Führungsstil – eine Frage des Geschmacks?

Von Henrike Dibbern, veröffentlicht am 22.11.2016
Mann schaut in die Ferne, im Hintergrund Silhouette einer Stadt

Wer Mitarbeiter führt, delegiert längst nicht mehr ausschließlich Aufgaben, sondern kümmert sich auch um gute Kommunikation, einen fairen Umgang mit dem Team und achtet darauf, dass der Situation angemessen gehandelt wird. Am Ende übernimmt die Führungskraft die Verantwortung für das gesamte Handeln ihres Teams, ist mit dem richtigen Führungsstil aber durchaus in der Lage, die Arbeitsleistung und -motivation der einzelnen Mitarbeiter direkt zu beeinflussen.

Eine Frage des Geschmacks ist der persönliche Führungsstil durchaus, sollte aber nicht auf dieser Ebene stehenbleiben. Wir zeigen Ihnen, welche Führungsstile existieren, wo ihre Stärken und Schwächen liegen und wie Sie selbst den optimalen Führungsstil für sich und Ihr Team finden können.

Kooperativ oder autoritär – wie Sie führen können

Umfragen zeigen es immer wieder: Statt einer autoritären Führung bevorzugen viele Mitarbeiter eher den kooperativen Stil, der eine liberale Führung ausmacht. Trotzdem ist es nicht weit genug gedacht, die liberale Führung als einzig wahre Lösung im Bereich der Mitarbeiterführung festzusetzen.

Fakt ist, dass die Persönlichkeit des Einzelnen seinen individuellen Führungsstil beeinflusst. Es sind zahlreiche Faktoren, die hier hineinspielen: Die eigene Herkunft und Sozialisierung, persönliche Vorbilder, politische Ansichten und gemachte Erfahrungen. Hinzu treten äußere Faktoren z. B. die Unternehmensgröße, die Branche und die vorherrschende Betriebskultur.

Der eigene Führungsstil wird von all diesen Dingen zwar geprägt, ist aber nicht in Stein gemeißelt, sondern durchaus wandelbar. Lassen Sie uns einen kurzen Blick auf die bekanntesten Führungsstile werfen:

Autoritärer Führungsstil

Das Schreckgespenst unter den verschiedenen Möglichkeiten der Mitarbeiterführung – so könnte man zumindest meinen. Denn autoritäre Führung zeichnet sich durch eine gewisse Strenge und klare Hierarchien aus. Einer, die Leitung, gibt vor; die anderen tun, was von oben angesagt wird.

Kommandos und Kontrolle sind es, die die autoritäre Führung prägen
und leider auch jegliche Kreativität und gedankliche Eigenleistung der Mitarbeiter im Keim ersticken. Um neue Wege zu beschreiten ist diese Art der Führung sicher nicht die beste Lösung – für Routineaufgaben, die unter hohem Zeitdruck erledigt werden müssen, aber durchaus angebracht. Denn autoritär zu führen heißt nicht nur zu kommandieren, sondern auch Struktur und eine klare Richtung vorzugeben. In manchen Arbeitsbereichen ist dies von großem Vorteil.

Liberaler Führungsstil

Das andere Extrem, die liberale Führung, setzt auf größtmögliche Freiheit für jeden Einzelnen im Team. Hier greift der Vorgesetzte nicht oder nur äußerst zurückhaltend in Arbeitsprozesse ein, diese Form der Mitarbeiterführung hat einen klaren Laissez-faire-Charakter.

Gut geeignet ist dieser Führungsstil im kreativen Umfeld und in Unternehmen mit ohnehin flachen Hierarchien. Denn größtmögliche Freiheit ermöglicht größtmögliches Ideenpotenzial und ist eine gute Grundlage für innovative Lösungen. Für Arbeitsbereiche mit hohem Zeitdruck und strengen Vorgaben an das Produkt oder die Dienstleistung eignet sich der liberale Führungsstil jedoch weniger.

Kooperativer Führungsstil

Mit dem Chef per Du – das dürfte beim kooperativen Führungsstil der Standard sein. Kommunikation statt Kontrolle lautet hier die Devise und das kann der Nährboden für gute, überzeugende Arbeitsstrategien sein. Gerade in komplexe Situationen, in denen das Fachwissen einer Führungskraft allein nicht ausreicht, sondern ein gemeinsamer Austausch zum bestmöglichen Vorgehen nötig ist, ist Kommunikation ein gutes Pflaster.

Wichtig ist, dass trotz kooperativer Handlungen die Ebene der Führungskraft klar definiert bleibt, um ein Chaos und Unklarheiten um Zuständigkeitsbereiche zu vermeiden.

Charismatischer Führungsstil

Kennen Sie sie, diese echten Charakterköpfe? Tatsächlich funktionieren viele Führungsrollen über das Charisma der Person, das diese hat. Die Hierarchien ähneln hier denen der autoritären Führung, die Mitarbeitermotivation wird aber durch einen anderen Punkt oben gehalten.

Einen charismatischen Vorgesetzten nehmen sich viele Mitarbeiter völlig freiwillig zum Vorbild und richten sich aus persönlicher Überzeugung von dessen Kompetenz nach seinen Vorgaben. Dieser Führungsstil ist schwer beeinflussbar, da Charisma eine flüchtige, nicht greifbare Eigenschaft ist, die man auch kaum erlernen kann.

Führung muss zu Situation und Person passen

Ganz gleich, welche Art der Führung Ihrem eigenen Führungsstil am ehesten entspricht: Letztlich sollten Sie sich nicht verbiegen. Wenn Sie ein eher kooperativer Vorgesetzter sind, müssen Sie nicht den Mantel einer autoritären Führung überstreifen. Zentral ist, dass Ihr persönlicher Führungsstil auch zu Ihnen als Person passt – nur dann ist er authentisch und nur dann werden Sie von den Mitarbeitern ernst genommen. Eine situative Anpassung sollte dennoch erfolgen: Wenn es die Umstände erfordern und eine schnelle Lösung benötigt wird, muss diese manchmal auch konsequent und autoritär durchgesetzt werden.

Wichtig ist, egal welche Hebel Sie gerade betätigen, dass Ihre Kommunikation immer klar, der Umgang miteinander immer fair und respektvoll bleibt.

Fazit

Eine gute Führungskraft kombiniert nahezu immer verschiedene Führungsstile miteinander und setzt deren jeweilige Vorteile situativ passend ein. Dann ist es für sie selbst und für ihr Team der optimale Führungsstil. Eine Frage des Geschmacks ist Führung also insgesamt deutlich weniger, als vielmehr eine Frage der Situation.

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Henrike Dibbern

studierte Soziologie, Politik- und Verwaltungswissenschaft. Seit 2014 arbeitet sie als Redakteurin in einer Marketingagentur.