Ein Leben ohne GIFs (ist möglich, aber sinnlos?)

Von Barbara Kawa, veröffentlicht am 17. Januar 2023
Oranges Telefon mit Wählscheibe

Unmöglich dachte ich und streute die Verwirrung über diesen Satz direkt mal im Kollegen:innenkreis. „True, ich wusste bevor ich in eure Abteilung gekommen bin nicht, dass Leute sich noch GIFs schicken.“ – Diese Antwort bekam ich von einem Kollegen, 19 Jahre alt. Das saß.

Keine stolpernden Pinguine, keine schockierten US-Promis und keine Katzen, die irgendwo rausgucken, mehr? Müde, gelangweilt, verwirrt, aufgeregt – nichts kann doch besser ausgedrückt werden als mit einem knackigen GIF. Scheinbar ja doch. Was nun?

Wählscheibentelefon, Kassettenrekorder und Modem – alles hat ja seine Zeit. Genauer gesagt seine Zeit gehabt, denn Dinge werden von Neuem abgelöst, das Verbesserung bringt. Nun ist es allerdings nicht das erste Mal, dass GIFs totgesagt bzw. wieder auferstanden sind. Ende der 1990er waren es noch die Ladezeiten per bereits erwähntem Modem, die dafür sorgten, dass Websites wie Hamsterdance (für die jüngeren unter unseren Lesern:innen: Eine Website voller tanzender Hamster), das Netz zum zusammenbrechen brachten.

Aber ist es diesmal wirklich endgültig? Also begann ich mich mit dem Gedanken nein, nicht anzufreunden, aber zumindest vertraut zu machen, dass es einfach nicht mehr angemessen ist, GIFs zu verschicken. Es muss ja eine Alternative geben, dachte ich mir, aber welche? Auf meiner Suche stieß ich auf Memes und Sticker. Direkt eröffnete sich die nächste Frage: Und was ist mit Emojis? Sind die auch out?

Und überhaupt, was unterscheidet den Sticker vom Emoji und das Meme vom GIF? Schauen wir uns das mal genauer an.

Definitionen

GIF
steht für Graphics Interchange Format. Es zeigt mehrere Bilder nacheinander bei geringem Dateiformat, kurze Videosequenzen, Animationen oder bewegte Banner.

Meme
Ein Meme ist ein im Internet veröffentlichtes Bild, ein kurzes Video oder GIF, das in der Regel durch einen Text ergänzt wurde. Dabei ist es meist satirisch oder gesellschaftskritisch. Was es mit Memes als Marketing auf sich hat, hat sich unsere Autorn Hannah Schürkamp hier auf dem Blog schon mal genauer angesehen.

Emoji
Emojis sind kleine Symbole wie Smileys, Gegenstände aus dem täglichen Leben oder Herzen. Vor allem durch den Messenger-Dienst WhatsApp wurden sie berühmt und dann von anderen Plattformen wie Facebook übernommen. Man setzt sie aber allgemein in der digitalen Kommunikation ein.

Sticker
Sticker sind kleine Bilder oder Fotos, die ähnlich wie Emojis in Chats eingesetzt werden. Sie sind allerdings größer und stehen einzeln als eigene Nachricht.

Zusammenfassend kann man also sagen, es handelt sich hier bei allem um grafisches Material, das genutzt wird, um in einem Chat Gefühle auszudrücken oder gesagtem Nachdruck zu verleihen. Ein Bild sagt also nach wie vor mehr als tausend Worte. Nur eben nicht immer das gleiche Bildformat, das scheint auf die jeweilige Plattform anzukommen. Und auf das Alter des Benutzers.

So ganz vorbei ist es aber nicht

Nun hat es mich natürlich beschäftigt, dass ich gar nicht mitbekommen habe, wie oldschool ich mich in Teams-Chats verhalten habe. Es stellte sich aber nach und nach heraus, dass die meisten um mich herum ebenso wenig vom Ende der GIFs wussten bzw. daran glaubten. Menschen aus der Generation der Millenials, also der ab Anfang der 80er bis Ende der 90er-Jahre Geborenen, mögen und nutzen die Bildsequenzen nach wie vor. Und das aus gutem Grund, schließlich dauert es viel länger einen guten Emoji, wie das Shrug-Emoji, also Achselzucken, hier zu tippen ¯\_(ツ)_/¯ als ein GIF aus einer Liste auszuwählen. Und ein GIF sagt auch viel mehr aus, schließlich lesen wir nicht nur eine Emotion, sondern auch gleich die Körpersprache in der Bewegung eines GIFs mit.

Aber auch aus der Generation Z, also den bis 2012 Geborenen, störten sich zumindest die meisten nicht daran, wenn sie im beruflichen Kontext ein GIF zugeschickt bekamen.

Und um die Frage nach den Emojis zu beantworten: Eine kleine Umfrage hat ergeben, dass Emojis in der Generation Z zwar noch benutzt werden, aber eher selten. Hoch im Kurs ist das Herz, wenig eingesetzt werden Smileys, um Reaktionen auszudrücken.

Was denn jetzt?

Ist also eine Sache, weil sie von nachkommenden Generationen nicht mehr benutzt wird, automatisch out und völlig peinlich? Ja und nein. Denn wir sollten schon – vor allem aus Marketingsicht – im Blick haben, was bei jüngeren Generationen hoch im Kurs steht und was gar kein Thema ist bzw. womit wir uns vielleicht lächerlich machen. Ein Beispiel ist hierfür auch immer wieder die Verwendung von vermeintlicher Jugendsprache in allen möglichen Formen von Werbung. Denn das geht meistens nach hinten los und wird eher peinlich als ansprechend abgestempelt.

Gleichzeitig ist es wichtig, Dinge immer wieder neu zu erfinden, wenn wir sie beibehalten. Was gut ist, kann bleiben, aber es muss sich trotzdem erneuern. Das gilt auch für den Einsatz von GIFs. Wir müssen festhalten, dass wir den tanzenden Prinz von Bel Air und den zuprostenden Leonardo DiCaprio nun wirklich schon hundert Mal zugeschickt bekommen haben und auch die Minions will wohl niemand mehr sehen. Aber ein gut ausgewähltes GIF oder ein Emoji im richtigen Kontext, das sagt am Ende eben doch mehr als tausend Worte.

Oder?  ¯\_(ツ)_/¯ ?!

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Barbara Kawa

ist Online-Redakteurin und Social Media Managerin bei ams - Radio und MediaSolutions und beschäftigt sich mit allen Themen im und rund ums Web.