Evaluation durch Start-Stop-Keep-Feedback

Von Amélie Förster, veröffentlicht am 16.11.2021
Mehrere Personen legen ihre Hände aufeinander

Angeblich sorgt die Methode für mehr Motivation und bessere Ergebnisse im Team. Wir haben es ausprobiert, dazu aber später mehr. Zunächst sprechen wir erstmal darüber, wie die Methode funktioniert und warum sie so effektiv ist.

So funktioniert's

Für diese Feedbackform gibt’s nur wenige Regeln. Jeder bringt zu einem 1:1 Feedbackgespräch im Team je einen Punkt jeweils zu Start, Stop, Keep mit. Wichtig: Kein Feld darf leer bleiben!

Zur Orientierung:

Start: Was sollte die Person zukünftig tun?
Stop: Was sollte die Person zukünftig nicht mehr tun?
Keep: Was sollte die Person zukünftig auf jeden Fall weiter machen? Was macht diese Person besonders gut/Hilfreiches fürs Team?

Wie Sie die Feedback-Runden organisieren bleibt Ihnen natürlich selbst überlassen. Sie können entweder einen festen Tag vereinbaren, an dem die Teammitglieder jeweils feste Zeitfenster zugeordnet bekommen oder jedes Zweierpärchen vereinbart einen individuellen Termin. Aus organisatorischen Gründen ist es aber in jedem Fall sinnvoll, eine Person zu bestimmen, die den Überblick behält und ggf. eine Art Stundenplan erstellt. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Teammitglieder vergessen werden. Pro Termin sollten Sie 15 Minuten einplanen. Sie denken jetzt: Das kostet mich aber ganz schön viel meiner Arbeitszeit? Ja, das stimmt – vor allem, wenn Sie in einem großen Team arbeiten. Aber: Es lohnt sich. Zudem steht es Ihnen frei zu entscheiden, in welchem Rhythmus Sie das Start-Stop-Keep-Feedback durchführen: Ein Mal pro Monat, alle zwei Monate, ein Mal pro Halbjahr. Dabei sind Sie vollkommen frei.

Wichtigste Regel: Kein Feedback auf Feedback

Nehmen sie die Infos an wie ein Geschenk: Schauen Sie sich das Feedback an, können Sie etwas damit anfangen? Ist es vielleicht etwas, das sie selbst schön längst hätten bemerken müssen oder bemerkt haben? Halten Sie das Feedback für angemessen, können Sie dies nun umsetzen. Halten Sie es nach angebrachter Betrachtung für unangemessen, dann bleiben Sie dabei. Manche Dinge können Sie nur allein entscheiden. Wie bei einem liebgemeinten Geschenk. Manche Geschenke landen, trotz der guten Idee, ungenutzt im Regal.

Im direkten Feedback sind Nachfragen aber natürlich erlaubt! Manchmal muss man das Feedback erst verstehen. Bewerten, wie bereits gesagt, macht aber nur in einer Selbstreflexion Sinn. Ein weiterer Tipp: Machen sie sich Notizen zu jedem ihrer Kollegen – nicht erst kurz vor dem Termin, sondern während des normalen Arbeitsalltags. Andernfalls kann es schwer fallen in dem Vier-Augen-Gespräch spontan zu jedem Punkt etwas Qualifiziertes sagen zu können.

Oft wird das Feedback in der Situation Chef-Mitarbeiter genutzt. Da kann es schonmal schwerer fallen, zu bewerten, welche Aufgaben gestoppt werden können und mit welchen der Chef starten soll. Aber auch als Team-Feedback ist die Methode geeignet. Wir haben es in unserem Digitalteam ausprobiert und (Vorsicht! Spoileralarm?) für gut befunden.

Unser Selbsttest

Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass es im zum Teil stressigen Arbeitsalltag häufig zu kurz kommt, den Kollegen einfach mal zu sagen, was sie besonders gut machen oder was uns an ihrer Arbeitsweise gefällt. Dabei - sind wir doch mal ehrlich – geht ein Lob runter wie Butter und schafft eine Menge neuer Energie und Motivation. Das Start-Stop-Keep-Feedback ist eine wunderbare Gelegenheit das zu tun und es erinnert uns daran, auch abseits des Termins etwas Nettes zu sagen. Natürlich üben wir auch Kritik, doch ist diese niemals persönlich, sondern stets sachlich und konstruktiv. Das oberste Gebot dabei: Auf die Wortwahl achten und etwaige Verbesserungsvorschläge mit einem Lächeln verkaufen!

Natürlich war die Hürde vor dem ersten Termin groß. Was mögen die Kollegen an mir oder meiner Arbeitsweise nicht? Mache ich etwas falsch? Diese Dinge gehen einem sicher durch den Kopf, waren im Rückblick aber völlig unbegründet. Denn es geht nicht darum, jemanden zu kritisieren! Und natürlich muss man auch erstmal die eigene Scheu überwinden, dem Kollegen etwas vermeintlich Negatives zu sagen. Ist das Team an sich aber stabil und arbeitet auf einer ehrlichen und wertschätzenden Grundlage, dann sollte das kein Problem darstellen.

Schon nach wenigen Malen des Start-Stop-Keep-Feedbacks haben wir bemerkt, dass sich gewisse Arbeitsabläufe verbessert haben – einfach, weil wir es im Eins-zu-eins-Gespräch offen angesprochen haben als einfach „Schwamm drüber“ zu sagen.  Probieren Sie es einfach selbst einmal mit Ihren Kollegen aus und werfen Sie nicht zu schnell die Flinte ins Korn. Eine gewisse Eingewöhnungszeit muss sein. Dann steht dem erfolgreichen Start-Stop-Keep-Feedback nichts mehr im Wege. Viel Spaß beim Ausprobieren!

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Amélie Förster

hat bei verschiedenen Online-Medien gearbeitet und ist ausgebildete Online-Redakteurin. Seit Juli 2018 ist sie bei ams – Radio und MediaSolutions als Online-Redakteurin tätig und betreut das Projekt „Marketing in Westfalen“. Sie ist seit 1998 online, interessiert sich für Social Media, Blogs, Streaming und digitale Technologien aller Art.