Entlarvt: Die großen Mythen des E-Mail-Marketings auf dem Prüfstand

Von Henrike Dibbern, veröffentlicht am 21.03.2017
Hände tippen auf Laptoptastatur

Eines gleich vorneweg: Natürlich macht E-Mail-Marketing nach wie vor Sinn. Die Vorteile sind nicht zu leugnen. E-Mail-Marketing ist kosteneffizient, populär und zeitsparend. Dennoch, oder vielleicht auch gerade deswegen, kursieren hartnäckige Mythen, mit denen es aufzuräumen gilt:

Die 10 verbreitetsten Mythen direkt geklärt

1. Viel hilft viel?

Immer an jeden und überall einen E-Mail zu versenden ist weder effizient noch sinnvoll. Je mehr Mails Sie in kurzen Abständen versenden, umso geringer wird die Interaktionsrate. Heißt: Schicken Sie nur Mails, wenn Sie auch wirklich etwas zu sagen haben!

2. Bilder erhöhen die Klickrate?

Ja, die Macht der Bilder ist unumstritten. Aber: Man kann es auch übertreiben! Zu viele Bilder können, gerade in E-Mails, vom Wesentlichen ablenken. Das Verhältnis von Text zu Bild sollte idealerweise zwischen 60:40 und 70:30 liegen.

3. Niemals Marketing-Mails am Wochenende verschicken?

Jein. Natürlich macht es beispielsweise gerade im B2B wenig Sinn, E-Mails am Wochenende zu versenden. Wenn Sie im B2C-Segment tätig sind, kann es aber durchaus empfehlenswert sein. Wissenswert: Gerade am Wochenende wird viel auf mobilen Endgeräten gesurft. Sollten Sie also Mailing-Kampagnen am Wochenende fahren, ist noch bedeutsamer, sie im responsive Design zu gestalten!

4. Gekaufte Adresslisten sind völlig ok?

Sich einfach eine Adressliste zu kaufen klingt natürlich sehr verlockend – ist es doch viel einfacher, als sich mühsam einen eigenen Verteiler aufzubauen. Die Sache hat aber einen großen Haken: Die Adressaten dieser Listen haben keine Ahnung, wer Sie sind. Und sind dementsprechend verblüfft, plötzlich Post von Ihnen zu bekommen. So eine Überraschung ist in den seltensten Fällen positiv!

Dazu kommt noch, dass sie sich mit gekauften Adressen selbst im besten Fall in einer legalen Grauzone bewegen: Grundsätzlich müssen Sie aber davon ausgehen, dass die in einer solchen Liste geführten Adressaten nicht im nötigen Double-Opt-in-Verfahren gewonnen sind. Und selbst wenn, dann heißt das noch lange nicht, dass Sie die Adressaten anschreiben dürfen. Lange Rede, kurzer Sinn: Gekaufte Adresslisten sind alles andere als ok!

Erstellen Sie sich lieber eine eigene, auch wenn es gerade am Anfang einen gewissen Mehraufwand mit sich bringt! Lesen Sie unbedingt alles Wesentliche zum Thema Datenschutz, Impressum und Co. beim E-Mail-Marketing, bevor Sie sich nun an den Aufbau einer Adressliste machen!

5. Wer einmal auf der Adressliste ist, bleibt auf der Liste?

Klar, Sie sind stolz auf Ihre mühsam selbst erstellte Adressliste. Und Sie wollen auf keinen dieser Kontakte verzichten. Sollten Sie aber! Löschen Sie Empfänger, die nie auf Ihre Mails reagieren bevor Sie von ihnen als Spam markiert werden. Denn wenn das zu viele Kontakte machen, kann es passieren, dass Ihre Absender-Adresse von den Mailing-Anbietern als Spam eingestuft wird!

6. Mehr Links = mehr Klicks?

Auch das empfinden die meisten als unangenehm und nicht als nützlich. Beschränken Sie sich auf ein gutes Angebot sowie auf ein bis zwei sinnvolle und themenbezogene Links in Ihrer Mail. Hier gilt: Weniger ist mehr. Und vor allem: Übersichtlich und gut lesbar bleiben.

7. Rabatte im Betreff funktionieren immer?

Sie müssen nicht zwingend ein Top-Angebot in der Betreffzeile verkaufen. Rabatte, vage Versprechen auf Coupons oder Prozente wirken eher schäbig, unpersönlich und wenig qualitativ. Wecken Sie lieber mit einer originellen Überschrift das Interesse am Produkt oder einer Marke – damit verschaffen Sie sich mehr Gehör.

8. Emojis im Betreff erhöhen die Öffnungsrate?

Eines steht fest: Emojis im Betreff sind ein Hingucker, der die meisten beim Scrollen durch den Mail-Eingang kurz innehalten lässt. Allerdings ist diese Aufmerksamkeit ein zweischneidiges Schwert: Für die einen mag ein lustiges Ideogramm das ausschlaggebende Argument zum Öffnen der Mail sein. Bei anderen löst man damit hingegen allenfalls ein Kopfschütteln aus, weil sie mit einer solchen Effekthascherei so gar nichts anfangen können. Machen Sie sich also lieber noch einmal Gedanken über Ihre Zielgruppe, bevor Sie Emojis in E-Mails verwenden.

9. Doppelt hält besser?

Wenn ein Empfänger Ihre Mail löscht, dann ist das sein gutes Recht. Schicken Sie niemals ein und dieselbe Mail zweimal, nur weil sie beim ersten Mal im Papierkorb gelandet ist. Damit riskieren Sie nur, in den Spamordner umgeleitet zu werden – und da kommen Sie nicht mehr heraus.

10. E-Mail-Marketing funktioniert nur für bestimmte Branchen?

Es gibt einige Branchen, die besonders stark auf E-Mail-Marketing zu setzen scheinen. Vor allem die Reisebranche und (logischerweise) der Onlinehandel sind in den Posteingängen stark präsent. Aber: Nur, weil Sie selbst vielleicht keine Beispiele für gelungenes E-Mail-Marketing aus Ihrer Branche kennen heißt das noch lange nicht, dass es nicht möglich ist! Wenn Sie es richtig angehen, können auch Sie mit E-Mail-Marketing große Erfolge feiern – ganz egal, ob im B2B oder B2C, ob im Dienstleistung-, Handels- oder Industriesektor.

Hinterfragen lohnt sich

Auch beim Thema E-Mail-Marketing gilt: Schauen Sie lieber zweimal hin und gehen Sie nicht jedem Mythos auf den Leim. Auch wenn viele Vorurteile eine gewisse logische und wahre Grundlage zu haben scheinen: Die eine ultimative Wahrheit gibt es auch hier nicht. Letztendlich werden Sie nicht umhin kommen, verschiedene Wege und Arten des Mailings auszuprobieren, um den für Sie geeignetsten zu finden. Aber: Lassen Sie sich nicht zu schnell entmutigen – es lohnt sich auf alle Fälle!

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Henrike Dibbern

studierte Soziologie, Politik- und Verwaltungswissenschaft. Seit 2014 arbeitet sie als Redakteurin in einer Marketingagentur.