CSR: Halfar aus Bielefeld zeigt, wie es gehen kann

Von Kristina Grube, veröffentlicht am 05.10.2017

Das Unternehmen Halfar System

Halfar System wurde vor über 30 Jahren vom jetzigen Geschäftsführer Armin Halfar gegründet, der während seiner damaligen Arbeit als Rettungssanitäter zweckmäßige Taschen in der Branche vermisste. Also griff er selbst zur Nähmaschine und fertigte zunächst einzelne medizinische Notfalltaschen an.

Kurz gesagt ist das Unternehmen Halfar also das Ergebnis einer proaktiven Lösungssuche. Ganz nach dem Motto: „Problem erkannt, Problem gebannt.“

Heute werden unter anderem Spezialtaschen für technische Produkte und Geräte und Werbetaschen am Standort Bielefeld für die unterschiedlichsten Branchen entworfen, produziert und vertrieben.

Kein Masterplan für CSR-Maßnahmen

Aus pragmatischen Begweggründen wurde das Unternehmen Halfar aufgebaut. Ebenso pragmatisch verfährt es auch bei der Umsetzung von CSR-Maßnahmen.

"Wir sind kein riesiges Unternehmen und da gibt es auch keinen Masterplan mit auf fünf Jahre ausgerichtete Themen. Gerade was die sozialen Komponenten angeht, ist sehr viel situativ entstanden", sagt Betriebsleiter Michael Wellner.

"Vor ungefähr eineinhalb Jahren wurde unser Geschäftsführer Armin Halfar zum Beispiel von der befreundeten, ehemaligen Radio Bielefeld-Redakteurin Jutta Küster gefragt: `Mensch Armin, ich kenne drei Flüchtlinge, die gerne arbeiten würden. Kannst du die nicht bei dir beschäftigen?´ Wir hatten das Thema immer schon im Hinterkopf und dachten, da muss man doch was machen. Hier hat sich dann die Möglichkeit ergeben. Aber auch nur deshalb, weil die Tür dafür bereits offen stand."

Integration von Geflüchteten

Zwei der Flüchtlinge arbeiten bis heute in dem Unternehmen mit dem Ziel, nächstes Jahr eine Ausbildung zum Fachlagerist und Medientechnologen Siebdruck zu beginnen. Das Verständnis für die Relevanz einer Ausbildung sei laut Wellner den jungen Männern anfangs gar nicht klar gewesen und aufgrund der Sprachbarriere schwer zu vermitteln. Darum habe Halfar einen Dolmetscher engagiert, der den Anfang 20-Jährigen ihre Möglichkeiten mit und ohne eine Ausbildung erläuterte.

Neben der Integration von Geflüchteten, übernimmt Halfar als Arbeitgeber auf unterschiedlichste Weise Verantwortung und deckt hierbei die drei CSR-Säulen "Soziales", "Ökologisches" und "Ökonomisches" ab:

Ein "grünes" Gebäude

Das Firmengebäude wurde so angelegt, dass die Büros in Richtung Norden ausgerichtet sind und auf eine Klimaanlage verzichtet werden konnte. Ökologischer Vorteil hierbei ist, dass die Umwelt weniger belastet wird, ökonomisch fallen dadurch geringere Stromkosten an.

"Wenn man nachhaltig mit Ressourcen umgeht, spart man auch Geld. Auf dem Dach befinden sich Photovoltaikanlagen, so dass wir heute bei gutem Wetter nahezu 100 Prozent des Stroms selbst produzieren. Das ist einfach toll", so Wellner. Bei Bedarf darüber hinaus werde Ökostrom hinzugekauft. Das gesamte Frimengebäude wird durch eine Holzpellet-Heizung beheizt anstelle von fossilen Brennstoffen. Das Flachdach wurde im Jahr 2013 gemeinsam mit Mitarbeitern begrünt und soll das freigesetzte CO2 wieder in Sauerstoff umwandeln. Ein weiterer positiver Effekt ist, dass die Geräusche der sich darunter befindenden Siebdruckerei gemindert werden und die Pflanzen für Bienen und Schmetterlinge einen neuen Lebensraum schaffen.

Inklusion durch die Prosigno GmbH

Im Gebäude passiert aus CSR-Sicht aber noch mehr: Dort hat beispielsweise auch die Prosigno GmbH ihren Sitz. 2013 gegründet, arbeiten hier Menschen mit und ohne Behinderungen zusammen in der Siebdruckerei. "Davor haben wir viele Siebdruck-Unternehmen in der Umgebung beschäftigt und haben dann beschlossen, das selbst in die Hand zu nehmen", so Michael Wellner.

Die Mitarbeiter der beiden Unternehmen teilen sich eine Kantine und pflegen einen offenen Umgang miteinander. "Wenn Sie in die Siebdruckerei gehen, werden Sie nicht erkennen können, wer ein Handicap hat und wer nicht – zumindest nicht auf den ersten Blick", so Wellner.

Außerdem würden Transportwege und –kosten dadurch gemindert. Bei Halfar wird Inklusion gelebt und dank ihr die regionale Fertigung gewährleistet. "Das läuft sehr gut, mit allen Einschränkungen, die das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung so mit sich bringen".

Mehr Mobilität durch das „JobRad“

Seit 2015 bezuschusst die Halfar System GmbH die Nutzung eines Fahrrades für Mitarbeiter. Das ist gerade in Hinblick auf die teureren E-Bikes ein verlockendes Angebot und soll die Mitarbeiter motivieren, das Auto stehen zu lassen und mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Ziel des "JobRad"-Projekts ist zudem, etwas Gutes für die Umwelt und die Gesundheit im Allgemeinen zu tun.

"Aktuell haben wir zwölf Räder im Einsatz. Wir wollen dadurch CO2 sparen und Individualverkehr reduzieren“, sagt Wellner.

Ausgezeichnet familienfreundlich

Vom Bielefelder Bündnis für Familie wurde Halfar zuletzt 2016 als "ausgezeichnet familienfreundlich" prämiert.

"Das wird auch wirklich so gelebt, das merkt man jeden Tag. Wenn ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin beispielsweise ein Betreuungsproblem mit dem Kind hat, dann kann das auch mal mitgebracht werden. Da rümpft niemand die Nase, auch wenn es mal etwas unruhiger oder lauter dadurch ist", so Wellner.

Durch Gleitzeiten können Mitarbeiter ihre Arbeitszeiten flexibel gestalten und bei Bedarf später kommen oder früher gehen. Auch die Möglichkeit der Teilzeitarbeit besteht, etwa für ein Elternteil mit Kindern im Kindergarten- oder Schulalter. Das schafft laut Wellner eine hohe Mitarbeiterbindung, zufriedene Mitarbeiter und das im besten Fall eine gesteigerte Produktivität.

Noch längst nicht alles

Die Halfar System GmbH hat noch zahlreiche weitere Projekte und Maßnahmen. Sie übernimmt als Lieferant Verantwortung durch Materialrecycling, PVC-freie Taschen und weitere ressourcen- und umweltschonenede Maßnahmen.

Halfar setzt sich für das Thema Bildung ein, stärkt den Wirtschaftsstandort Ostwestfalen-Lippe in Zusammenarbeit mit der WEGE mbH,  hat eine Schulkooperation mit der Realschule Heepen und eine Kooperation mit der Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung (GAB).

Für sein Engagement in dem Bereich Nachhaltigkeit wurde die Halfar System GmbH zudem in diesem Jahr mit dem "PSI Sustainability Award" in den Kategorien "Social Excellence" und "Environment Initiative" ausgezeichnet.

Alle Projekte und Maßnahmen können zudem in dem "Nachhaltigkeitsbericht 2017" nachgelesen werden.

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Kristina Grube

hat Crossmedia & Communication Management (MA) an der Fachhochschule des Mittelstands in Bielefeld studiert sowie Medienkommunikation und Journalismus (BA). Seit Studienbeginn ist sie außerdem als freie Mitarbeiterin für eine lokale Tageszeitung tätig.