Die Zukunft des Arbeitsplatzes: 7 gute Gründe für Coworking Spaces

Von Stephanie Peter, veröffentlicht am 19.02.2019
Einblick in den Coworking Space des Pioneers Clubs

8 Uhr morgens im Pioneers Club in Bielefeld: Es ist noch ruhig, alle Plätze sind leer. Der frühe Vogel kann hier nun konzentriert arbeiten. Man ist der Erste an der Kaffeemaschine oder – in meinem Fall - am Wasserkocher – Ruhe vor dem Sturm...

Coworking Spaces, wie der Pioneers Club in Bielefeld, bieten kostengünstige und abwechslungsreiche Alternativen zu klassischen Büroräumen und erfreuen sich immer mehr Beliebtheit. Sie gelten gemeinhin als die Arbeitsform der Zukunft. So wurde vorausgesagt, dass bis Ende 2018 weltweit 1,7 Mio. Menschen in Coworking Spaces arbeiten. Zum Vergleich: 2011 waren nur rund 43.000 Mitglieder in Coworking Spaces registriert. Es gibt gemeinhin zu wenig klassische Büroräume, wodurch Coworking Spaces profitieren, schließlich benötigt laut Angaben des Zentralen Immobilien Ausschusses mittlerweile jeder dritte Beschäftigte einen Arbeitsplatz im Büro.

Wie arbeitet es sich im Coworking Space?

11 Uhr morgens im Pioneers Club, Bielefeld: Mittlerweile sind fast alle zur Arbeit eingetrudelt und die meisten Plätze besetzt. Wer keinen Meetingraum reserviert hat, ist jetzt chancenlos. Zum Telefonieren geht man nun lieber in die Telefonboxen, um die anderen Mitglieder nicht beim Arbeiten zu stören. An der Kaffeemaschine wird sich ausgetauscht – es herrscht geschäftiges Treiben.

Freiberufler teilen sich Arbeitsplatz und Schreibtisch mit Unternehmensgründern, Beratern, Start-ups und Angestellten von Konzernen. Es gibt Chill-Out-Ecken, eine Dachterrasse, eine Gemeinschaftsküche mit Barista-Kaffeemaschine, Kicker und Meetingräume. Außerdem keine Chefs, die einen bei der Arbeit beobachten – so die Vorstellung bei vielen, die an diese Form der Arbeit denken. Dann kommen meist noch weitere Vorurteile ans Licht: „Die kommen alle frühestens mittags zur Arbeit oder sitzen dann die ganze Nacht am Rechner.“ „Aha. Chill-Out Area und Tischtennisplatte – arbeiten tun die doch eh nicht.“

Ich arbeite als Social Media Managerin für die Dr. Wolff Gruppe in einem Bielefelder Coworking Space und kann daher sagen: Nicht alle Vorurteile stimmen, aber an allem ist auch ein bisschen was dran. Natürlich gibt es auch in Coworking Spaces Chefs. Viele haben hier schließlich ihr eigenes Unternehmen gegründet, sich selbstständig gemacht oder sind schon immer ihr eigener Chef.

Wie woanders auch, wird auch beim Coworking hauptsächlich gearbeitet und alle anderen Annehmlichkeiten geraten im Alltag in den Hintergrund.

Und auch hier leben die meisten einen normalen Arbeitsalltag, der aber nicht für alle nine-to-five bedeutet.

Mehr als ein Arbeitsplatz

Ein Coworking Space ist mehr als ein Arbeitsplatz. Er bietet Austausch, Community, Netzwerk, Diskussionsforum und vieles mehr. Daher liefere ich Ihnen nun sieben gute Gründe in einem Coworking Space zu arbeiten oder Mitarbeiter dorthin zu entsenden:

  1. Sie müssen sich hier garantiert nicht heimlich reinschleichen, wenn es gestern mal später geworden ist und Sie erst um 11 Uhr bei der Arbeit erscheinen. Die meisten Coworking Spaces bieten 24/7 die Möglichkeit zum Arbeiten und sind daher flexibel für jeden Arbeitstyp. Ob Nachteule oder Morgenmensch: Hier kann jeder arbeiten wie und wann er möchte. Das ist vor allem für kreative Berufe von Vorteil. Schließlich hat jeder zu einer anderen Zeit sein kreatives Hoch. Sogar für einen Power Nap zwischendurch bieten Coworking Spaces die Möglichkeit. Also nicht wundern: Manchmal begegnen Ihnen hier übernächtigte Mitglieder in Jogginganzug oder es schläft jemand auf einem der Sofas.

  2. Gerade junge Arbeitskräfte legen Wert auf eine moderne Arbeitsumgebung und flexible Arbeitszeiten. Anforderungen, die in Coworking Spaces kein Problem darstellen und Gründe liefern, warum Unternehmen mehr und mehr Mitarbeiter dorthin entsenden.

    Laut einer Studie des Coworking Anbieters Mindspace, zusammen mit OnePoll, sagt fast jeder Sechste der 18- bis 34-Jährigen, dass er sich von seiner Arbeitsumgebung gestresst fühlt. Jeder Vierte fühlt sich sogar müde durch die triste Gestaltung des Arbeitsplatzes und für jeden Zehnten war das Bürodesign schon ein Kündigungsgrund.

    Ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen. Die Atmosphäre im Coworking Space ist sehr locker und modern und die Räumlichkeiten stylisch eingerichtet. In so einer Umgebung arbeite ich gerne und verbringe dann auch lieber etwas mehr Zeit am Arbeitsplatz.

  3. Gerade Start-ups oder Gründer können in Coworking Spaces flexibler skalieren, als in selbst angemieteten Büroräumen. Diese sind möglicherweise schon in wenigen Monaten zu klein. In einem Coworking Space können meist einfach neue Plätze hinzugebucht werden. Das spart Kosten und viel hin und her. Zudem sind der Mitgliedsbeitrag und die Miete für Plätze wahrscheinlich günstiger als eigene Räumlichkeiten.

  4. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Coworking Spaces wohl die besten Möglichkeiten zum Netzwerken bieten. Es treffen so viele unterschiedliche Menschen aufeinander, die Tag ein Tag aus an unterschiedlichsten Themen oder Projekten arbeiten. Das bietet Freiberuflern, genauso wie Unternehmen, die Möglichkeit Kunden zu akquirieren oder das Netzwerk an Freelancern zu erweitern. Start-ups kommen mit Unternehmen oder Investoren über ihre Geschäftsmodelle ins Gespräch und alle profitieren voneinander.

    Tatsächlich gerät die Gelegenheit zum Netzwerken im Arbeitsalltag häufig auch bei mir in den Hintergrund, aber gerade dann bieten die Community Events umso mehr die Gelegenheit, sich bei einem Bier auszutauschen.

  5. Im Coworking Space bekommen Mitglieder die Möglichkeit, Arbeit und Freizeit zu verbinden. Eine kurze Auszeit auf der Dachterrasse, Yoga beim Community Event, gemeinsames Mittagessen mit anderen Mitgliedern: Work-Life-Balance wird für Arbeitnehmer immer wichtiger und wird hier tagtäglich gelebt. Aber ganz ehrlich: Auch im Coworking Space wird eigentlich hauptsächlich gearbeitet.

  6. Häufig bieten Coworking Spaces kostenlose Workshops oder Seminare für Mitglieder an. Davon profitieren Sie für Ihre tägliche Arbeit oder können als Unternehmen sogar weitere Mitarbeiter aus der Zentrale profitieren lassen. Ich habe in meiner Zeit im Coworking Space für meine tägliche Arbeit schon mehr über Storytelling in Unternehmen gelernt und sogar Facebook war im Pioneers Club zu Besuch. Um über den Tellerrand zu blicken, habe ich auch schon an einem Vortrag über modernes Recruiting teilgenommen und interessante Einblicke erhalten.

  7. Die Mitglieder sind so vielfältig wie die Themen. Das erweitert den Horizont und häufig auch das Vokabular; nicht nur weil viel Englisch gesprochen wird. Schon bald sind Kryptowährungen, Blockchain und Chatbots für Sie keine Fremdwörter mehr.

In Zeiten, in denen das klassische Büro für viele - vor allem junge Arbeitnehmer – ausgedient hat und Ruhe- und Kreativzonen wichtiger werden, sind Coworking Spaces weiter auf dem Vormarsch, weil sie den richtigen Ansatz verfolgen. Wie Sie aussehen, spielt dabei übrigens keine Rolle. In Coworking Spaces gibt es keinen Dresscode und jeder kann zur Arbeit erscheinen wie er möchte: Casual Friday all week.

Auch in Bielefeld und Umgebung wächst das Angebot an Coworking Spaces. Bei Interesse schauen Sie doch mal auf der Website der Startupregion OWL oder der WEGE Bielefeld vorbei. Dort gibt es einen Überblick mit Coworking Spaces in der Region.

Übrigens noch ein guter Grund, um in einem Coworking Space zu arbeiten: Besseren Kaffee als hier werden Sie wohl in keiner Kantine, Büroküche und in keinem Homeoffice bekommen. Und wenn Sie mal einen Einblick gewinnen möchten, wie die Arbeit in einem Coworking Space so aussehen kann: Kommen Sie mich gerne mal auf einen Kaffee im Bielefelder Pioneers Club besuchen. Dann können Sie die Atmosphäre eines Coworking-Space persönlich kennenlernen. Die Barista Maschine zu bedienen, erlerne ich gerade noch, da ich selbst keinen Kaffee trinke. Das hat mir auch im toleranten Umfeld des Pioneers Clubs schon komische Blicke eingebracht.

Foto: Pioneers Club Bielefeld

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Stephanie Peter

ist Social Media Managerin in einem mittelständischen Unternehmen. Zuvor studierte sie Medienkommunikation & Journalismus (BA) sowie Crossmedia & Communication Management (MA) in Bielefeld. Währenddessen war sie als Aushilfe als Redaktionsassistentin bei Radio Bielefeld und in der Digitalabteilung von ams - Radio und MediaSolutions tätig. Ihr Interesse gilt vor allem der Presse- und PR-Arbeit und allen Trends rund um soziale Netzwerke.

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