Dresscode im sommerlich-heißen Büro

Von Stefani Josephs, veröffentlicht am 16.08.2022

Ein Hauch von Nichts mit Streublümchen drauf, der nur das Allernötigste verdeckt – ansonsten aber den Blick auf wüste Tattoos lenkt und haarige Männerbeine mit reptilienhafter Hornhaut in ausgelatschten Schlappen...darüber müssen wir im Bereich Büro, Firma und Geschäft nicht ernsthaft diskutieren. Wenn es nicht grade um ein Tattoo- und Piercingstudio oder einen Handwerkermarkt geht, dann wird so ein Auftreten nicht grade Türen öffnen oder erfolgreiche Kontakte begünstigen.

Es hängt natürlich von der Branche ab, in der wir uns bewegen und vom Kundenkontakt. Allerdings: Auch, wenn es „nur“ die werten KollegInnen sind, auch die verdienen einen angenehmen Anblick für eine respektvolle Zusammenarbeit.

Dabei dürfen wir uns grundsätzlich alle glücklich schätzen, im 21. Jahrhundert zu leben und zu arbeiten. Denn was der alte Freiherr von Knigge im 18. Jahrhundert so „Über den Umgang mit Menschen“ (so heißt sein berühmtes Buch) für richtig hielt, das ist zum Glück Geschichte. Sein Urururur…Urenkel Moritz Freiherr Knigge klingt da schon viel fresher:

Ich habe nie etwas von steifen Regeln gehalten, die auswendig gelernt werden…Die wichtigsten Grundlagen für gutes Benehmen sind Offenheit, Aufmerksamkeit und Respekt. Wer mit offenen Augen durch die Welt läuft, erkennt schon, was im jeweiligen Moment angemessen wäre.

Das Schlüsselwort im neuen Kniggezitat ist für mich der Respekt. (Auch bekannt aus der Jugendsprache mit einem coolen „Alter“ dahinter).  Aber ganz ohne Spaß: Respekt spielt im Umgang mit KollegInnen und KundInnen die entscheidende Rolle. Neben Traditionen und dem was sich gehört! Denn – lesen und staunen Sie – die DKG (Deutsche Knigge Gesellschaft) weiß weiterhin, was in der Businesswelt geht und was nicht. Und irgendwie scheinen die Jahrzehnte, ach was, die Jahrhunderte an dieser Gesellschaft dann doch erstaunlich spurlos vorübergezogen zu sein.

Ein bisschen schwindelig wird es mir jedenfalls bei fein zu unterscheidenden Begriffen wie „Business attire“ und „Smart Business“. Oder können Sie aus dem Stand die Unterschiede zwischen „Mainstream Casual“ und „Smart Casual “ erkennen oder gar anziehen? Zum Glück gibt es auch verständlichere Hinweise für den sommerlichen Dress in der Businesswelt:

  • ein kurzärmeliges Hemd ist KEIN Businesshemd!
  • der Ausschnitt einer Bluse sollte nie tiefer sein, als die eigene Achselhöhle (Erwischt! Haben Sie auch gerade nach unten geschielt?)

Und – das ist nur zum Teil überraschend:

  • Sonnenbrillen dienen dem Schutz vor Sonnenstrahlen und werden in geschlossenen Räumen abgenommen. Sie sind auch nicht als "Haarreif" gedacht und gehören, wenn sie nicht getragen werden, in ein geeignetes Etui.

Erlösung und Antworten für uns Alle auch ohne Kostümchen, Businessloafer und knieumspielende Bermudahosensäume: Wenn absehbar ist, dass kein Kundenkontakt in Sicht ist, erlaubt der auch heutzutage noch ganz schön strenge Kniggenachfolger:

Situationsbedingt kann der Dresscode individuell oder mit dem/der Arbeitgebenden abgestimmt, gelockert werden. Z. B. Keine Strümpfe wenn kein Kundenkontakt besteht.

Puuh, da sind wir aber wirklich froh, dankbar für die „Marscherleichterung“ und ein bisschen luftiger unterwegs – mit Respekt vor KollegInnen und KundInnen. Und wie so oft auch in der Frage, ob Flip-Flops die Lösung oder erlaubt sind bei einem knallharten: Jein!

Und im Übrigen ist es ja nur eine Frage der (Jahres-)Zeit, wie lange wir morgens vor dem Kleiderschrank überlegen, wie luftig es denn sein darf. Wenn es draußen wieder "normal" zugeht und sich die Werte wegbewegt haben von Sauna und Gewächshaus, dann können wieder die regulären Hosen, Röcke, Jacken und Kleider zum Einsatz kommen. Wenn sie noch passen... Wenn die Konzentration bei Geschäftsgesprächen darunter leidet, dass man/frau immer wieder wie gebannt auf Knöpfe unter Höchstspannung starrt, dann ist das zwar wirklich spannend, aber nicht zielführend.

Wenn möglicherweise im Herbst die Rückkehr zum Homeoffice wiederkommt und wir unsere Ess- und Küchentische als Schreibtische nutzen, werden wir das Thema „Dresscode im Homeoffice“ behandeln. Das wird wieder interessant und informativ - besonders von der Taille abwärts.

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Stefani Josephs

hat 28 Jahre lang in der Redaktion von Radio Hochstift hauptsächlich als Frühmoderatorin gearbeitet und diverse Veranstaltungen wie Sportevents, Podiumsdiskussionen und Wirtschaftsforen moderiert. Nach einem 2-jährigen Ausflug in die Öffentlichkeitsarbeit einer Stiftung, ist sie zurückgekehrt und seit Juli Pressereferentin der ams und der Podcastfabrik.