erste Schritt: Die Kreativitätskiller erkennen und vermeiden

Das wichtigste zuerst: Jeder Mensch ist kreativ. "Als Kinder wissen wir das und vertrauen darauf. Als Erwachsene vergessen wir es und setzen stattdessen häufiger auf Erfahrungen und erprobte Handlungen", sagt Ernst Hirnforscher Ernst Pöppel[1].

Das, was von unserer Kreativität noch übrig geblieben sei, würde im Beruf und im Bildungs-System oftmals durch Hektik, Termindruck oder Routine gehemmt.

Hier ein paar Tipps, wie Sie diesen Kreativitätskiller vermeiden können:

  • Gegen Zeitknappheit und Stress hilft eigentlich nur eins: Von vornherein genügend Zeit und Pausen einplanen!

Natürlich hat jeder schon mal den Satz gehört "unter Stress habe ich die besten Ideen" - das kann auch hin und wieder vorkommen, aber kontinuierlich übermüdete und gestresste Mitarbeiter sind irgendwann ausgebrannt und antriebslos. Darunter leidet die Kreativität.

Auch Routinen hemmen freies, kreatives Denken. Brechen Sie mit dem Alltagstrott und versuchen Sie zum Beispiel mal:

  • einen Ortswechsel und arbeiten Sie zur Abwechslung im Freien,
  • holen Sie sich fachfremdes Feedback aus anderen Abteilungen oder ihrem privaten Umfeld,
  • schreiben Sie unkonventionelle Ideen nicht gleich ab. Was Ihnen zunächst ungewohnt vorkommt, kann vielleicht bald schon zur Routine gehören, wenn die Idee gut war.

Brainstorming der Klassiker unter den Kreativitätsmethoden!?

Einfach hinsetzen, nachdenken und die Ideen sprudeln lassen: So einfach funktioniert Brainstorming. Oder doch nicht?

Die Realität sieht oftmals anders aus - betretenes Schweigen macht sich breit. Das gewünschte Ideenfeuer bleibt aus.

Brainstorming ist eine der bekanntesten Kreativitätstechniken. Der Erfolg dieser 1948 von Alex Osborn (Agenturchef der heutigen Werbeagentur BBDO) entwickelten Methode ist wohl auf ihre leichte Umsetzbarkeit zurückzuführen. Einen Moderator, ein Schlagwort, ein Team - mehr braucht es dafür nicht.

"Die Sache hat einen Haken", sagt der Sozialpsychologe Wolfgang Stroebe in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung: "Seit 50 Jahren belegt die psychologische Forschung, dass Brainstorming nicht besonders gut funktioniert".

Im Rahmen seiner Studien an der Universität Utrecht fand er heraus, dass Gruppen im Brainstorming weniger und auch weniger gute Ideen produzieren als Menschen, die sich auf andere Art oder gar alleine Gedanken machen.

Brainwriting statt Brainstorming

Die Gründe: Hierarchien und die Furcht vor Kritik verhindern, dass jeder sagt, was ihm gerade einfällt - und das ist ja eigentlich der Sinn des Brainstormens.

Hinzu kommt, dass immer nur einer zur selben Zeit reden kann. In der Zwischenzeit sind alle anderen Teammitglieder damit beschäftigt, sich Ihre Ideen für später zu merken, statt frei zu denken und zuzuhören.

Etwas abgewandelt funktioniert die Methode aber durchaus: Genau an dieser Stelle setzt das Brainwriting an. Sie erhält das wichtige positive Element des Brainstormings - die Anregung durch andere Ideen - und läuft dann leicht verändert ab:

  • Das Thema wird vor dem Gruppen-Meeting bekannt gegeben, so dass jeder Gruppenteilnehmer Zeit hat, sich alleine Gedanken zu machen.
  • Trifft sich dann die Gruppe, werden die Ideen nicht laut ausgesprochen, sondern von jedem Teilnehmer auf ein Stück Papier bzw. Karten geschrieben.
  • Anschließend werden alle Ideen-Karten zusammengeführt und in der Gruppe diskutiert.

Von Walt Disney lernen

Auch die Gruppendiskussion lässt sich mit einer Methode kreativ gestalten. Hier kann eine Art Rollenspiel nach der so genannten Walt Disney-Methode sinnvoll sein, um der Kreativität auf die Sprünge zu helfen.

Die Methode geht auf den Vater des Zeichentrickfilms, Walter Elias Disney zurück und verfolgt das Ziel, sich einem Problem oder einer Fragestellung aus drei Perspektiven zu nähern.

Für die Durchführung versetzt sich eine Einzelperson oder auch eine Gruppe gemeinsam nacheinander in eine von drei Rollen:

  1. Der Träumer/Spinner fokussiert sich auf die positiven Aspekte, visioniert neue Möglichkeiten und stellt gute Eigenschaften heraus.
  2. Der Macher definiert, was benötigt wird, um das Vorhaben umzusetzen und sucht gezielt nach Lösungen.
  3. Der Skeptiker/Kritiker ist das komplette Gegenteil des Träumers und konzentriert sich auf mögliche Fehlerquellen, Gefahren oder Risiken.

Durch den Rollenspiel-Charakter treten die Teilnehmer aus ihrem üblichen Gedankenraster heraus und erkennen neue Möglichkeiten.

Dabei startet der Träumer und entwirft ohne zu werten Visionen und Ideen. Die daraus entstehenden Ideen werden anschließend in der Rolle des Machers so transformiert, dass sie zu umsetzbaren Aktivitäten oder Konzepten werden. Anschließend werden sie in der Rolle des Kritikers nochmals geprüft.

Der Kreislauf kann beliebig oft wiederholt werden.

Wenn sich das Team mal festgefahren hat:

Sollte Ihrem Team dann doch noch der Ideenreichtum ausgehen, kann diese Methode helfen: Die "Worst Idea"-Methode. Hier hält der Moderator die Teilnehmer dazu an, sich die schlechteste Idee zu überlegen, mit der sie aufwarten können.

Je grauenhafter die Idee, umso besser

Durch die kurzzeitige Konzentration auf möglichst schlechte Ideen, sinkt der Druck und eine entspanntere Atmosphäre mit mehr Beteiligung und gestiegenem Spaß-Faktor kann entstehen. Zudem können "schlechte" Ideen häufig eine komplett neue und unkonventionelle Sicht auf ein Problem ermöglichen und so schließlich zu außerordentlich gelungenen Lösungsansätzen führen.

Probieren Sie es mal aus:

  • Suchen sie die wohl am wenigsten geeigneten Ideen und notieren diese auf einer Flipchart
  • Nachdem eine ausreichende Anzahl an "schlechten" Ideen gesammelt wurde (normalerweise 15-20), wählen Sie eine besonders interessante/schreckliche Idee aus
  • und überlegen Sie nun, was es braucht, um diese in eine gute Idee zu verwandeln.
    • Ansatz A: "Hat diese Idee eventuell bereits Ansätze die sie in eine gute Idee verwandeln könnte?"
    • Ansatz B: "Können wir eine gute Idee erschaffen, indem wir versuchen das exakte Gegenteil dieser Idee zu realisieren?"

 

Kreativität lässt sich nicht erzwingen, aber durchaus fördern

Vielleicht konnten Ihnen diese Tipps und Techniken helfen. Oder aber haben Sie für sich anderen Methoden zur Steigerung Ihrer Kreativität entwickelt?

Ich freue mich auf Ihren Kommentar!


[1] Vgl. Pöppel, Ernst; Wagner, Beatrice (2012): Von Natur aus kreativ. Hanser: München.

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Semia Chouchane

ist Pressereferentin bei ams - Radio und MediaSolutions. Sie ist verantwortlich für die Print- und Online-Kanäle des Unternehmens und kümmert sich um die Pressearbeit für die Lokalradios in Ostwestfalen-Lippe und im Kreis Warendorf.