Auf die SMARTe Art sinnvolle Ziele festlegen

Von Sylvia Homann, veröffentlicht am 05.12.2019
Flipchart über smarte Ziele

S M A R T 

Die Methode der Smarten Ziele ist eigentlich nichts anders als eine Eselsbrücke. Smart steht für die Buchstaben S M A R T – und die wiederum stehen für fünf Kriterien, die ihre Ziele unbedingt erfüllen sollten. S wie Spezifisch. M wie Messbar. A wie Attraktiv. R wie Realistisch und T wie Terminiert. S M A R T – Smart. Eine einfache Formel, die man sich gut merken kann. Wenn Sie Ziele formulieren, sei es für Sie selbst, die ganze Firma, für einzelne Mitarbeiter oder Abteilungen, dann sollten Sie das Ziel anhand dieser fünf Kriterien überprüfen – und gegebenenfalls nachbessern, wenn die Kriterien nicht erfüllt sind.

S wie Spezifisch

Sie könnten zum Beispiel zum Ziel haben, sich im neuen Jahr endlich wieder rundum gesund zu fühlen. Das ist ein schönes Ziel, aber doch eben auch sehr allgemein formuliert. Was bedeutet „sich gesund fühlen“ für Sie genau? Möglicherweise leiden Sie an Rückenschmerzen, dann wäre ein spezifisches Ziel: „Ich habe keine Rückenschmerzen mehr.“
Im beruflichen Kontext ist ein allgemeines Ziel zum Beispiel dieses hier: „Unser Kundenservice soll sehr gut sein.“ Ein wunderbares Ziel – allerdings stellt sich vermutlich jeder Mitarbeiter etwas anderes darunter vor. Was genau heißt "sehr gut" in Ihrem Unternehmen? Spezifisch formuliert könnte so ein Ziel zum Beispiel heißen: „An der Hotline hat der Kunde sehr schnell Kontakt zu einem Mitarbeiter.“ Oder „Kundenanfragen per E-Mail werden schnell beantwortet.“ Möglicherweise werden aus der spezifischen Formulierung eines Ziels gleich mehrere konkrete Ziele.

M wie Messbar

Wenn Sie als Ziel definiert haben, dass Sie schlank sein wollen, dann haben Sie bestimmt schon eine bestimmte Vorstellung im Kopf. Genauso, wie wenn Sie formulieren, dass Sie stark sein wollen. Aber wie wollen Sie überprüfen, dass Sie dieses Ziel auch erreicht haben? Ein gutes Ziel ist ein messbares Ziel. Im Zusammenhang mit schlank und stark könnten die Ziele also heißen: Ich will so schlank sein, dass ich in meine alte Hose von vor zehn Jahren wieder reinpasse. Oder: Ich will so stark sein, dass ich drei Maß Bier am ausgestreckten Arm eine Viertelstunde lang halten kann.
Genauso überprüfbar sollten die Ziele im Arbeitskontext sein. „An der Hotline hat der Kunde sehr schnell Kontakt zu einem Mitarbeiter“ kann ja immer noch vieles bedeuten. Manche Menschen finden, dass 20 Sekunden sehr schnell sind, für andere sind es 2 Minuten. Machen Sie ihr Ziel messbar. Es könnte also heißen: „An der Hotline hat der Kunde innerhalb von 30 Sekunden Kontakt zu einem Mitarbeiter.“ Oder „Kundenanfragen per E-Mail werden innerhalb von 12 Stunden beantwortet.“ Da bleiben keine Fragen offen, ob ihr Ziel erreicht wird – oder eben nicht.

A wie Attraktiv

Ziele, auf die Sie oder auch Ihre Mitarbeiter hinarbeiten sollen, müssen attraktiv sein. Wenn Sie in eine bestimmte Hose wieder reinpassen wollen, Sie aber schon jetzt wissen, dass Sie dann den Rest Ihres Lebens aufs Bier und die Stadionwurst werden verzichten müssen, dann ist das möglicherweise kein attraktives Ziel. Wenn Sie drei Maß Bier eine Viertelstunde am ausgestreckten Arm halten wollen, aber weder Biertrinker noch Angeber sind, dann ist auch das vermutlich kein attraktives Ziel.  Wenn Sie die schnellste Kundenhotline der Welt anstreben, aber auf diese Art und Weise gar keinen Kundenkontakt haben und in absehbarer Zeit nicht haben werden, dann ist das kein attraktives Ziel.

R wie Realistisch

Ziele, die unmöglich zu erreichen sind, können nur deprimieren und unglücklich machen. Im Privaten wie im Beruflichen. Wenn Sie vor zehn Jahren 50 Kilo weniger gewogen haben, ist es möglicherweise nicht realistisch, dass Sie wieder in die alte Hose reinpassen. Wenn Sie schon beim Tippen am Computer Muskelkater in den Schultern bekommen, ist es auch nicht sehr realistisch, drei Maß Bier halten zu können. Wenn Sie sich vornehmen, dass an der Kundenhotline innerhalb von 30 Sekunden jemand ans Telefon geht, Sie aber gar keine Mitarbeiter haben, die ständig an der Kundenhotline sitzen, werden Sie dieses Ziel nicht erreichen. Es ist dann nicht realistisch. Sie könnten es aber mit zehn Kilo weniger, einem halben Liter Bier und der Beantwortung einer Kundenanfrage innerhalb von zwölf Stunden versuchen.

T wie terminiert

Die Terminierung ist eine superwichtige Komponente, vor allem auch im Hinblick auf eine realistische Zielsetzung. Vielleicht ist es tatsächlich realistisch, wieder in die alte Hose reinzupassen. Aber höchstwahrscheinlich nicht bis nächste Woche. Vielleicht aber innerhalb der nächsten zwei Jahre.
Wie realistisch ein Ziel ist, hängt in entscheidendem Maße auch davon ab, in welchem Zeitraum Sie es erreichen wollen. Vielleicht ist es tatsächlich wünschenswert, dass die Kundenhotline innerhalb von 30 Sekunden Kontakt mit einem Mitarbeiter garantiert. Vielleicht geht es jetzt noch nicht – aber möglicherweise in einem Jahr. Wenn Sie konsequent über T wie Terminiert nachdenken, gelingt es Ihnen, kurzfristige, taktische Ziele – von strategischen, langfristigen Zielen zu unterscheiden.

Maßnahmen sind keine Ziel

Wichtig ist bei der Methode der SMARTen Ziele, dass Sie auch wirklich Ziele formulieren und sich erst dann die Maßnahmen dazu überlegen. Klingt einfach, ist es aber oft gar nicht .Nehmen wir noch mal das Beispiel abnehmen: Viele würden ihr Ziel so formulieren, dass sie ab jetzt drei Mal die Woche Sport machen wollen. Das ist aber die Maßnahme – und das Ziel dahinter ist, wieder in die alte Hose von vor zehn Jahren reinzupassen. Die Unterscheidung ist deswegen so wichtig, weil einige Ziele vielleicht mehrerer Maßnahmen bedürfen. Vielleicht reichen drei Mal die Woche Sport nicht aus – vielleicht müssen Sie auch noch die Ernährung umstellen. Das merken Sie aber gar nicht so, weil Sie ja glauben, dass Ihr Ziel ist, drei Mal die Woche laufen zu gehen.

Oder nehmen wir wieder die Hotline: Wenn Sie den Service dort schneller machen wollen, müssen Sie vielleicht einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin einstellen. Das ist die Maßnahme, die zum Ziel führt. Das Einstellen eines Mitarbeiters ist kein Zweck für sich und schon gar kein Ziel.
Kleiner Tipp: Alles, was Sie tun, ist automatisch immer eine Maßnahme und kein Ziel. Ziele dagegen beschreiben erstrebenswerte Zustände.

SMART ins neue Jahr

Mit den SMARTen Zielen zu arbeiten, erfordert ein bisschen Übung. Irgendwann geht es Ihnen aber in Fleisch und Blut über und Ihre Ziele sind schnell und gut formuliert. Behalten Sie einfach die Formel im Kopf: S-M-A-R-T und gehen Sie zum Beispiel Ihre Ziele für das nächste Jahr systematisch durch. Ist jedes einzelne davon Spezifisch, Messbar, Attraktiv, Realistisch und Terminiert? Wenn nicht, formulieren Sie sie einfach entsprechend um. Das sorgt auch für das gute Gefühl, nichts übersehen zu haben. Oder um es mit Immanuel Kant zu sagen: „Der Ziellose erleidet sein Schicksal, der Zielbewusste gestaltet es.“

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Sylvia Homann

ist Radio-Moderatorin bei Radio Hochstift in Paderborn und seit einigen Jahren zertifizierte Qualitätsmanagerin nach der Norm ISO 9001:2015. Sie berät unter anderem Dienstleistungsunternehmen und Bildungseinrichtungen in Sachen Qualitätsmanagement und Arbeitsorganisation. Darüber hinaus bietet sie auch Workshops und Inhouse-Schulungen an – zum Beispiel zu den Themen Kundenorientierung, gute Führung und Leitbild. Im Frühjahr 2019 hat sie gemeinsam mit drei anderen Autoren ein Buch über Qualitätsmanagement für Medien geschrieben: „Qualität managen. Das ISO-Handbuch für Kreative in Medien.“ In ihrem Podcast "QM-Quickie" geht's um kleine und einfache Methoden für eine bessere Arbeitsorganisation.