Die Podcast-Checkliste: Damit das Hören Ihres Podcasts Spaß macht

Von Mathias Mersch, veröffentlicht am 21.01.2020
Junge Frau mit Kopfhörern

Praktisch gesehen, sollte es allerdings schon ein wenig mehr sein als ein Smartphone. Denn uns soll es an dieser Stelle natürlich um Podcasts mit professionellem Anspruch gehen. Studien haben ergeben, dass eine bessere Klangqualität die Glaubwürdigkeit eines Beitrags erhöht. Und natürlich ist sie auch eine Visitenkarte. Es versteht sich von selbst, dass man hierfür um einige technische Kenntnisse nicht herumkommt. Darüber hinaus sollte man mit den speziellen Anforderungen einer Podcastproduktion vertraut sein. Dienstleister, wie die Podcastfabrik, bieten deshalb professionelle Aufbauhilfe an. Sie unterstützen Produzenten bei der Entwicklung und technischen Umsetzung ihres Podcasts und helfen, typische Anfängerfehler zu vermeiden.

Wir haben deshalb auf unserer Checkliste zehn Tipps zu Technik und Aufnahme für alle Podcaster und Podcasterinnen:

1. Das richtige Mikro wählen

Es gilt die Regel: Was beim Mikrofon falsch gemacht wurde, lässt sich in der Nachbearbeitung kaum aufholen. Mikros sind für manche Puristen eine eigene Welt. So beschäftigen große Tonstudios, wie das berühmte Abbey Road, sogar eigene Mikrofonspezialisten. So weit muss man natürlich nicht gehen. Aber ein paar Kenntnisse über Mikrofone, können sehr hilfreich sein. Beispiel: Bei einer Sprachaufnahme an einer viel befahrenen Straße kann die Auswahl eines zu empfindlichen Mikros dazu führen, dass die Stimme vom Straßenlärm übertönt wird. Im stillen Raum ermöglicht ein solches Mikro jedoch größere Bewegungsfreiheit.

2. Hintergrundgeräusche vermeiden

Ein Hundepodcast mit einer Hundewiese im Hintergrund ist natürlich eine runde Sache. Ein Backworkshop, der ungewollt zum Hundepodcast wird, weil Nachbars Hund im Hintergrund bellt... eher nicht. Gleiches gilt für Lüftungen, Kühlschränke oder Straßenlärm. Außengeräusche werden schnell überhört, wenn man sie gewohnt ist, oder wenn sie sehr leise sind. Jemand Außenstehendes nimmt das aber möglicherweise ganz anders wahr. Also: Außengeräusche checken, bevor man die Aufnahme startet.

3. Klangqualität für alle Sprecher 

Viele Podcasts leben vom Dialog. Ob Doppelmoderation oder Interview, wichtig ist, dass beide Gesprächspartner gleich, besser gesagt: gleichwertig, klingen. Die Kriterien sind Raum, Lautstärke und Klang.

4. Beim Sprechen aufgepasst

Manche Musiker nutzen gern die speziellen Eigenschaften eines Mikrofons um ein Drumset mit dem Mund zu simulieren. Beim Sprechen sollten diese Effekte vermieden und gegebenenfalls herausgefiltert werden. Denn sie können das Hören sehr unangenehm machen. Dazu gehören unter anderem Poppgeräusche, die vor allem durch den Buchstaben P erzeugt werden und scharfe S-Laute. Auch die sogenannten Trittfrequenzen sollte man beachten. Vor allem Letzteres kann auch den Pegel negativ beeinflussen. In jedem Fall aber werden sich die Ohren der Zuhörer bedanken.

5. Auf den Raumklang achten

Jeder Raum hat seinen eigenen Sound. Der ist in einer großen Kirche natürlich ein anderer als im Wohnzimmer. Ein zu großer Nachhall ist auf die Dauer eher ein Störfaktor, der zudem auch die Sprachverständlichkeit beeinträchtigen kann. Außerdem klingt eine Stimme viel persönlicher, besser gesagt: nahbarer, wenn sie nicht zu weit entfernt ist.

6. Abstandsregel

Es sollte immer auf einen gleichbleibenden Abstand zum Mikrofon geachtet werden. Klingt eigentlich selbstverständlich, wird aber insbesondere bei Interviewpartnern oft nicht beachtet. Wer sich viel vor dem Mikrofon bewegt, sorgt naturgemäß für einen schwankenden Pegel. Dieses später wieder auszugleichen erfordert Technik und Fingerspitzengefühl.

7. Ein Audiokanal reicht

Eigentlich sollte das gesprochene Wort immer in mono (ein Audiokanal) aufgenommen werden und aus der Mitte erklingen. Sicher ist für Spielszenen oder spezielle Dialoge eine leichte Verschiebung nach links oder rechts ganz reizvoll. Jedoch gilt auch hier: lieber zu wenig als zu viel. Stereo (zwei Audiokanäle – rechts/links) ist interessant, wenn man Soundeffekte einsetzt, eine Atmosphäre im Hintergrund haben möchte und natürlich beim Einsatz von Musik.
Manche Nutzer hören ihren Podcast jedoch über eine einzelne Bluetooth-Box. Das bedeutet der rechte und der linke Kanal kommen aus einem Lautsprecher. Die Überlagerung dieser beiden Kanäle kann im ungünstigsten Fall dazu führen, dass Elemente, die in Stereo aufgenommen wurden, sich klanglich verändern, leiser werden oder gar komplett verschwinden.

8. Verzerrt ist verkehrt

Niemand möchte, dass sein Podcast zu leise ist. Jedoch kann das Überschreiten des maximal zulässigen Pegels zu sehr unangenehmen Verzerrungen führen. Hier ist große Vorsicht geboten. Gegebenenfalls und mit Vorsicht kann hier auch ein sogenannter Limiter eingesetzt werden.
Verzerrungen können aber auch auf jedem einzelnen Kanal entstehen. Wenn man beispielsweise gegen zu laute Außengeräusche ansprechen muss, kann der Maximalpegel schnell überschritten werden. Häufig hört man das erst bei der Nachbearbeitung im stillen Kämmerlein. Das Dumme ist, dass in solchen Fällen die Verzerrung bereits mit aufgenommen wurde. Ein nachträgliches Absenken des Pegels hilft da also nicht mehr.

9. Nachbearbeitung: Widerstehe der Versuchung

Für die Nachbearbeitung setzen Tontechniker diverse Tools ein. Entweder als Gerät oder als deutlich günstigeres Software Plug In. Dazu gehören Equalizer, Compressoren, Limiter, Deesser, Noise Gates, Expander und viele Spezialeffekte. Mit ihnen lässt sich aufgenommenes Audiomaterial hörbar verbessern. Aber Vorsicht! Die vielfältigen Möglichkeiten können auch dazu verleiten, mehr zu tun als es dem Klang zuträglich ist. Es ist also immer gut, sich in Zurückhaltung zu üben und gegebenenfalls fachkundigen Rat einzuholen.

10. Die letzte Entscheidung hat das Ohr

Für die Endkontrolle des fertigen Podcasts kann das Abhören über unterschiedliche Lautsprecher sehr hilfreich sein. Schließlich soll der Podcast ja später auch in unterschiedlichsten Situationen gehört werden können. Auf jeden Fall sollte man seine Abhörlautsprecher gut kennen. Nur so kann man das Gehörte auch richtig interpretieren.
Und ein letzter Tipp: Stereo-Aufnahmen auch in mono kontrollieren.

Königsklasse

Unter Marketern heißt es „Content is King“. Das gilt natürlich auch für Podcaster. Offenbar folgern manche jedoch daraus, dass der Sound zweitrangig ist, solange der Inhalt stimmt. Aber ein Podcast soll ja nicht einfach nur nützlich sein. Er soll den Hörerinnen und Hörern natürlich auch Spaß machen. Und dazu gehört eben auch ein guter Klang. Mit unseren Tipps schaffen Sie es aber sicher, dass es am Ende heißt: „Sound is Queen“.

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Mathias Mersch

ist Musiker, Texter und Audio-Producer. Er produziert in den ams Studios u.a. Spots, Werbejingles und Promos für die zugehörigen Radiosender.