Corona – Schwere Situation für Azubis?

Von Lina Seliger, veröffentlicht am 05.04.2022
Schild mit Aufschrift "Bitte Abstand halten"

Ich als Auszubildende zur Kauffrau für Marketingkommunikation werde häufig gefragt, ob es denn nicht schwer sei, die Ausbildung in Zeiten von Corona zu machen. Und meine Antwort auf die Frage war immer die Gleiche: Ja, es ist schwer. Aber je mehr Zeit vergeht, desto mehr hinterfrage ich meine Antwort auf diese Frage. Mittlerweile würde ich sogar sagen, dass es nicht mehr schwer ist und man sich an die Umstände und Gegebenheiten gewöhnt hat. Ich habe mich schon häufig gefragt, ob wir die derzeitige Situation nicht vielleicht doch eher als Chance für die Zukunft sehen sollten und können.

Der Arbeitsalltag

Innerhalb meiner Ausbildungszeit gab es mittlerweile schon viele, immer wieder wechselnde Bestimmung in Bezug auf den Umgang innerhalb eines Unternehmens. Mal Home Office, mal Präsenz im Büro. Immer mit dem Hintergedanken, man könne sich anstecken oder andere anstecken. Niemand möchte schuld daran sein, dass sich jemand aufgrund eigener Unvorsichtigkeit angesteckt haben könnte. Es schwirrt also immer eine gewisse Distanz im täglichen Miteinander mit.

Dinge, die mir tatsächlich schwerer fallen sind zum einen konstante Routinen aufzubauen, an die ich mich halten und an denen ich mich orientieren kann. Außerdem fällt mir immer wieder auf, dass ich die Hälfte der Kolleginnen und Kollegen in meinem Ausbildungsunternehmen nach anderthalb Jahren immer noch nicht persönlich kennen lernen konnte. Da kommt natürlich ab und zu die Frage auf, ob mich eine Ausbildung in CoronaZeiten optimal auf die spätere Berufswelt vorbereitet.

Ich für mich persönlich versuche aus der Situation, die von Corona geprägt ist, das Positive aus der Situation zu ziehen. Selbstständiges Arbeiten wird vorausgesetzt. Viel Vertrauen wird mir entgegengebracht. Außerdem gibt es viele digitale Möglichkeiten den Kontakt zu direkten Kolleginnen und Kollegen aufrechtzuerhalten. Die MarketingAbteilung trifft sich beispielsweise mehrmals wöchentlich zu festgelegten Zeiten, um den Austausch untereinander zu sichern.

Für mich und meine Vorbereitung auf die Berufswelt nehme ich in jedem Fall mit, dass ich durch die von Corona geprägte Zeit gelernt habe, mich immer wieder auf neue Umstände einzustellen. Außerdem geht es dabei auch um das Übernehmen von Verantwortung und um eigenständiges Arbeiten.

Ein großer Bestandteil des Marketings ist es, kommunikationspolitische Maßnahmen zu planen und umzusetzen. Hier mussten sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den letzten zwei Jahren neu koordinieren und anpassen. Events sind ausgefallen und konnten nicht stattfinden. Der Einzelhandel war zum Teil geschlossen, Unternehmen sind insolvent gegangen.

Marketingmaßnahmen, die die Anwesenheit und den persönlichen Austausch bedürfen, konnte ich beispielsweise noch nicht kennenlernen. Events konnten nicht stattfinden. Veranstaltungen werden in letzter Minute wieder abgesagt. Das macht es schwierig für mich genauen Einblick in die Bereiche zu erhalten.

Die Berufsschule und das Empfinden einiger Mitschülerinnen und Mitschüler

Die Ausbildung zur Kauffrau, beziehungsweise zum Kaufmann für Marketingkommunikation ist eine duale Berufsausbildung, was bedeutet, dass die Ausbildung sowohl theoretisch als auch praktisch stattfindet. Ein Teil der Berufsausbildung wird in der Berufsschule absolviert. Auch hier reden wir ab und zu über die Corona-Situation und die Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Einige Mitschülerinnen und Mitschüler konnte ich hierzu auch befragen.

Ein Mitschüler arbeitet beispielsweise hauptsächlich aus dem Homeoffice und ist maximal einmal in der Woche vor Ort im Unternehmen. Ein weiterer Mitschüler befindet sich derzeit ausschließlich im Home Office, da sehr viele Covid-Fälle in seinem privaten Umfeld aufgetreten sind. Über diese Option und Möglichkeit ist er sehr dankbar, dennoch ist er auch froh, dass er in der gesamten Zeit hauptsächlich vor Ort im Unternehmen war. Eine weitere Mitschülerin berichtet, dass sie von November bis März im Homeoffice gearbeitet habe. Auch ich arbeite jetzt schon seit mehreren Monaten im Home Office.

Das „Homeschooling“ hat bei allen Befragten sehr gut funktioniert, dennoch kam die Anmerkung auf, dass man sich etwas einsam gefühlt habe. Der digitale Austausch ist dann doch ein anderer. Die typischen „PausenGespräche“ fallen beispielsweise komplett weg. Eine andere Mitschülerin berichtet außerdem von Konzentrationsschwierigkeiten im „Homeschooling“.

Alle befragten Mitschülerinnen und Mitschüler fühlen sich auch während der CoronaZeit gut von ihren Ausbilderinnen und Ausbildern betreut. Ein Mitschüler habe „jede Woche einen Termin mit [s]einer Teamleitung und mehrere Meetings wie ein Status- und Stand up- Meeting“. Außerdem merkt er an, dass er das Gefühl habe, dass manchen Kolleginnen und Kollegen die Menge an Aufgaben, die man als Azubi hat, gar nicht auffallen. Das würde auch noch einmal dadurch verstärkt, dass man sich so selten sehe und die Kommunikation erschwert sei.

Des Weiteren hat mich interessiert, wie es um die Arbeitsauslastung meiner Mitschülerinnen und Mitschüler steht. „In meinem Unternehmen kann ich viele Aufgaben übernehmen und auch viel eigenständig arbeiten.“ berichtet eine Mitschülerin. Auch die anderen beiden Mitschüler haben viele Aufgaben, auch während Corona. Dennoch merkt ein Mitschüler an, dass das natürlich auch von der Abteilung abhänge.

Auf die Frage, ob alle Mitarbeitenden des Unternehmens bekannt seien, hat ein Mitschüler mit der folgenden Aussage geantwortet: „[…] ich kenne definitiv nicht [...] alle Kollegen im Unternehmen. Mit einigen aus der Marketingabteilung habe ich nicht mal gesprochen beziehungsweise […] live gesehen.“ Ein anderer Mitschüler kennt circa 80 Prozent der Mitarbeitenden und eine weitere Mitschülerin kennt beispielsweise alle Mitarbeitenden ihres Unternehmens.

Aus meiner Berufsschulklasse scheinen alle ganz gut mit der Situation zurecht zu kommen. So mein ganz subjektiver Eindruck.

Der Austausch mit meinen Mitschülerinnen und Mitschülern ist mir bei meiner Ausbildung besonders wichtig. Auch das theoretische Wissen, welches wir in der Berufsschule erlernen, hilft mir bei dem Ausbildungsberuf besonders weiter. In den Corona-Jahren gab es auch Zeitperioden in der Schulzeit, in denen wir von Zuhause aus unterrichtet worden sind. Natürlich waren diese Zeitperioden bequemer und vielleicht auch ein wenig angenehmer, da man sich die Fahrzeit sparen konnte. Auf der anderen Seite hatte ich aber das Gefühl, dass das theoretische Wissen nicht besonders gut vermittelt worden ist. Gerade in Hinblick auf die Abschlussprüfung mache ich mir da auch Gedanken und vermute, dass ich dieses Wissen nacharbeiten muss.

„Bei gut 23 Prozent der für die Corona-Ausbildungsstudie 2021 des DGB befragten Auszubildenden in einer betrieblichen Ausbildung oder einem ausbildungsintegrierten dualen Studium im Alter von 16 bis 40 Jahren haben ausbildungsfremde Tätigkeiten seit Beginn der Corona-Pandemie zugenommen. Bei knapp 13 Prozent sind die ausbildungsfremden Tätigkeiten weniger geworden.“ (Quelle: statista) Das Ausbildungsverhalten in der CoronaPandemie hat sich also doch geändert. Zwar nicht für alle, aber doch für einige Auszubildende.

Auch für die Ausbildungsunternehmen war und ist es keine leichte Zeit. In Zeiten von Kurzarbeit einen Auszubildenden zu beschäftigen, einzuarbeiten und einzuleiten muss auch sehr strapazierend sein – gerade im Bereich des Marketings.

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Lina Seliger

befindet sich derzeit in der Ausbildung zur Kauffrau für Marketingkommunikation bei ams - Radio und MediaSolutions. Innerhalb ihrer Ausbildung beschäftigt sie sich mit verschiedensten Themen innerhalb des Marketings.