Drei Jahrzehnte Lokalradio in OWL

Von Julia Ures, veröffentlicht am 10.05.2021

„Damals gab es große Begeisterung für das Lokalradio, Pioniergeist und jede Menge Neugierde auf das, was kommt - durchaus aber auch Skepsis“, beschreibt Uwe Wollgramm, der Geschäftsführer der Betriebsgesellschaften der Lokalradios in OWL die Aufbruchstimmung 1991. Die Hörer kannten seit Jahrzehnten landesweite Programme - Radio aus dem eigenen Kreis, das war damals neu und unbekannt.

Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger liefen die Vorbereitungen auf den Sendestart auf Hochtouren. Die sechs OWL-Lokalradios hatten alle ihren Sendestart im Jahr 1991. Seitdem hat sich nicht nur die Anmutung "on Air" verändert, sondern mehrfach auch das Marketing und die grafische Gestaltung, was sich beispielsweise auch gut am über die Jahre immer wieder modernisierten Logo ablesen lässt.

Die Redaktionsteams sind schnell größer und professioneller geworden, die Zahl der Hörer ist stark gewachsen. Und auch technisch hat das Radio immer wieder Veränderungen durchgemacht. So findet der Kontakt zum Hörer heute längst multimedial auf vielfältigen Wegen wie online, in Social Media und per App statt, anstelle nur über den reinen, klassischen UKW-Radioempfang. Natürlich haben die neuen Kanäle und Möglichkeiten der Ansprache und Interaktivität auch das Marketing verändert. Aber die Grundpfeiler sind geblieben. Uwe Wollgramm: „Von Anfang an wollten unsere Redaktionen mit Leidenschaft Radio vor Ort für die Menschen vor Ort machen, auf Augenhöhe berichten und unterhalten. Diese jeden Tag gelebten Werte sind geblieben und prägen unsere Arbeit - damals wie heute.“ Über manches von 1991 schmunzelt er jedoch heute: „Rückblickend gehört, klingt manches heute für unsere Ohren natürlich überholt, aber so war es eben damals…“

Die Rahmenbedingungen, damals wie heute

Aufregende Zeiten herrschten, als das Lokalradio in Ostwestfalen-Lippe an den Start ging. Denn 1991 musste sich das Zwei-Säulen-Modell, das auch heute noch für den Lokalfunk in NRW gilt, erst einmal etablieren und "einruckeln". Es funktioniert, kurz erklärt, so: Gesellschaftliche Gruppen verantworten das Programm und sind Arbeitgeber für die Redakteure. Sie bilden als eine Säule die "Veranstaltergemeinschaft" (VG) des jeweiligen Lokalradios. Finanziert werden die Radiosender jeweils durch eine "Betriebsgesellschaft" (BG). Diese nimmt beispielsweise die Erträge aus der Werbung ein und stellt die Technik zur Verfügung. An den Betriebsgesellschaften sind zu 75 Prozent Verlage, zu 25 Prozent die Kommunen des Sendegebietes beteiligt.

So weit die Basis, dann sollte es mit den Kolleginnen und Kollegen der ersten Stunde auch am Mikrofon losgehen. Nachdem die Landesanstalt für Medien NRW vor gut drei Jahrzehnten die Sendelizenzen erteilt hatte, gingen also nach und nach am 1. April 1991 Radio Lippe und Radio Herford an den Start, am 1. Juni 1991 Radio Bielefeld, am 22. Juni 1991 Radio Westfalica, am 14. September 1991 Radio Gütersloh und am 31. Oktober 1991 Radio Hochstift. Der siebte Sender im OWLplus-Bunde, Radio WAF, folgte im September 1992. Das Rotlicht im Studio ging damals an – und bis heute nie mehr aus.

1991 - eine hochspannende Zeit für die gesamte ostwestfälische Medienlandschaft, denn auch die (beteiligten oder auch nicht beteiligten) Verlagshäuser beobachteten den Start der Lokalradios natürlich mit großem Interesse.

Große Bekanntheit, stetig hohe Hörerzahlen und gute Umfragewerte

Von Anfang an sind die technischen und betriebswirtschaftlichen Aufgaben der Lokalradios in Ostwestfalen-Lippe und dem Kreis Warendorf bei ams – Radio und MediaSolutions als Full-Service-Dienstleister gebündelt. Uwe Wollgramm, auch Geschäftsführer von ams: „Das hat sich direkt bewährt. So können sich die Redakteurinnen und Redakteure auf die tägliche Berichterstattung und den Kontakt zu den Hörern konzentrieren und die zentrale Servicegesellschaft sorgt für die passenden Rahmenbedingungen drumherum.“ Die Lokalradios seien auf die stetig hohen Hörerzahlen, die guten Umfragewerte mit hoher Glaubwürdigkeit und die große Bekanntheit in ihren Sendegebieten zu recht sehr stolz.

"Kompetenter Partner für die Menschen"

Schauen wir uns einen Sender beispielhaft etwas genauer an: Radio Gütersloh stellte eine absolute mediale Neuheit dar. Denn mit dem Sendestart im September 1991 war damals aufgrund früherer Teilung der Landkreise und der damit verbundenen aufgeteilten Zeitungslandschaft das seinerzeit erste Medienangebot für den gesamten Kreis Gütersloh. Klaus Brandner ist wie auch beim Sendestart 1991 heute Vorsitzender der Veranstaltergemeinschaft des Lokalsenders: „Rückblickend freue ich mich aus heutiger Sicht sehr, dass es gelungen ist, durch die Konstellation im Zwei-Säulen-Modell mit der Veranstaltergemeinschaft und der Betriebsgesellschaft der Redaktion noch mehr Stärke und Unabhängigkeit zu geben. Von Anfang an steht hierbei die Medienfreiheit im Vordergrund. Auf dieser Basis ist die Redaktion von Radio Gütersloh damals wie heute tagesaktuell als kompetenter und nahbarer Partner für die Menschen im Kreis Gütersloh da.“

Für die Zukunft optimistisch gestimmt

In den ams-Tonstudios wurden die ausgestrahlten Radiospots von Anfang an zentral für alle Sender produziert. Gaby Grubert, ams-Mitarbeiterin der ersten Stunde und Produktionsleiterin der Audioabteilung, erinnert sich: „Damit wollte man eine gute Qualität der Spots garantieren. Denn sie werden als programmbildendes Element vom Hörer wahrgenommen. Wo damals einzelne Werbespots den Produktionsalltag bestimmten, produzieren unsere Soundspezialisten heute umfangreiche Radio-Kampagnen, maßgeschneidertes Soundbranding, professionelle Unternehmens-Podcasts, hochwertige Hörspiele und klangvolle Filmsynchronisationen.“
Martin Lausen ist seit 1991 Teil des Teams von Radio Hochstift und heute Chefredakteur: "Wenn ich bedenke, dass ich 1991 mit Schreibmaschine, Tonbändern, Cassetten, Schallplatten und CDs bei Radio Hochstift begonnen habe, dann bin ich heute, technisch gesehen, in einer komplett anderen Berufswelt. Erfreulicherweise ist das gesprochene Wort trotz aller visuellen Begleitkanäle das wichtigste Element für das Radio geblieben. Das stimmt mich auch für die Zukunft optimistisch."

Langjährige Treue der Hörer und Werbekunden

Uwe Wollgramm sagt im Frühjahr 2021 mit leichter Wehmut: „Natürlich würden wir nur allzu gern wie schon unsere anderen runden Geburtstage auch die 30. Geburtstage der Sender gemeinsam mit unseren Hörern mit einer richtig großen Party feiern. Wir hoffen, das ganz bald schon nachholen zu können. Für die langjährige Treue unserer Hörer und unserer Werbekunden seit mittlerweile drei Jahrzehnten sagen wir ganz herzlich DANKE! Nur durch sie konnte Lokalradio in unserer Region zu solch einem Erfolgskonzept werden.“

Alles Gute, OWL-Lokalradios.

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Julia Ures

ist zuständig für die Betreuung der Print- und Online-Kanäle von ams - Radio und MediaSolutions. Sie kümmert sich um die Pressearbeit für die Lokalradios in Ostwestfalen-Lippe und im Kreis Warendorf, ist ausgebildete Hörfunkredakteurin und Moderatorin.