Duzen oder Siezen? Die richtige Anrede im Job

Von Melanie Schwarz, veröffentlicht am 22.01.2016
Mann und Frau schütteln ihre Hände

Früher war zwar nicht alles besser aber manches einfacher. Nehmen wir zum Beispiel die Sache mit der korrekten Anrede im Berufsalltag. Das Büro war klassisches „Sie-Terrain“. Und wenn zum Duzen übergegangen wurde, so erfolgte das Prozedere meist streng nach Knigge.

Die Regeln besagten, dass Frauen das „Du“ Männern aktiv anbieten dürfen. Ältere konnten Jüngeren das Duzen vorschlagen. Selbiges galt für Vorgesetzte gegenüber von Nachrangigen.
Im Zeitalter der Globalisierung sind diese Regeln nicht mehr ohne Weiteres gültig. Am deutlichsten können wir das in internationalen Betrieben beobachten, in denen vorzugsweise Englisch gesprochen wird.

Über „Du“ oder „Sie“ wird hier nicht lange debattiert. „You“ lautet die richtige, keineswegs als Vertraulichkeit misszuverstehende Anrede.

Ein weiteres Beispiel stammt aus Skandinavien. Da in Schweden prinzipiell jeder geduzt wird, findet diese Anredeform auch bei IKEA in Deutschland Anwendung. Und das quer durch die Hierarchien. Auch der Kundenverkehr bildet hier keine Ausnahme.

Eine Aura der Vertrautheit

Duzen fördert im Allgemeinen das Zusammengehörigkeitsgefühl. Firmen, die das „Du“ als Teil der Unternehmenskultur betrachten, möchten so ein Klima der Vertrautheit schaffen. Hackordnungen werden durch die persönlichere Anredeform als verschwommener wahrgenommen. Das kann bei allen offenkundigen Vorteilen natürlich auch zu Problemen führen.
Gerade im Konfliktfall ist das Distanz schaffende „Sie“ ein wichtiges Mittel, um aufkochende Emotionen zu besänftigen.
Bei ernsten Gesprächen, zum Beispiel bei einer Kündigung, wird das respektvolle „Sie“ meist von beiden Seiten als angenehmer empfunden.

Was bedeutet das alles aber nun konkret für Sie? Im einfachsten Fall existiert im Betrieb, ähnlich wie bei Ikea, eine klare Regel, die die korrekte Anredeform im Unternehmen vorgibt.
Da in den meisten Betrieben heutzutage jedoch „Du“ und „Sie“ parallel existieren, leistet Freund Knigge in leicht modernisierter Form auch im Jahr 2016 noch gute Dienste.
Die Geschlechterfrage spielt hierbei keine große Rolle mehr. Es liegt also am Ranghöheren oder Dienstälteren, die Initiative in Sachen „Du“ zu ergreifen.

Einmal „Du“, immer „Du“

Wer alle Voraussetzungen erfüllt, selbst das „Du“ anzubieten, sollte im Vorfeld bedenken, dass dies eine Entscheidung für immer ist.

Es gibt keinen eleganten Weg, ein vereinbartes „Du“ wieder zurückzunehmen, ohne dass das kollegiale Verhältnis empfindlich darunter leidet.

Machen Sie eine solche Offerte also nur, wenn Sie sich Ihrer Sache absolut sicher sind. Achten Sie dabei unbedingt darauf, dass Sie Ihrem Gegenüber die Möglichkeit geben, das Angebot höflich auszuschlagen.

Wie schon erwähnt bietet schließlich auch das „Sie“ im zwischenmenschlichen Miteinander durchaus seine Vorteile.

Und wie verhalte ich mich selbst, wenn ich ein angebotenes „Du“ lieber ausschlagen möchte? In diesem Fall ist Diplomatie das Gebot der Stunde. Bedenken Sie, dass ein solches Angebot meist ein Ausdruck der persönlichen Wertschätzung ist und eine brüske Ablehnung daher als Kränkung aufgefasst werden könnte.

Formulieren Sie Ihr „Nein“ stets möglichst höflich und respektvoll. Wenn Sie Ihr Verhalten begründen möchten nur zu.

Vermeiden Sie es aber dabei, auf Ihr Gegenüber zu verweisen. Sagen Sie lieber, dass es einfach eine Macke von Ihnen sei, in der Arbeitswelt prinzipiell das „Sie“ zu bevorzugen. Selbst wenn es der Chef persönlich ist, der Ihnen das „Du“ anbietet, dürfen Sie dieses ablehnen, falls Sie die Distanz wahren möchten.

Dass hierbei ein Höchstmaß an Fingerspitzengefühl gefragt ist, versteht sich indes von selbst.

Fazit:

Während das „Du“ im Job vor 50 Jahren noch absolut unüblich war, erfreut es sich heute großer Beliebtheit und wird in manchen Branchen sogar bevorzugt.

In vielen Firmen ist inzwischen sowohl das Vertrautheit schaffende Duzen als auch das distanzierende Siezen parallel zueinander gebräuchlich. Beide Varianten haben Vor- wie auch Nachteile, die es zu bedenken gibt.

Die Stellung in der betriebsinternen Hierarchie zeigt dabei an, welcher Kollege das „Du“ aktiv anbieten darf. Ein Ablehnen ist dagegen immer möglich. Ob aus Herrn Mustermann im Laufe der Zeit der Max wird, ist daher nicht zuletzt eine Geschmackssache.

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Melanie Schwarz

ist gelernte Kommunikationswirtin und arbeitete in Köln und Düsseldorf als Mediaplanerin in Mediagenturen. Es folgten leitende Funktionen im Bereich Mediaberatung u. a. in Wiesbaden bei Carat (Dentsu Aegis) als Unit Director. In OWL kamen Aufgaben als Key Account Managerin bei Bertelsmann, Anzeigenleiterin beim Delius Klasing Verlag und Verkaufs- und Projektleiterin im Medienunternehmen ams - Radio und MediaSolutions dazu.