Bezahlen im Internet - Teil 5: Payment Service Provider

Von Melanie Schwarz, veröffentlicht am 23.11.2015
zwei Hände die auf einem Laptop stützen mit Kreditkarte in der rechten Hand

Was genau tut ein Payment Service Provider?

Wenn sich ein Händler entschieden hat, welches Paket an Zahlungsmöglichkeiten (Kreditkarte, PayPal, Lastschrift etc.) er dem Kunden für den Verkaufsvorgang zur Verfügung stellen möchte, kann er einen Payment Service Provider engagieren, der sich um die technische Integration der verschiedenen Möglichkeiten kümmert und sie in den Web-Shop einpflegt.

Für den Händler bietet dies den Vorteil, dass er nicht mit jedem einzelnen Anbieter eines Bezahlsystems verhandeln muss, sondern nur noch mit seinem zuständigen PSP. Außerdem lassen sich in seinem Online-Shop Bezahlmöglichkeiten per Klick hinzu- oder wegschalten. Selbstverständlich fallen für diesen Service Kosten an, die allerdings stark variieren können. Jeder Händler muss selbst wissen, welches der angebotenen Gebührenmodelle für seinen Shop am geeignetsten ist. Für gewöhnlich fallen eine einmalige Einrichtungsgebühr von bis zu 500 Euro an sowie pauschal eine monatliche Grundgebühr und weitere Transaktionskosten.

Was Händler vorher bedenken müssen

Aufgrund der vielen unterschiedlichen Modelle gehört es zu Schritt Nr. 1 für jeden Händler, sich zu überlegen, welche sich für ihn lohnen. Ist eine hohe Grundgebühr mit vielen freien Transaktionen geeignet oder doch eher eine niedrigere Grundgebühr mit höheren Abgaben bei den einzelnen Transaktionen?

Um dies entscheiden zu können, sollte man als Shop-Betreiber sein Sortiment eingehend unter die Lupe nehmen. Es gilt das erwartete Umsatzvolumen zu berücksichtigen sowie die Preisklasse der Produkte und ob diese in hoher Stückzahl verkauft werden oder nicht.

Nur wer alle Faktoren richtig einordnen kann, ist in der Lage, das für sich günstigste Modell zu errechnen.

Vorteile eines PSP

Das größte Plus eines Payment Service Providers ist ganz klar die hohe Dichte an Zahlungsmöglichkeiten. Ein großer Kundenstamm bedeutet in der Regel schließlich auch eine hohe Präferenzvariabilität in Hinblick auf Zahlungsmöglichkeiten. Wenn ein Kunde nicht auf die Art zahlen kann, die ihm gefällt, dann sucht er sich schnell einen anderen Shop.

Ein großes Angebot an Zahlungsmöglichkeiten beinhaltet immer die Chance auf einen höheren Umsatz. Je mehr man insgesamt anbietet, desto aufwendiger wird natürlich auch der zeitliche Aufwand für den Händler. Indem er die Dienste eines PSP hinzuzieht, ist er in der Lage, seinen eigenen Aufwand in zeitlicher, technischer und finanzieller Hinsicht zu reduzieren. Darüber hinaus bieten PSP zusätzliche Dienstleistungen an, die den Händler weiter entlasten können.

Neben der Zahlungsabwicklung kann der Shop-Betreiber das Risikomanagement, Debitorenmanagement, Finanzdienstleistungen und Call-Center-Dienste an den PSP outsourcen. So verringert sich das Risiko für Zahlungsausfälle des Händlers, da der PSP im Vornherein die Bonität des Kunden prüfen kann. Mahnwesen und Inkassoverfahren übernimmt ebenfalls der PSP.

Die im vorangehenden Teil der Serie beschriebenen Hürden für den Händler in Bezug auf Kreditkartenzahlung verfallen, da nur noch der PSP die Zertifizierung durch die Banken durchlaufen muss.

So können auch neu gegründete Shops bereits die Bezahlung per Kreditkarte anbieten, was ohne den PSP kaum möglich wäre.

Und jetzt zu den Nachteilen ...

Wer sich als Händler für einen PSP entscheidet, muss sich auch darüber im Klaren sein, dass er eine Menge sensibler Vorgänge aus der Hand gibt. Die Beziehungen zu den einzelnen Bezahlsystem-Anbietern lassen sich nur schwer pflegen, da der PSP immer dazwischengeschaltet ist.

Auf das Beschwerdemanagement oder spezielle Angebote der Anbieter kann er somit nicht zugreifen. Darüber hinaus obliegt dem Händler weiterhin die Verantwortung für seine Website und die Einhaltung der Datenschutz-Richtlinien.

Diese müssen vom PSP allerdings ebenfalls eingehalten werden. Ob dies geschieht, lässt sich mitunter schwer durchsetzen, beispielsweise wenn der PSP in einem Land sitzt, wo der Datenschutz anders gehandhabt wird als im Land des Händlers. Da die Zahlungen ja über den Mittelsmann PSP laufen, verlängert sich die Wartezeit für den Shop-Betreiber, bis er den Rechnungsbetrag für seine Produkte erhält.

Je nach PSP kann es sich hierbei um eine Zeitspanne von einigen Tagen bis zu mehreren Wochen handeln. Und natürlich werden dabei verschiedene Gebühren und Fixkosten fällig, die sich nach dem gewählten Modell richten und somit den Gewinn beeinträchtigen.

Fazit

Ein reibungslos funktionierender PSP bietet für den Online-Händler einen großen Vorteil, da ihm viel Aufwand von den Schultern genommen wird. Außerdem wird eine hohe Dichte an Bezahlvarianten ermöglicht, die dem Händler einen größeren Kundenstamm verschaffen können. Allerdings kann ein unzuverlässiger PSP auch zu vielen Kaufabbrüchen führen, was für einen Web-Shop ein potenzielles Knockout bedeutet.

Jeder Händler hat folglich die Entscheidung zu treffen, ob die eigenen personellen und finanziellen Ressourcen es erlauben, die Kaufabwicklung selbst zu bewältigen oder ob dieser sensible Bereich doch in fremde Hände wandert.

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Melanie Schwarz

ist gelernte Kommunikationswirtin und arbeitete in Köln und Düsseldorf als Mediaplanerin in Mediagenturen. Es folgten leitende Funktionen im Bereich Mediaberatung u. a. in Wiesbaden bei Carat (Dentsu Aegis) als Unit Director. In OWL kamen Aufgaben als Key Account Managerin bei Bertelsmann, Anzeigenleiterin beim Delius Klasing Verlag und Verkaufs- und Projektleiterin im Medienunternehmen ams - Radio und MediaSolutions dazu.