Bezahlen im Internet - Teil 1: Rechnung, Lastschrift und Vorkasse

Von Melanie Schwarz, veröffentlicht am 26.10.2015
Person tippt auf Laptop und hält Kreditkarte in der Hand

Rechnung

Wer als Kunde die Option "Kauf auf Rechnung" an der Online-Kasse sieht, schreit erstmal freudig "Hurra" - zumindest innerlich. Bis vor einem Jahr, war die Rechnung noch unangefochten auf Platz 1 der beliebtesten Zahlungsarten im Internet. Heute hat sie die Führungsposition an PayPal abgegeben - aber nur knapp: Hier stehen 23,5 Prozent (Rechnung) 23,9 Prozent (PayPal) gegenüber.

Bei höheren Geldbeträgen kehrt sich dies aber wieder um: Hier steht ist die Rechnung immer noch die Bezahloption der Wahl für die Mehrzahl der Kunden. Allerdings verursacht sie vielen Online-Shop-Betreibern Bauchgrummeln, schließlich gilt sie als nicht besonders sicher: Was, wenn der Kunde verspätet zahlt? Oder gar nicht?

Mittlerweile gibt es auch gegen diese Art von Schmerzen eine Medizin: Risikomanagement mittels bestimmter Dienstleister,die gegen eine Gebühr das Risiko des Zahlungsausfalls übernehmen.

Zugegeben: Die Rechnung als Zahlungsoption ist so eine Sache. Bietet man sie an, muss man damit leben, dass der eine oder andere Kunde vermutlich nicht bezahlt - oder das Geldbeträge verspätet eingehen (ebenfalls wirtschaftlich nicht gerade optimal).

Möchte man sich dahingehend absichern, verursacht das notwendige Risikomanagement aber zusätzliche Kosten. Man gewinnt als Händler hier schnell den Eindruck, dass die Rechnung als Bezahlvariante im Internet ein einziges Verlustgeschäft für den Anbieter ist. Dem ist aber nicht so!

Die Rechnung gehört zu der bevorzugten Zahlungsvariante des Kunden. Dieses essenzielle Kundenbedürfnis zu ignorieren, kann vor allem dann fatal sein, wenn Konkurrenzanbieter, diesem Sicherheitsbedürfnis des Kunden entgegenkommen. Die Kaufabbruchquote könnte in diesem Fall drastisch steigen, denn dann heißt es schnell: "Dann kauf' ich eben woanders."

"Nein" zur Rechnung kann man deshalb kaum sagen. Diese Erkenntnis spiegelt sich auch in den Zahlen wieder, die das Institut ibi research an der Uni Regensburg eruiert hat: Laut dieser Studie gehört die Rechnung nämlich (gemeinsam mit PayPal und Vorkasse) zu den Top 3 der von Händlern angeboteten Zahlungsoptionen.

Lastschrift

Die Zahlung per Lastschrift funktioniert für beide Seiten einfach: Mittels eines Formulars macht der Käufer Angaben zu seiner Bankverbindung, worauf der Händler den betreffenden Betrag von dessen Konto abbuchen kann.

Vorteil: Das Verfahren an sich ist unkompliziert. Nachteil: Kaum ein Kunde gibt gerne seine Bankdaten im Internet Preis.

Die Option "Lastschrift" gilt also eher als händlerfreundlich, stößt beim Kunden aber auf wenig Begeisterung. Und: Ganz frei von Risiko ist auch der Händler nicht, schließlich fehlt ihm die schriftliche Einzugsermächtigung des Kunden.

Kommt es zu einer Rückbuchung muss er die Kosten hierfür tragen.

Vorkasse

Betrachtet man nur der Händlerseite ist Vorkasse DIE Option der Wahl. Der Kunde zahlt und erst nach Eingang des Betrages, wird die Ware verschickt. Sicherer geht es nicht. Potenzielle Käufer aber begegnen diesem Verfahren mehr als verhalten: Was, wenn der Händler die Ware erst verspätet losschickt? Oder im schlimmsten Fall gar nicht?

Vor allem neue Online-Shops, die noch keine Vielzahl an positiven Bewertungen vorweisen können, treffen mit der Vorkasse als Zahlungsmethode keine gute Wahl: Schließlich existiert bislang noch kein gewachsenes Vertrauensverhältnis der Kundschaft zum Unternehmen.

Die meisten potenziellen Käufer würden deshalb mit Sicherheit Abstand vom Kauf nehmen, wenn Vorkasse als alleinige Zahlungsmöglichkeit im Angebot steht.

Einen kleinen Anreiz zum Kauf kann das Unternehmen beim Kauf auf Vorkasse aber machen: Die Gewährung eines Nachlasses auf den Warenpreis für Kunden, die dies Option wählen (Skonto).

Nachnahme

Ich wage zu behaupten, dass es eine Reihe an (jungen) Online-Kunden gibt, denen der Begriff "Nachnahme" überhaupt nichts mehr sagt. Die Nachnahme als Zahlungsoption ist eindeutig ein Relikt aus vergangenen Tagen. Das muss man ganz klar so sagen. Zudem ist die Methode umständlich: Der Kaufbetrag wird direkt beim Erhalt an den Postboten übergeben.

Was aber, wenn der Kunde nicht zu Hause ist? Der Warenerhalt kann sich aus diesem Grund deutlich verzögern. Oder was, wenn der Kunde kein Geld parat hat? In Zeiten der Kartenzahlung durchaus keine Seltenheit.

Nichtsdestotrotz: Früher war es durchaus gängig, den Kaufbetrag direkt beim Erhalt der Ware an den Postboten zu übergeben. Und hin und wieder gibt es einen Käufer, der genau diese Methode bevorzugt. Ob das nun ausschlaggebend sein muss, um diese Form der Bezahlung im eigenen Web-Shop anzubieten, sei dahingestellt.

Einen guten Grund dafür gibt es aber: Die Möglichkeit der Nachnahme anzubieten, signalisiert dem Kunden Vertrauenswürdigkeit. Gerade bei Webshops, die noch keine entsprechende Reputation erlangt haben, kann dies deshalb von Vorteil sein.

Kaufabbrüche vermeiden

Die Quote der Kauffabbrüche senken. Darauf legen Online-Händler besonderes Augenmerk, wenn es um die Wahl der Bezahloptionen für den eigenen Web-Shop geht.

Bislang versuchte man diese Quote durch die Bereitstellung möglichst vieler Zahlungsvarianten entgegenzusteuern. Dieser Trend scheint am Abnehmen zu sein, das zeigt die ECC-Studie ""Payment im E-Commerce Vol. 19".

Umso wichtiger ist es nun, sich wirklich für die Payment-Optionen zu entscheiden, die beiden Seiten (Händlern und Kunden) den größten Nutzen bringen.

Im 2. Teil dieser Serie werfen wir einen Blick auf die mittlerweile am häufigsten genutzte Zahlungsart PayPal sowie auf das dem Bezahlriesen ähnliche Modell Click&Buy.

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Melanie Schwarz

ist Verkaufsleiterin und in der Kundenberatung von ams - Radio und MediaSolutions tätig. Sie berät Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung von multimedialen Kampagnen.