Generation Kopfhörer – das Handy als Werbemittel

Von Melanie Schwarz, veröffentlicht am 26.07.2016
Mann mit Kopfhörern lehnt an einem Baum

Wer ist die Generation Kopfhörer?

In Zeiten wie diesen, in denen bereits zur Einschulung häufig das erste Smartphone geschenkt wird, kann man mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass sich die Generation Kopfhörer in wenigen Jahren als am schnellsten wachsende und werbetechnisch wichtigste Zielgruppe etablieren wird.

Zu Ihr gehören genau jene Menschen, welche vor einigen Jahren noch als handysüchtig bezeichnet worden wären. Etwa die Hälfte der Generation Kopfhörer sind Jugendliche oder junge Erwachsene im Alter von unter 30.

Diese sind für die Werbebranche hochinteressant, da es sich um eine kaufkräftige und trendbewusste Personengruppe handelt. Sie zeichnet sich durch ein hohes Markenbewusstsein aus und nutzt überdurchschnittlich oft das Internet und Apps zum Einkaufen.

Finanziell gelten Menschen der Generation Kopfhörer als Besserverdiener.

Das Handy – das Plakat der Zukunft

Durch den schnellen Anstieg an digitalen Medien musste die Werbebranche vor einigen Jahren umdenken, die Generation Kopfhörer macht ein solches Umdenken nochmals nötig.

Wie damals, als die ersten digitalen Werbetafeln neben den am dichtesten befahrenen Autobahnen aufgebaut oder auf Webseiten mit hohem Traffic die ersten Banner platziert wurden, verlangt auch die Generation Kopfhörer nach einer neuen, passenden Ansprache.

Der Trend geht zum mobilen Gerät, das für die Generation Kopfhörer ständiger Begleiter ist. Durch die immer besser werdende Technik sind hierbei dem Werber kaum Grenzen gesetzt.

Wo früher durch die wenigen Pixel ein „schönes" Werben gar nicht möglich war, haben die Handybildschirme heute eine Qualität erreicht, mit der sich fast alles am PC Darstellbare in einer hohen Qualität anschauen lässt.

Studien sind sich hier nicht ganz einig, aber zwischen 85 und 150 Mal fällt der Blick pro Tag im Durchschnitt aufs Handy – die Generation Kopfhörer dürfte sich hier am oberen Limit oder auch darüber befinden. Somit rangiert das Smartphone schon mal auf den vorderen Rängen beim Ranking um die wichtigste Werbeplattform.

Handywerbung – viel weniger Akzeptanzprobleme als gedacht

Ein großer Vorteil der Generation Kopfhörer ist Ihre größere Akzeptanz gegenüber Werbung – ganz entgegen altbekannter Wahrheiten und Vorstellungen.

Während frühere Generationen Werbung eher unfreiwillig konsumiert haben ändert sich das immer mehr.

Laut einer Studie der VuMA und der RMS zu dieser Zielgruppe gaben 63% an kein Problem mit Werbung auf ihren Apps zu haben, sofern die App dadurch kostenfrei ist. 48% klickten schon einmal auf ein mobiles Werbebanner und 45% finden mobile Werbung sogar gut, sofern diese attraktiv gestaltet ist.

Auch Ihre Akzeptanz gegenüber Audiowerbung beim Musikstreamen ist groß, solange im Gegenzug das Streamen kostenfrei angeboten wird. Was die Generation Kopfhörer also eindeutig von anderen Zielgruppen absetzt ist, dass sie Gefallen daran findet, personalisierte Werbung zu erhalten!

Mobile Audio – Werbung von heute geht durch die Ohren

Und welche Audiofunktionen nutzt die Generation Kopfhörer? Musik Streaming-Dienste sind hier recht dominant. Die Möglichkeit, Titel selbst auszuwählen und eigene Playlists zusammenzustellen, ist einfach verführerisch.

Doch was bedeutet das für die Werbung? Nur Positives, denn mit Radio-Apps und auf Plattformen wie Spotify lässt sich extrem zielgruppengenau werben. Je nach Wohnort, Musikgeschmack und anderen über das Smartphone gesammelten Daten lassen sich viele Schlüsse auf mögliche weitere Interessen des Hörers ziehen.

Spots, die genau auf die Interessen der Generation Kopfhörer angepasst sind, sind die Zukunft des Audio Marketings!

Personalisierte Werbung, aber wie?

Während das Smartphone durch die Generation Kopfhörer immer mehr an Bedeutung gewinnt, wartet man in der Werbebranche darauf, das Potential auch vollständig auszuschöpfen, denn das wird noch lange nicht gemacht. Über das Ortungsfeature ist zum Beispiel eine umgebungsspezifische Werbung möglich.

Inzwischen gibt es bereits einige Anbieter entsprechender Software und immer mehr Radiosender bieten eine eigene App an, auf der es meist verschiedene Möglichkeiten zu werben gibt. Der klassische Audiospot ist nur eine davon. Darüber hinaus können mittels Location basiertem Marketing völlig neue Wege beschritten und neue Umsätze generiert werden.

Das Fazit

Für jede Branche gibt es also den passenden Moment, um sich bei der Zielgruppe Kopfhörer über das Smartphone bemerkbar zu machen. Jeder Handynutzer gibt schließlich unheimlich viele Daten preis, die für Werbezwecke frei zur Verfügung stehen.

Die Informationen, die durch Cookies am PC gesammelt werden und dort für individuelle Werbung sorgen, erscheinen im Vergleich zu denen am Smartphone minimal.

Über Ortungsdienste, Uhrzeit, Wetter, vorangegangene App-Downloads, Internet-Suchanfragen und Musikgeschmack lassen sich über den potentiellen Interessenten unheimlich viele Informationen sammeln.

Personalisierte Werbung ist kein Ding der Unmöglichkeit mehr, sondern inzwischen eine ziemlich simple Angelegenheit.

Es bleibt aber spannend, denn die technischen Möglichkeiten für eine personalisierte Werbesprache am Smartphone sind noch lange nicht ausgereizt!

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Melanie Schwarz

ist gelernte Kommunikationswirtin und arbeitete in Köln und Düsseldorf als Mediaplanerin in Mediagenturen. Es folgten leitende Funktionen im Bereich Mediaberatung u. a. in Wiesbaden bei Carat (Dentsu Aegis) als Unit Director. In OWL kamen Aufgaben als Key Account Managerin bei Bertelsmann, Anzeigenleiterin beim Delius Klasing Verlag und Verkaufs- und Projektleiterin im Medienunternehmen ams - Radio und MediaSolutions dazu.