Der Sprachassistent im Wohnzimmer: Trend intelligente Lautsprecher

Von Barbara Kawa, veröffentlicht am 22.06.2017
Lautsprecher in einem modernen Wohnzimmer mit weiß-Holfarbenen Möbeln

Amazon lässt seine Kunden über die Boxen "Echo" oder "Dot" mit Alexa kommunizieren, Google Home nennt den Ansprechpartner "Assistent" und die freundliche Stimme von Apples Siri kennt wohl mittlerweile jeder. War es am Anfang einfach verrückt und cool mit Siri zu sprechen, hat sich mittlerweile eine ganz andere (Nutz-)Welt um diese Sprachassistenten entwickelt. Automatisierte Abläufe, das praktische Zurufen von Befehlen, eine Bedienung von Geräten ohne diese überhaupt berühren zu müssen: Intelligente Lautsprecher sind einer der großen Schritte im digitalen Zeitalter.

Gerade Anfang Juni hat Apple sein System "Home Pod" vorgestellt, es soll in 2018 auch in Deutschland erhältlich sein. Amazons "Echo" ist schon seit 2014 in den USA auf dem Markt. Schätzungen zufolge haben dort bereits 10 Prozent einen digitalen Sprachassistenten. Und auch in Deutschland steigt die Verbreitung stetig an, seit es Echo seit 2016 zu kaufen gibt. In einer Statista-Erhebung haben die Befragten angegeben, Siri & Co. für die Abfrage jeglicher Informationen in Suchmaschinen nutzen zu wollen, um an eigene Termine erinnert zu werden oder um nach dem aktuellen Wetterbericht zu fragen. Dinge, die man ebenso unkompliziert mit dem Smartphone erledigen könnte. Oder sogar analog mit Papier…

Worauf es ankommt

Das Visuelle spielt also beim Trend der intelligenten Lautsprecher keine große Rolle mehr. Die Bedienung funktioniert nicht über Displays oder die Computermaus, Termine oder Ergebnisse muss der Nutzer nicht mehr ablesen. Es findet eine verstärkte Entwicklung hin zum Akustischen statt. Neben dem Abspielen von Musik-Playlists, sind auch Radio-Streams und Podcasts beliebte Inhalte. Hier wird es zukünftig möglich sein, Werbung zu schalten und so den Nutzer direkt in seiner eigenen Umgebung, seinem Alltag zu erreichen. Ein interessanter Ausblick für Marketer.

An erster Stelle steht für den Nutzer das Praktische und  Komfortable. Hat man die Hände schmutzig oder gerade nicht frei, reicht ein "Siri, ruf xy an". Faszination weckt aber auch das smarte System, welches wie ein persönlicher Assistent agiert und den Nutzer (er-) kennt. Beispielsweise merkt sich die Software anhand der Informations- oder Musikabrufe die Vorlieben des "Hausherren" und bedient beim nächsten Mal genau diese.
Suggeriert wird also, dass der Sprachassistent uns genauso versteht wie ein menschlicher Gesprächspartner. Oder vielleicht sogar noch besser? Obendrein hat der Assistent dann jegliche weitere Information jederzeit abrufbar. Und sogar die Einkäufe kann er erledigen – zumindest Amazons Alexa.

Alexa kann (fast) alles

Alexa liegt mit ihren Fähigkeiten weit vorne. Damit sie so viel kann, hat Amazon die entsprechende Programmierschnittelle für externe Entwickler freigegeben. Die programmieren die sogenannten "Skills", die dann über den Skill-Store zur Verfügung stehen. In den USA gibt es nach zwei Jahren bereits über 10.000 dieser Fähigkeiten. Und auch die Anzahl der deutschen Skills liegt mittlerweile bei mehreren hundert: Von der Beratung bei Kochrezepten, über Gehirnjogging-Training oder das Spiel "die Reise nach Jerusalem" für den nächsten Kindergeburtstag ist alles dabei. Es gibt bei den Mini-Programmen eigentlich nichts, was es nicht gibt. Und damit hat Amazon sich einen klaren Vorteil verschafft, den Apple & Co erst einmal aufholen müssen.

Also alles super?

Was bei aller Euphorie zwischen Spielzeug und praktischem Haushalts- und Lebenshelfer bleibt, ist die Frage nach der Sicherheit und dem Datenschutz. Nutzer bringen das Vertrauen mit, ihr Privatleben abhören zu lassen. Und dass von Konzernen wie Google und Amazon – den größten Datensammlern überhaupt.
Die in alle Richtungen angebrachten Mikrofone schneiden nach Angaben der Hersteller allerdings nur das mit, was nach der direkten Ansprache an den Lautsprecher also bspw. "OK Google" gesagt wird. Darauf, dass das stimmt, muss jeder Nutzer vertrauen. Was mit den aufgezeichneten Daten gemacht wird, ist nicht ganz klar.
Und trotzdem wird bei jeder Nutzung ein Erkennungsmerkmal ähnlich eines Fingerabdrucks hinterlassen – nämlich die Stimme. Darüber lohnt es sich bei allem Fortschritt einmal nachzudenken.

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Barbara Kawa

ist Online-Redakteurin und Social Media Managerin bei ams - Radio und MediaSolutions und beschäftigt sich mit allen Themen im und rund ums Web.