Bossing – Wenn der Chef den Mitarbeiter mobbt

Von Martina Tekin, veröffentlicht am 13.06.2016
Mitarbeiterin schaut unglücklich

Mobbing vs. Bossing – Begriffe geklärt!

Unter Mobbing versteht man die systematische Schädigung eines Mitarbeiters mittels verschiedener ungerechtfertigter Methoden. Oftmals wird es von anderen Kollegen ausgeführt, die in einer vergleichbaren Position tätig sind. Doch Mobbing kann auch von oben, d.h. von Ihrem Vorgesetzten kommen, in diesem Fall spricht man von Bossing.

Gründe für Bossing

Die Gründe, warum Ihr Vorgesetzter gegen Sie arbeitet, können sehr vielfältig sein und sind für Sie als Angestellter meist nicht nachvollziehbar. So inakzeptabel Bossing auch ist und so sehr Sie als Opfer darunter leiden, ist die gute Nachricht: In den seltensten Fällen hat Bossing etwas mit Ihnen persönlich oder Ihrer Arbeit zu tun. Vielmehr stecken persönliche Probleme des Chefs oder aber unternehmensstrategische Gründe dahinter, von denen einige in dieser Liste aufgezählt sind :

  1. Personalabbau: Der häufigste Grund für Bossing ist die Vorgabe der Geschäftsleitung, dass Stellen abgebaut werden müssen. Genießen die Mitarbeiter Kündigungsschutz, hilft nur noch das Hinausekeln aus der Firma, bis der Mitarbeiter selbst das Handtuch wirft.
  2. Stärkung des Nachwuchses: Ein weiterer Grund ist die Förderung junger, aufstrebender Talente und gleichzeitig die Diskreditierung erfahrener Kollegen älterer Semester. Ihnen werden nach und nach verantwortungsvolle Aufgaben entzogen, bis sie nur noch als Hilfskräfte fungieren.
  3. Corporate Identity: Manchen Unternehmen ist es extrem wichtig, dass ihre Mitarbeiter sich komplett mit der Firma identifizieren und in jeder Eigenschaft zum Unternehmen passen. Eigenwillige Charaktere und Querdenker passen nicht dazu und sollen schnell wieder verschwinden.

Ihr Vorgesetzter ist bei der Anwendung dieser Mechanismen oft auch nur eine Marionette der Geschäftsleitung und gibt den Druck, der auf ihn selbst ausgeübt wird, an seine Untergebenen weiter.

Das richtige Verhalten bei Bossing

Wenn Sie sicher sind, dass Ihr Chef Sie bewusst und zu Unrecht schikaniert, sollten Sie sich Hilfe holen. Alleine können Sie den Kampf nicht gewinnen. Bedenken Sie dabei jedoch, dass Kollegen möglicherweise befangen sein könnten bzw. selbst Gefahr laufen, Oper zu werden. Bei Bossing empfiehlt sich daher, auf externe Hilfe zurückzugreifen.

Nachfolgend sind einige Strategien aufgelistet, die Sie als erste Schritte anwenden können, wenn Sie unter Bossing leiden:

Vier-Augen-Gespräch

So schwer es auch fallen mag, als ersten Schritt sollten Sie das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten suchen. Konfrontieren Sie ihn mit Ihrer Vermutung und schildern Sie ihm Ihre Gedanken. Dies kann im besten Fall zur Klärung der Situation führen und selbst wenn nicht, beweisen Sie mit einem gut vorbereiteten Gespräch Stärke und Selbstbewusstsein.

Dokumentation des Bossings

Bewahren Sie E-Mails, Protokolle und sonstige Dokumente, die beweisen, dass Sie zu Unrecht brüskiert wurden, gut auf. Notieren Sie sich auch verbale Situationen: Was hat Ihr Chef wann und wo zu Ihnen gesagt? Dies kann später auch in rechtlichen Zusammenhängen relevant werden.

Unterstützung hinzuziehen

Damit ist in erster Linie nicht Ihr Kollege vom Büro nebenan gemeint, auch wenn Sie diesem vertrauen. Um effektiv in dieser Situation vorzugehen, ist professionelle Hilfe nötig. Dies können der Betriebsrat, Gewerkschaften, Gleichstellungsbeauftragte oder andere betriebliche Einrichtungen sein. Auch betriebsferne Berater, beispielsweise Persönlichkeitscoachs, können hilfreich zur Seite stehen.

Gelassenheit antrainieren

Das mag banal klingen, doch um diese Phase durchzustehen und erfolgreich gegen das Bossing vorzugehen, brauchen Sie gute Nerven und innere Gelassenheit. Autogenes Training, Sport oder bewusste Ruhephasen helfen, Sie durch diese zermürbende Zeit zu tragen und bei erneuten Angriffen ruhiger zu bleiben.

An Alternativen denken

Kein Job und kein Vorgesetzter sollte Sie krank machen. Wenn Sie feststellen, dass es nicht besser wird, dass der tägliche Gang zur Arbeit Sie zu sehr bedrückt: Gehen Sie in sich und überlegen, ob es nicht andere Alternativen gibt.

Vielleicht ist es nicht nötig, an diesem Arbeitsplatz um jeden Preis festzuhalten, denn andere Optionen ergeben sich oft ganz unerwartet. Kein Unternehmen der Welt ist es wert, dass Sie Ihre Gesundheit dafür aufs Spiel setzen.

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Martina Tekin

studierte Politik- und Medienwissenschaft sowie Vor- und Frühgeschichte. Danach war sie mehrere Jahre im Bereich PR/Öffentlichkeitsarbeit sowie später in einer Werbeagentur als Texterin tätig. Zudem arbeitete sie als Redakteurin in einer Marketingagentur.