Ansichtssache! Filmformate in Zeiten von ‚Mobile First‘

Von Frank Terpoorten, veröffentlicht am 06.09.2022
Fernbedienung mit Fernseher im Hintegrund

Von der Röhre zum aktuellen 16:9-Format

Das klassische Fernsehen musste sich bis zum Schluss damit abfinden, dass die 4:3-Kiste eben kein großes Kino bietet. Aber in den letzten Jahrzehnten mit 16:9 hat sich ein eher ‚filmisches‘ Format für Bewegtbild-Content durchgesetzt. Und die Streamingdienste laufen mittlerweile in Storytelling und visuellem Erlebnis dem Kino den Rang ab. Heute wird alles, selbst ganz einfache Schulungsfilme, im 16:9-Breitbild produziert.

Digital Natives wachsen anders auf

Doch spätestens mit einer Generation, die mit Social Media und Filmnutzung im Handyformat groß geworden ist, stehen die Zeichen auf Wandel; denn Handys liegen hochkant besser in der Hand und immer mehr Filme in Social Media spiegeln dieses Nutzungsverhalten. Sie werden in 9:16 produziert: Hochkant! Allerdings betrifft das fast nur self-made-Videos (vgl. TikTok oder Youtube Shorts), nicht Unternehmensfilme.

„Mobile First!“ nur im Webdesign

Professionelles Webdesign hat sich auf die zunehmend mobile Nutzung eingestellt: Je nach Ausrichtung und Bildformat ordnen Websites Text- und Bildelemente dynamisch. Die dort eingebundenen Filme jedoch bleiben fixe Dateien, die abgespielt werden, wie sie eben sind. Und das ist eben das klassische 16:9-Querformat.

Warum das so ist? Weil die meisten Unternehmens- oder Produktfilme nicht für ein bestimmtes Endgerät produziert werden, sondern für verschiedenste Einsatzszenarien (die Eier legende Wollmilchsau eben). Und wer den geplanten Film bei Präsentationen, auf Messen, auf der Website und auf Youtube zeigen will, der hat automatisch das klassische Bildformat vor Augen.

Dazu kommen zwei weitere Faktoren: Wahrnehmungspsychologisch ist unser Sichtfeld eben mehr auf Breite als auf Höhe ausgerichtet. Und auch die Bildinhalte bewegen sich eher horizontal. Wer die Kommunikation zwischen Menschen oder Bewegungen im Raum einfängt, macht eher horizontale Schwenks oder legt die Bildtotale breiter an.

Ja, es gibt gute Gründe, warum professionell produzierte Videos im Querformat aufgenommen werden.

Filmische Freiheit der Formate

Aber wir sind darauf nicht festgenagelt! Moderne Postproduktion gibt uns heute die Möglichkeit, aus einem querformatigen Basisvideo ohne Weiteres Versionen für Social Media zu produzieren, die quadratisch oder auch hochkant sein können. Wie das geht?

Die filmisch sauberste Form ist sicher, jedes einzelne Bildmotiv zu beschneiden, wo nötig links oder rechts auszurichten oder das Motiv abzuschwenken. Beim so genannten ‚Abkaschen‘ wird aus dem goldenen Schnitt tendenziell ein Portraitlook.

Die grafischere Lösung ist das gezielte Arbeiten mit Farbflächen an Stelle der schwarzen Balken. Das bietet sich besonders bei Filmen mit Schrifteinblendungen an, weil für diese Einblendungen jetzt neben der Positionierung auf dem Bild auch die neuen Farbflächen genutzt werden können. Oben und unten, oder die grafischen Flächen wechseln auch mal ihre Position.

Ein – allerdings aufwändigerer – Trick in der Postproduktion ist der Splitscreen: Wenn die weite und die nahe Einstellung eines Filmmotivs synchron übereinander ablaufen, entstehen manchmal magische Momente!

Fazit: Eine Frage der Haltung!

Auch wenn Sie Ihre Filmproduktionen weiterhin im Querformat umsetzen lassen, gibt es vielfältige Möglichkeiten, mit dem fertigen Film oder dem Rohmaterial wirkungsvoll und adäquat in Social Media zu kommunizieren. Moderne Postproduktion, die nicht nur im Querformat denkt, macht’s möglich!

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Frank Terpoorten

ist Berater und Konzeptioner für Unternehmens- und Produktfilm. Der gebürtige Niederrheiner Jahrgang 1972 studierte Literaturwissenschaft an der Uni Bielefeld und blieb danach der Region OWL treu. Nach einem Ausflug in die Welt der Werbeagenturen ist er seit 2000 für die Bielefelder Filmproduktion ams VIDEOGRAPH aktiv.